60 Jahre nach dem Schmallenberger Dichterstreit

Das Foto zeigt die Teilnehmer  des Schmallenberger Dichterstreits von 1956 vor dem Hof Geiecke in Heiminghausen. Die  Schriftsteller stritten damals darüber, ob es das Westfälische in der Literatur noch geben darf.
Das Foto zeigt die Teilnehmer des Schmallenberger Dichterstreits von 1956 vor dem Hof Geiecke in Heiminghausen. Die Schriftsteller stritten damals darüber, ob es das Westfälische in der Literatur noch geben darf.
Foto: Privat
60 Jahre ist es her, dass in Schmallenberg ein Streit zwischen westfälischen Dichtern entbrannte, der bis heute als Wendepunkt in der westfälischen Literatur bekannt ist.

Schmallenberg..  Genau 60 Jahre ist es her, dass in Schmallenberg ein Streit zwischen westfälischen Dichtern entbrannte, der bis heute als Wendepunkt in der westfälischen Literatur bekannt ist. Das soll mit einem Wochenende rund um die Literatur gefeiert werden. Wie genau, das verrät Dr. Andrea Brockmann, Leiterin des Kulturbüros, im Interview.

Worüber haben die Dichter damals gestritten?

Dr. Andrea Brockmann: Es kamen damals zwei Generationen von Schriftstellern zusammen – eine jüngere und eine ältere um Josefa Berens-Totenohl, Maria Kahle und Heinrich Luhmann. Sie haben als Schriftsteller zur Zeit des Nationalsozialismus gearbeitet und später unkritisch weitergemacht. Der Streit hat sich dann um die Frage entfacht, ob es das Westfälische in der Literatur gibt. Die jüngere Generation war der Auffassung, dass es so eine traditionelle Auffassung nach dem Nationalsozialismus nicht mehr geben kann. Ihr Tenor war: Das Westfälische in der Literatur ist tot.

Welche Folgen hatte die Diskussion?

Die Literatur in Westfalen wurde offener, moderner, experimenteller und der Traditionsstrang ist quasi durchgeschnitten worden.

Organisiert hatten die Veranstaltung damals die Stadt Schmallenberg und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Beide zusammen planen nun wieder ein Wochenende rund um die Literatur.

Genau. Das historische Datum des Dichterstreits liegt zwar im April, Ausgangspunkt ist aber die Mitgliederversammlung der Literaturkommission für Westfalen, die im Herbst stattfindet. Dann kommen Literaturwissenschaftler aus ganz Westfalen und darüber hinaus zusammen.

Die Experten bleiben bei ihrer Sitzung aber unter sich?

Richtig, aber die Wissenschaftler beteiligen sich auch am öffentlichen Programm. Denn wir haben rund um die Tagung zwei abwechslungsreiche Literaturtage geplant. Und zwar werden Freitagabend jüngere Autoren aus ganz Westfalen kommen und lesen. Samstagmittag tagt dann die Kommission und abends wird es noch einen Kleinkunstabend geben, der dann wieder öffentlich sein wird.

Welche Dimension hat das Wochenende im Herbst aus Ihrer Sicht?

Es ist für Schmallenberg als historischen Veranstaltungsort einfach herausragend, dass die Kommission nun wieder hier tagt. Die Mitglieder selbst sind vor allem begeistert, dass sie im Hotel Störmann übernachten dürfen – dort, wo damals der Streit entbrannt ist. Alle Besucher der Lesungen, die im Lenneatelier stattfinden werden, sind eingeladen, sich von Literatur, Satire, Kabarett inspirieren zu lassen.