Abgeschnitten von der Welt

So sehen Telefonleitungen innen aus .
So sehen Telefonleitungen innen aus .
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Zum Jahreswechsel ist das Festnetz im Nierbachtal bereits 14 Tage ausgefallen. Jetzt kann wieder nicht mehr telefoniert werden. Schuld sind marode Leitungen.

Nierbachtal..  Jetzt also wieder – das Nierbachtal ist erneut von der übrigen Welt abgeschnitten. Wieder ist das Festnetz in dem Örtchen ausgefallen, berichtete Ratsmitglied Falk Dümpelmann (CDU) im Hauptausschuss – er ist selbst betroffen. Um den Jahreswechsel war der Flecken bereits 14 Tage ohne Telefon.

Dümpelmann beauftragte die Gemeindeverwaltung, bei der Telekom nachzufragen, wie die Zukunft der kleinen Ortschaften telefon-technisch aussehen werde, wenn künftig auch noch die alten Anschlüsse abgeschaltet werden sollen.

Wie berichtet, ist nicht nur das Festnetz ein Problem in und um Nierbachtal. Es gibt nur lahme Internetverbindungen und keinen Handyempfang. Wer mobil telefonieren will, der muss bis zur Höhe nach Berlar fahren – eine gefährliche Situation, wenn sich ein Unfall ereignet und Rettungskräfte nur mit Verspätung alarmiert werden können. Dümpelmann regte an, zu prüfen, ob nicht an den Windrädern in Berlar Umsetzer angebracht werden könnten, um die Umgebung mit Berlar, Klause, Blüggelscheidt und Nierbachtal mit Mobilfunk zu versorgen.

Analog und ISDN werden abgeschaltet

Die Telekom hat die Verpflichtung, an jedem Ort in Deutschland einen Telefonanschluss sicherzustellen: „Grundsätzlich muss das Telefon funktionieren“, sagt Stefan Glusa, Geschäftsführer der Telekommunikations-Gesellschaft Südwestfalen. Es gebe aber häufig noch alte, mit Papier isolierte Leitungen, in die Feuchtigkeit eindringen könne. Kurzfristig sieht Glusa für die Nierbachtaler nur die Möglichkeit, immer wieder die Störungsstelle zu kontaktieren oder, „wenn alle Stricke reißen“, über Satellitentelefone zu telefonieren.

Hoffnung hat Glusa angesichts der „Integrierten Netzstrategie“ der Telekom. Die Telekom habe bereits begonnen, ganze Ortsnetze auf „All-IP“-Anschlüsse umzustellen – dabei werden die klassischen analogen und ISDN-Festnetzanschlüsse abgeschaltet und auf Internetverbindungen umgestellt: „Das ist eine massive Kosteneinsparung, weil dann nur noch eine Technik vorgehalten werden muss.“ Die alten Verträge werden zwangsgekündigt. Bis 2018 soll deutschlandweit auf „All-IP“ umgestellt sein: „Das ist die nächste Evolutionsstufe.“ Der heimische Telekommunikations-Experte Stefan Glusa verbindet damit die Hoffnung, dass die Telekom bei der Umstellung jedes Netz genau untersuchen werde – und damit eben auch kleinere Orte eine bessere Versorgung bekämen.

Zurückhaltung bei Investitionen

Hoffnung auf Sendeanlagen an Windrädern dämpft Glusa: Selbst wenn Windräder dafür kostenfrei zur Verfügung gestellt würden, müsse sich der Betrieb und der Unterhalt für Mobilfunkanbieter lohnen – als Faustformel gelte, dass sich dies unter 1000 Betroffenen im Umkreis nicht lohne.