71-Jährige wird beinahe bestohlen

Aus Gutmütigkeit geben Menschen in paar Münzen - doch dann geht der Trick erst richtig los. Die Täter wollen die gesamte Geldbörse.
Aus Gutmütigkeit geben Menschen in paar Münzen - doch dann geht der Trick erst richtig los. Die Täter wollen die gesamte Geldbörse.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
In der Innenstadt von Meschede sind Trickdiebe unterwegs. Zeugen halfen einer 71-jährige Frau im letzten Moment.

Meschede..  Die Polizei ist davon überzeugt: „Das war knapp“. Zwei Zeuginnen haben am Montagmorgen in der Innenstadt einen Trickdiebstahl verhindert. Die Masche ist eigentlich bekannt - doch sie wird immer wieder durchgezogen: Unbekannte sprechen Passanten unter dem Vorwand an, für den guten Zweck zu sammeln, und versuchen ihnen dann Bargeld oder Geldbörse zu stehlen.

Es ist kurz nach 11 Uhr: Eine 71 Jahre alte Frau verlässt die Sparkasse am Winziger Platz und ist gerade auf dem Weg in die Fußgängerzone, als sie von einer unbekannten Frau angehalten wird. Die vermeintliche Spendensammlerin hält ein Klemmbrett in der Hand. Darauf steht: Sie sammelt für behinderte Kinder. Die Rentnerin lässt sich erweichen. Sie nimmt eine Münze aus ihrem Portemonnaie und steckt die Geldbörse anschließend wieder in ihre Manteltasche.

Täter werden zudringlich

Doch jetzt beginnt erst der Trick: Die Spende sorgt nicht dafür, dass die ältere Frau in Ruhe gelassen wird. Vielmehr wird die Betrügerin nun zudringlich und drängt sich immer näher an ihr Opfer heran. Das Ziel: Der 71-Jährigen die Geldbörse aus dem Mantel zu stehlen.

Beinahe hätte die Täterin damit Erfolg gehabt. Sie hatte das Portemonnaie bereits in der Hand, als zwei couragierte Zeuginnen im Alter von 26 und 47 Jahren die Szene bemerkten und einschritten. Sie trennten die Diebin von ihrem Opfer und schlugen der Täterin die Beute aus der Hand. Das Portemonnaie fiel zu Boden, Geldscheine lagen auf der Straße - und die „Spendensammlerin“ ergriff zu Fuß die Flucht in Richtung Zeughausstraße.

Die Polizei geht davon aus, dass die Täter ihre Opfer dabei beobachten, wenn sie Geld abheben. Doch auch an anderer Stelle im Stadtgebiet sind die Verdächtigen bereits gesichtet worden: etwa vor Supermärkten. „Die gesammelten Spenden“, warnt Polizei-Pressesprecher Ludger Rath zudem, „kommen nach unseren Erfahrungen nicht bei sozialen Einrichtungen an. Einen kleinen Teil behalten die Sammler, der Großteil wird an die Leute im Hintergrund weitergereicht.“ Erfahrungen der Polizei zeigten darüber hinaus, dass gestohlene Beute sofort an Komplizen weitergegeben wird. So ist es für die Beamten schwerer eine Straftat nachzuweisen. Einen weiteren Punkt machen sich die Täter zunutze: Auch wenn sie überwiegend aus dem Ausland stammen, haben sie einen festen Wohnsitz in Deutschland und können deshalb für einfache Diebstähle nicht gleich in Untersuchungshaft genommen werden. Meisten operieren die Banden für mehrere Tage in einer Stadt, dann ziehen sie weiter.

Auf Distanz bleiben

Die Polizei rät, auf derartige Spendenbitten nicht einzugehen und unter allen Umständen auf Distanz zu diesen Personen zu bleiben. Rath: „Die Sammlung von Spenden dient in der Regel nur dazu, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und diesen körperlich nahe kommen zu können. Das eigentliche Ziel ist der Diebstahl von Wertgegenständen wie zum Beispiel Handys, Portemonnaies oder anderer Dinge. Sollten Sie von derartigen Tätern bedrängt werden, so machen Sie Ihre Umgebung lautstark auf sich aufmerksam.“ Dies treibe die Täterinnen in der Regel in die Flucht.

Die Betrügerin wurde wie folgt beschrieben: 160 Zentimeter groß, zwischen 25 und 35 Jahre alt mit dunklen Haaren, die zu einem Dutt zusammengebunden waren. Die Frau trug eine braune Jacke und hatte einen südosteuropäischen Akzent.

Hinweise an die Polizei Meschede unter 90200.