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Sozialprojekt

Vater-Kind-Wochenende für Strafgefangene im Sauerland

25.09.2012 | 15:55 Uhr
Vater-Kind-Wochenende für Strafgefangene im Sauerland
Ein T-Shirt mit Gesicht hat Marvin mit seinem Vater gebatikt. Das Bildungsprojekt im Strafvollzug ist einzigartig. Foto: Melanie Mohme

Schwerte/Attendorn/Meinerzhagen.   Männer, die im Gefängnis sitzen, sind oft nicht nur Verurteilte, sondern auch Väter. Damit sie das Verhältnis zu ihren Kindern nicht verlieren und sich in Ruhe mit ihnen beschäftigen können, hat die evangelische Kirche nun bereits zum vierten Mal ein Vater-Kind-Wochenende für Strafgefangene im Sauerland veranstaltet.

Die Väter von heute sind anders. Sie wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Bloß klappt das häufig nicht: Arbeit. Stress. Termine. Solche Probleme hätten andere Väter gern. Väter, die im Gefängnis sitzen. Väter, die, selbst wenn sie im offenen Vollzug sind und manche Wochenenden bei ihren Familien verbringen dürfen, unter solchem Druck stehen, dass die Kinder wider Willen zu kurz kommen.

Für solche Väter und ihre Kinder haben das Schwerter Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und die Diakonie für Bielefeld jetzt ein Wochenendseminar im Sauerland veranstaltet. Bereits zum vierten Mal. Und doch ist dies Vater-Kind-Wochenende ein einzigartiges Projekt.

„Schade, dass es so ein Wochenende mit Papa nicht öfter im Jahr gibt“, sagt die 14-jährige Paula. Aber Jürgen Haas, in Schwerte für die Kooperation von Kirche und Justiz zuständig, ist schon zufrieden, wenn für eine Veranstaltung im Jahr die Finanzierung zustande kommt. Deshalb ist momentan auch nicht geplant, die Zahl der beteiligten Justizvollzugsanstalten - bisher sind das Bielefeld und Attendorn - auszuweiten.

Altersgrenze der Kinder von 4 bis 16 Jahren

„Der Bedarf wäre sicher größer“, sagt Haas und beschreibt die Probleme der Väter in Haft: „Wenn sie ein Wochenende zu Hause verbringen, müssen sie ihre Energie darauf verwenden, die Beziehung zur Frau aufrecht zu erhalten. Die Erwartungen von Verwandten und Bekannten stürzen auf sie ein. Da bleibt zu wenig Zeit für die Kinder. Und schon gar keine, die sie mit den Kindern alleine verbringen.“

JVA-Meisenhof
Seltener Blick hinter Gefängnis-Türen

Der Leserbeirat war zu einem Rundgang in der Justizvollzugsanstalt Meisenhof eingeladen.Gefangene leben in acht Quadratmeter großen Zellen oder in Gemeinschaftsräumen.

Letzteres trifft auch auf andere Väter zu. Das weiß Jürgen Haas, weil die Kirche im Rahmen der Familienbildung jedes Jahr 60 bis 70 solcher Seminare anbietet. Und im Rahmen dieser Veranstaltungen für die Väter, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie gerne mehr für ihre Kinder da wären, es aber nicht schaffen und die auch mit anderen Vätern in Kontakt kommen wollen, entstand die Idee, ein Angebot für eine besondere Gruppe zu machen. Bei dem ist die Altersgrenze weiter gefasst: von 4 bis 16 Jahren. „Normalerweise wäre das schwierig“, sagt Haas. „Aber hier haben die Kinder ein verbindendes Schicksal.“

Oft müssen die Mütter dem Projekt zustimmen

Ansonsten sind die Bedingungen problematischer: Die Väter haben oft kein Sorgerecht, also müssen die Mütter zustimmen. Sonst üblichen Vor- und Nachbereitungstreffen fallen weg. Die Väter sind misstrauisch: Was von dem, was am Wochenende passiert, wird in der JVA bekannt? „Und die meisten sind sehr wenig geübt im Vater sein“, hat Haas erfahren. Deshalb ist die Betreuung intensiv: Vier Mitarbeiter kümmerten sich in Meinerzhagen um acht Väter und zwölf Kinder.

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