30 Jahre die Geschicke des Fachkrankenhauses geleitet

Werner Ernst, der Geschäftsführer des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft, geht Ende Januar 2015 in den Ruhestand. 30 Jahre lang hat er die Geschicke der Klinik geleitet.
Werner Ernst, der Geschäftsführer des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft, geht Ende Januar 2015 in den Ruhestand. 30 Jahre lang hat er die Geschicke der Klinik geleitet.
Foto: Privat

Grafschaft..  30 Jahre lang hat Werner Ernst als Geschäftsführer die Geschicke des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft geleitet. Ende Januar geht der 67-Jährige in den Ruhestand. Seinem Nachfolger, Stefan Schumann, hinterlässt er ein „sehr gut aufgestelltes Krankenhaus“, wie Werner Ernst mit Stolz betont.

Die Zahlen machen die Entwicklung, die das Grafschafter Krankenhaus in den vergangenen 30 Jahren vollzogen hat, deutlich. Als Werner Ernst 1985 in Grafschaft anfing, arbeiteten dort 130 Vollzeitbeschäftigte (207 Köpfe), 2014 sind es 266 Vollzeitstellen verteilt auf 438 Köpfe. „Das ist eine enorme Kaufkraft für die Region“, so Ernst.

Das Budget hat sich von 8,5 Millionen DM (etwa 4,2 Millionen Euro) im Jahr 1985 auf 27,42 Millionen Euro in 2013 erhöht. Allein vom Jahr 2000 mit 14,13 Millionen Euro bis ins Jahr 2013 ist das Budget um fast 100 Prozent gestiegen.

Maßgeblich für diese Erfolgsgeschichte sind laut Werner Ernst zwei Dinge – erstens: eine gute Organisation. Wie gehe ich mit dem Geld um, das ich habe? Wie kann ich technische Hilfsmittel nutzen, um Mitarbeitern mehr Zeit am Patienten zu ermöglichen? Inwieweit macht es Sinn, spezialisierte Fremdfirmen zu nutzen? Das sind Fragen, die Werner Ernst immer wieder beschäftigt haben. „Wir hatten früher zum Beispiel eine eigene Bäckerei und eine eigene Wäscherei, das hat sich wirtschaftlich natürlich nicht gerechnet – gerade auch mit Blick auf Investitionen in die aktuelle Technik.“ Arbeitsabläufe müssten immer wieder auf den Prüfstand gestellt und nachjustiert werden. So hat die Unternehmensberatung Porsche Consulting 2008 zum Beispiel Arbeitsprozesse optimiert (unnötige Wege vermeiden etc.).

Kein Investitionsstau

Ein zweiter Punkt, der laut Ernst zur Erfolgsgeschichte der Klinik beigetragen hat: „Wir haben keinen Investitionsstau. Über die Landespauschalen hinaus haben wir Überschüsse erwirtschaftet, die uns Handlungsspielraum ermöglicht haben.“ Wie das gelang? Die Klinik habe die Patientenzahlen, die sie benötigte – vor allem auch überregional – immer erreicht. „Ein gutes Marketing nimmt dabei eine Schlüsselstellung ein“, betont Ernst.

Den Kontakt zu Ärzten in ganz Deutschland, aber auch zu Kontaktpersonen in anderen Kliniken pflegen, auch das sei eine Kernaufgabe.

Eigentlich kommt der gebürtige Bochumer gar nicht aus dem Gesundheitswesen. Die Grundlagen zum Thema Finanzen hat er während seiner Ausbildung zum Bankkaufmann gelernt, das Umsatzdenken dann nach dem Studium bei REWE in Köln und in weiteren Genossenschaften.

Das Engagement in Gremien war es, das ihn im Laufe der Jahre zum Fachmann gemacht hat. „Das ist das Lebenselixier für mich“, sagt Ernst. Dieses Gedankengut konnte ich dann im Krankenhaus einbringen.“ So war er unter anderem von 1994 bis heute Mitglied im Vorstand des Zweckverbands der Krankenhäuser in Südwestfalen und auch Mitglied im Vorstand des Kath. Krankenhausverbands Deutschland.

Aber auch das Team Ernst-Köhler habe gut funktioniert. Prof. Dr. Dieter Köhler ist bereits im Juni 2013 in den Ruhestand gegangen, er hat als ärztlicher Direktor seit 1986 zusammen mit Werner Ernst die Geschichte der Klinik geprägt.

Mit Dr. Peter Haidl als Nachfolger von Prof. Köhler und Stefan Schumann als neuem Geschäftsführer sieht Werner Ernst sein Krankenhaus in guten Händen und kann mit „einem guten Gefühl“ in den Ruhestand gehen.

Weiterer Ausbau des MVZ

„Stillstand ist Rückgang“ – der weitere Ausbau des 2007 gegründeten MVZ, um das Krankenhaus zu stabilisieren und die Versorgung für die Bevölkerung (zukünftig gerade auch im Bereich der Allgemeinmedizin) zu sichern – und zusätzliche rund 30 Betten, das sind die Wünsche, die Werner Ernst für die weitere Entwicklung des Krankenhauses hat. „Das sind meine Fußstapfen, die ich getreten habe“, so der 67-Jährige. „Jetzt muss aber auch mal jemand Jüngeres ran. Ich möchte jetzt wirklich Ruhe geben.“