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Abtauchen in die Vergangenheit des Bergbaus

10.08.2013 | 11:11 Uhr
Abtauchen in die Vergangenheit des Bergbaus
Foto: Bjoern Dorstewitz

Nuttlar. Unscheinbar steht der gelbe Metall-Container am Waldrand neben der Bundesstraße 7 im Bestwiger Ortsteil Nuttlar. Dabei bildet er den Eingang zu einem der spannendsten Tauchplätze in Deutschland: Tauchen in einem alten Schieferbergwerk - das gibt es nicht an jeder Ecke. Genau genommen ist das, was da seit wenigen Wochen in dem kleinen Ort geboten wird, deutschlandweit sogar einzigartig. Betreiber Matthias Richter von der Tauchschule Sorpesee kann sich schon nach kürzester Zeit vor Anfragen kaum retten.

Was macht das alte Schieferbergwerk in Nuttlar als Tauchplatz so einzigartig?

Das ist zum einen die Größe. Das Bergwerk hat fünf Ebenen, von denen die unteren zwei inzwischen komplett geflutet sind - und das auf einer Länge von insgesamt zwölf Kilometern. Hier gibt es unter Wasser ein regelrechtes Riesen-Labyrinth. Damit haben wir in Nuttlar sogar Europas zweitgrößtes betauchbares Bergwerk. Hinzu kommt, dass dieses geflutete Bergwerk das einzige in Deutschland ist, das wegen seiner zum Teil geringen Tiefe auch Sporttaucher erkunden dürfen.

Foto: Bjoern Dorstewitz

Das heißt, es besteht auch für blutige Anfänger die Möglichkeit, dort abzutauchen?

Nicht so ganz. Wichtig ist schon, dass man als Sporttaucher über die nötige Erfahrung verfügt. Das Bergwerk bietet sich aber wunderbar als Einstieg für das Höhlentauchen an - als eine Art Schnuppertauchen sozusagen. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren etwa 15 Prozent der Gänge mit Seilen und Symbolen ausgestattet, an denen sich die Taucher orientieren können. Um den gesamten gefluteten Bereich zu erkunden, ist dann aber eine abgeschlossene Ausbildung zum Höhlentaucher erforderlich.

Was gibt es denn im Wasser unter Tage überhaupt zu entdecken?

Das Bergwerk sieht unter Tage noch so aus wie zu dem Zeitpunkt, als die letzten Bergleute es bei der Stilllegung im Jahr 1985 verlassen haben. Nach der Insolvenz ist dort einfach nur das Licht ausgemacht worden. Das heißt: Werkzeug, Loren, Gleisanlagen, Helme - all das ist heute noch an der gleichen Stelle wie damals. Es geht durch lange Gänge und durch Abbauten, die so groß sind, dass sie wie Kathedralen anmuten. Zu den Attraktion gehört sicher auch der pressluftbetriebene Überkopflader sowie eine alte Pausenbude, in der noch immer die Jacken der Bergleute an der Wand hängen.

Und wie ist die Sicht unter Tage?

In dem gefluteten Bereich ist es völlig dunkel. Licht gibt es hier lediglich aus den Lampen der Taucher. Damit hat man in den offenen Bereichen stellenweise eine Sicht von rund 20 bis 30 Metern. Das ist schon faszinierend. Wichtig ist aber, dass man sich äußerst vorsichtig bewegt. Auf dem Boden haben sich feinste Ablagerungen abgesetzt, die damals beim Brechen des Schiefers entstanden sind. Hier reicht eine falsche schnelle Bewegung mit den Flossen und dann ist es mit der Sicht vorbei.

Matthias Richter. Foto: Frank Selter

Woher kommen denn die Menschen, die bei Ihnen abtauchen?

Es kommen Taucher aus ganz Europa nach Nuttlar. Wir haben Buchungen aus Dänemark, Tschechien, aus Holland und der Schweiz. Heute war zum Beispiel eine Gruppe aus Polen hier. Wir werden bereits äußerst gut gebucht - und das, obwohl wir erst seit Ende Juni geöffnet und bislang nicht offensiv geworben haben. Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Wochen und Monaten noch einmal deutlich steigen wird.

War es schwierig, eine Genehmigung für diese außergewöhnliche Attraktion zu bekommen?

Es gibt schon viele Auflagen, die erfüllt sein müssen. Dabei geht es natürlich in erster Linie darum, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Wir haben Notfallequipment bereitgestellt, mit dem Taucher im Ernstfall gerettet werden können. Insgesamt haben wir in den vergangenen zwei Jahren eine Summe im mittleren vierstelligen Bereich investiert.

Frank Selter

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2013-08-10 11:11
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