153 Mal "gut" auf dem Tisch
22.06.2008 | 17:45 Uhr 2008-06-22T17:45:03+0200Schmallenberg. (lamo) Für Zündstoff hat gestern das Thema Kopfnoten im Kunsthaus Alte Mühle gesorgt. ...
... Der CDU-Ortsverband Schmallenberg und die Junge Union hatten zur Diskussion über die aktuelle Schulpolitik mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Kaiser eingeladen. Lehrer, Eltern, Schüler und Vertreter aus der Wirtschaft haben ihrem Ärger dabei Luft gemacht.
"Schulpolitik ist ein hochaktuelles Thema", so Christian Erb vom CDU-Ortsverband, als er die Diskussionsrunde eröffnete. "Über das Zentralabitur, Kopfnoten und die Schulzeitverkürzung wollen wir heute reden." Diskutiert wurde aber vor allem ein Thema - die Kopfnoten.
"Schule hat nicht nur den Auftrag, Wissen zu vermitteln, sie muss auch Werte vermitteln", meinte Landtagsabgeordneter Klaus Kaiser. "Die Kopfnoten fördern ein Schulsystem, das mehr Leistung und mehr soziale Gerechtigkeit bringt." Elisabeth Richter, Schulleiterin der Förderschule und zweifache Mutter, sah das anders: "Ein Lehrer, der die Schüler nur wenige Stunden in der Woche unterrichtet, kann nicht gerecht benoten." Wer jetzt in Klasse 10 sei und sich mit dem Zeugnis bewerben müsse, habe es unter Umständen sehr schwer. "Ich sehe die Kopfnoten mit einem ganz großen Fragezeichen", sagte Richter.
Auch Berthold Zeppenfeld, Schulleiter des Schmallenberger Gymnasiums, kritisierte die Kopfnoten. "4600 Noten zu verteilen, das war ein unheimlicher Kraftakt. Ehrlich gesagt, teilweise haben wir einfach nach dem Mehrheitsprinzip entschieden." Schwierig sei es vor allem, gerechte Noten für das Sozialverhalten zu geben. "Vieles sieht ein Lehrer von den Schülern doch gar nicht." Ein großes Problem seien auch messbare Standards. Es sei unfair, dass die eine Schule ein "sehr gut", die nächste aber ein "befriedigend" als Basis nehme.
"Die handwerkliche Umsetzung schreit zum Himmel", das sagte Hubertus Stratmann vom Berufskolleg Meschede. "Die Schüler sind frustriert" und die Lehrer seien verärgert. Sein Kompromiss-Vorschlag: Keine sechs Noten, sondern eine Note für das Sozialverhalten und eine für das Arbeitsverhalten. Dafür bekam er allgemeinen Zuspruch - auch von Klaus Kaiser. Das Grundprinzip sei schließlich nicht schlecht: "Für Unternehmen sind diese Informationen schon wichtig", so Stratmann.
Dem widersprach aber Bernd Rickert von der Volksbank Schmallenberg. "Ich habe 26 Bewerbungen auf dem Tisch liegen und habe 153 Mal die Note gut gelesen, einmal befriedigend und zweimal sehr gut - das hilft mir doch nicht bei der Entscheidung." Eine andere Frage, die Rickert sich stelle: Wie sind die Noten zu lesen? "Nehmen wir die Kopfnote Konfliktverhalten: Heißt das, der Schüler streitet nie? Das ist für einen Manager aber nachteilig, der muss auch mal draufhauen."
In einem Punkt waren sich die Teilnehmer der Diskussion aber doch einig: In der Schulpolitik muss sich einiges verändern - und alle müssen tatkräftig mithelfen.
20:08
Schulpolitik und die Irakpolitik sind hochbrisante Themen... ;-)
20:06
In einem Punkt waren sich die Teilnehmer der Diskussion aber doch einig: In der Schulpolitik muss sich einiges verändern - und alle müssen tatkräftig mithelfen...
Note 1 - für diese weltmeisterliche Phrase!!!