Abschiebung sorgt für Wirbel an Realschule

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Die Abschiebung eines armenischen Mitschülers hat gestern in der Klasse 10a der Bestwiger Realschule für mächtig Aufsehen gesorgt. Was dann folgte, hat es im Mescheder Kreishaus noch nicht gegeben.

Bestwig..  Die gesamte Schulklasse schlug samt Lehrerin bei der Ausländerbehörde auf. Die Bezirksregierung wird nun prüfen, ob der spontane Ausflug mit dem Linienbus Konsequenzen für die Lehrerin haben wird. Ob sie mit einem Disziplinarverfahren rechnen muss, vermochte Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung, gestern noch nicht einzuschätzen. Die Bezirksregierung werde den nicht alltäglichen Fall nachbereiten und eine angemessene Form der Rückmeldung geben, sagt er.

Eltern waren nicht informiert

Man müsse sich zwar fairerweise klar machen, welche Betroffenheit am Morgen in der Klasse geherrscht habe, so Söbbeler. Fakt sei aber, dass diese Form der spontanen Reaktion nicht möglich sei - auch wenn die Schulleitung die Fahrt zum Kreishaus befürwortet habe.

Der stellvertretende Schulleiter Peter Kazalla hatte die Fahrt nach eigenen Angaben als „Unterrichtsgang“ genehmigt, damit sich die Klasse von ihrem Mitschüler verabschieden kann. Doch der 18-Jährige war, ebenso wie seine Schwester, bereits auf dem Weg zum Flughafen Köln/Bonn. Das hatte die Kreisverwaltung einem Lehrer um 10.12 Uhr auch mitgeteilt. Der hatte diese Nachricht aber offensichtlich nicht an die Schulleitung weitergegeben.

Wie die Bezirksregierung betont, hätte die Schule für eine solche Aktion zum einen das Einverständnis der Eltern einholen müssen. Zum anderen sieht die Behörde den Unterrichtsausfall und ungeklärte Versicherungsfragen als problematisch an. „Das klingt in einem solchen Zusammenhang sehr formalistisch, darf aber bei allen Emotionen nicht aus den Augen verloren werden, sagt Christoph Söbbeler. Es gebe bestimmte Leitlinien, und es sei Aufgabe und Pflicht eines Lehrers, diese formalen Dinge einzuhalten.

Keine Überraschung

Der Besuch im Kreishaus sei hoch emotional gewesen, sagt Kreis-Presse­sprecher Martin Reuther ohne ins Detail zu gehen. Er habe zwar Verständnis für die Emotionen, aber man dürfe nicht vergessen, dass die Ausländerbehörde lediglich die Entscheidungen der Gerichte umsetze. Keiner seiner Kollegen mache so etwas gern.

Noch vor Schulbeginn hatten die Mitarbeiter der Ausländerbehörde gestern Morgen bei der armenischen Familie in Bestwig geklingelt. „Die Abschiebung kann für sie keineswegs überraschend gekommen sein“, sagt Reuther. Zuletzt vor drei Wochen habe die Behörde sie auf die Möglichkeit einer freiwilligen Ausreise hingewiesen und zum Gespräch gebeten. Dieser Bitte sei man allerdings nicht nachgekommen. Also musste die Ausländerbehörde gestern Morgen auf Anordnung des Gerichts Fakten schaffen. Auch einen Eilantrag gegen die Abschiebung hat ein Gericht gestern Nachmittag abgelehnt. Der 18-jährige Realschüler und seine 20 Jahre alte Schwester mussten um 18.15 Uhr zurück nach Armenien. Ausreisepflichtig sind auch die 41-jährigen Eltern der beiden. Sie dürfen allerdings zunächst in Deutschland bleiben, weil sie erst im Januar Nachwuchs bekommen haben und das Asylverfahren des Neugeborenen noch läuft.

Auf Unverständnis stößt die Abschiebung nicht nur bei der Realschulklasse, sondern auch bei der Flüchtlingsberatung der Diakonie. Der 18-Jährige hatte bereits einen Ausbildungsplatz, den er im Herbst bei einem Olsberger Schreiner hätte antreten können, die 20 Jahre alte Schwester war dabei, am Bergkloster Bestwig ihr Fachabi abzuschließen, der Vater hat eine feste Anstellung bei einem Kunststoff verarbeitenden Betrieb in Olsberg. „Die Familie war vorbildlich integriert“, betonte Carina Hesse, Mitarbeiterin der Flüchtlingsberatung gestern.

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