Angst verleitet zur Gewalt

Die Terroranschläge in den vergangenen Wochen machen auch uns Angst. Wie begegnen wir am Besten dem Terror? Manche lassen sich verunsichern und möchten alle Menschen einer bestimmten Gesinnung am Liebsten vor die Tür setzen, weil sie die Radikalen mit einer ganzen Gruppe gleichsetzen.


Hätte mancher früher am liebsten alle Sozialisten oder Kommunisten in der DDR oder noch weiter östlich ausgesiedelt, trifft es heute die Muslime. Aber das sind Reaktionen der Angst: jemand zum Schweigen zu bringen und jemanden aus der gesellschaftlichen Mitte entfernen. Viele Menschen leben in Deutschland, die dem islamischen Glauben angehören. Und manche extreme Lesart des Islam wird gleich allen Muslimen unterstellt. Die Angst und Furcht vor Anschlägen lässt uns manchmal extrem reagieren. Das aber kann nicht das Leitmotiv für uns sein: Angst. Besonders wenn wir selber gläubige Christen sind.


In der Kirchengeschichte gab es genug Beispiele von Radikalität und extremer Gewalt. Daraus sollten wir lernen: die Angst verleitet uns zumeist zur Gewalt. Die Angst vor Naturkatastrophen, vor Seuchen und auch vor Überfremdung hat Menschen, egal welchen Glaubens, zu extremer Gewalt getrieben. Das zeugt aber nicht von christlicher Glaubensstärke. Christliche Glaubensstärke vertraut auf Jesus Christus. Wir lesen in den Evangelien nicht, dass Jesus selbst zur Gewalt aufgerufen hat. Wir lesen eher davon, dass Jesus vertraut hat: Er hat Gott geglaubt. Er hat Gott vertraut, dass er ihn nicht allein lässt. Das ist kein Motiv der Angst, sondern der Stärke. Ein Motiv, das ohne Waffen und Gewalt auskommt. Ein Motiv, welches auch uns gerade den Fremden und Andersglaubenden ernst nehmen lässt und mir Begegnung ohne Vorbehalt ermöglicht. Voraussetzung ist, dass ich selber einen Glauben habe. Für Christen bedeutet Glaube das Vertrauen, dass Gott mich nicht allein lässt.


Pastor Erik Richter, Pastoraler Raum Schmallenberg-Eslohe