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Windkraft

15 000 Einwendungen von Bürgern im Kreishaus überreicht

16.12.2014 | 09:00 Uhr
15 000 Einwendungen von Bürgern im Kreishaus überreicht
Bürgerinitiativen aus Olsberg und Schmallenberg überreichen Landrat Dr. Karl Schneider rund 15.000 Einwendungen gegen den Teilplan Energie im Regionalplan der Bezirksregierung Arnsberg. Der Landrat versprach, die Kritik in Form von Briefen kurzfristig nach Arnsberg weiterzuleiten.Foto: Laura Nowicki

Schmallenberg/Meschede. Der Verein für Umwelt- und Naturschutz Schmallenberg sowie weitere Bürgerinitiativen aus dem Raum Olsberg haben gestern im Kreishaus rund 15 000 Einwendungen gegen den Teilplan Energie an Landrat Dr. Karl Schneider überreicht. Rund 4000 Einwendungen hatten sie allein von Bürgern aus dem Raum Bödefeld/Rarbachtal im Gepäck. Unsere Zeitung sprach mit Michael Schift und Markus Meyer vom Vorstand des Vereins für Umwelt- und Naturschutz Schmallenberg.

Frage: Seit anderthalb Jahren kämpft ihr Verein vor allem gegen den Einsatz von Windkraft rund um Bödefeld. Was haben Sie erreicht?

Michael Schift: Was wir tatsächlich bis jetzt erreicht haben, lässt sich sicherlich detailliert in aller Kürze nicht darstellen. Auf den Punkt gebracht ist jedoch festzustellen, dass sich zur Zeit im gesamten Schmallenberger Stadtgebiet kein einziges Windrad dreht. Sehr zufrieden waren wir in dem Zusammenhang mit der Aussage des Bürgermeisters auf einer unserer zahlreichen Informationsveranstaltungen, dass sich ohne uns sehr wahrscheinlich schon die ersten Räder drehen würden. Wir scheinen also etwas bewirkt zu haben. Ein großer Aspekt ist die Sensibilisierung für das Thema. Gerade dies scheint uns in den betroffenen Gebieten gelungen zu sein.

Jetzt haben Sie die Einwendungen an den Landrat übergeben, der sie an die Bezirksregierung weiterleitet. Was kritisieren Sie vor allem?

Markus Meyer: Zu nennen sind hier an erster Stelle die nicht zu leugnenden Auswirkungen auf den Menschen in Form von hörbarem Schall, Infraschall, Schattenwurf etc. Dann natürlich die Auswirkungen auf Fauna und Flora, die massiv sein werden, die nachhaltige Zerstörung des hochsauerländischen Landschaftsbildes und damit einhergehend die Torpedierung des sauerländischen Tourismus. Was die Industrialisierung unserer Umwelt für die hiesigen Immobilienpreise bedeutet, mag man sich gar nicht vor Augen führen. Aus diesen Folgen wird ein Attraktivitätsverlust unserer Region entstehen, der den demografischen Wandel in den Orten forciert und den Fachkräftemangel für die Unternehmen noch verstärkt.

Zuletzt haben Sie sich auch in der Bürgersprechstunde des Schmallenberger Stadtrates zu Wort gemeldet. Fühlen Sie sich von der Kommunalpolitik ernst genommen?

Michael Schift: Pauschal kann man das nicht beantworten. Vorwiegend Ratsmitglieder aus den betroffenen Regionen treten mit uns in Kontakt und sind an einem Austausch interessiert. Manche Parteien wie die BFS, teilweise die SPD und auf Ortsebene die CDU sind an einer ernsthaften Auseinandersetzung interessiert. Hier findet eine sachliche Auseinandersetzung statt. Andere Parteien sind an einem Austausch trotz unserer Angebote nicht interessiert. Dies ist bedauerlich, da wir gerne in die Diskussion eintreten.

Im Rat sagte eines Ihrer Mitglieder, Sie fühlen sich als Menschen zweiter Klasse und verlangte, dass die Stadt sich dafür einsetzt, dass die umliegenden Flächen in Olsberg und Meschede verhindert werden. Sie wissen schon, dass Schmallenberg keinen direkten Einfluss auf die Nachbarkommunen ausüben kann? Wie soll das also passieren?

Michael Schift: Bei dieser Äußerung ging es um die Einwendungen, die die Stadt gegenüber dem Regionalplan getätigt hat. Die Stadt führt richtigerweise Argumente wie den Schwarzstorch auf, um z.B. ein Gebiet in Bad Fredeburg zu verhindern. Die Gebiete um Bödefeld und das Rarbachtal haben aber auch nachgewiesene Schwarzstorchvorkommen, diese werden in den städtischen Einwendungen nicht erwähnt. Hier stellt sich die Frage nach dem Grund. Die Stadtvertreter sind glücklich, Gebiete in konzentrierter Form in das nördliche Stadtgebiet zu verlagern. Als Betroffener kann man dort glaube ich seinen Unmut sogar noch drastischer äußern. Natürlich kann die Stadt nicht über andere Gebiete bestimmen, aber in Absprache mit den Nachbarkommunen kann sie die massive Konzentration verhindern.

Lokales
Landrat Dr. Karl Schneider wird Briefe weiterleiten

Landrat Dr. Karl Schneider versprach gestern, die 15 000 Einwendungen der Bürger aus Schmallenberg und Olsberg in Form von Briefen kurzfristig an die Bezirksregierung Arnsberg weiterzuleiten. Die Aufgabe „als Bote“ wolle er gern übernehmen.

Mit den Einwendungen kritisieren die Bürger den Teilplan Energie im Regionalplan der Bezirksregierung Arnsberg. Demnach sollen in Südwestfalen rund 18 000 Hektar zur Erzeugung von Windenergie bereit gestellt werden. 53 Prozent entfallen dabei laut Dr. Karl Schneider auf den Hochsauerlandkreis. Das seien etwa 1000 Windräder.

Der HSK könne sich vor der Diskussion nicht verschließen, aber „das werde ich nicht als Leitlinie mitmachen“, äußerte sich der Landrat durchaus kritisch. „Das ist eine Frage des Ausmaßes und des Augenmaßes.“

Das Argument, das Ihnen immer entgegen gehalten wird, lautet: Wenn wir nicht ernstzunehmende Flächen ausweisen, bestimmen irgendwelche Investoren, wo die Windräder hinkommen. Wie wollen Sie das entkräften?

Markus Meyer: Das ist in der Tat eines der vermeintlichen Totschlagargumente, die uns immer entgegen gebracht werden, tatsächlich ist das nur die halbe Wahrheit, denn solche Einzelanträge sind ein extrem kompliziertes Verfahren, das nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein muss. Wir reden hier von Jahren, nicht von Monaten. Auf einer unserer Infoveranstaltungen hat ein Jurist zu dieser Thematik referiert und brachte es wie folgt auf den Punkt: Wer Flächen ausweist, bekommt mit Sicherheit Windräder, wer die Ausweisung möglichst lange hinauszögert nur eventuell.

Ute Tolksdorf

Kommentare
16.12.2014
19:41
15 000 Einwendungen von Bürgern im Kreishaus überreicht
von Jenswi | #2

Als Überschrift zum Foto hätte auch : "Briefe ans Christkind" gepasst...

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15 000 Einwendungen von Bürgern im Kreishaus überreicht
15 000 Einwendungen von Bürgern im Kreishaus überreicht
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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/15-000-einwendungen-von-buergern-im-kreishaus-ueberreicht-id10148738.html
2014-12-16 09:00
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