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Kirmesunfall

Traumatisches Erlebnis für junges Opfer - Kirmes-Unfall in Lüdenscheid vor Gericht

27.09.2012 | 21:04 Uhr
Traumatisches Erlebnis für junges Opfer - Kirmes-Unfall in Lüdenscheid vor Gericht
Eine Gondel des Karussells hatte sich im Sommer 2010 auf der Lüdenscheider Kirmes aus der Verankerung gelöst.Foto: MD

Lüdenscheid.   „Das will kein Schausteller erleben, dass Menschen verletzt werden. Es tut uns leid.“ Diese Worte richteten die beiden wegen Körperverletzung Angeklagten zum Prozessauftakt an die Geschädigten des Kirmesunfalles von 2010 an der Hohen Steinert in Lüdenscheid.

Eine Gondel des Fahrgeschäftes Commanders hatte sich vor zwei Jahren auf der Lüdenscheider Kirmes während der Fahrt aus der Verankerung gelöst und war auf das Veranstaltungsgelände gestürzt. Die beiden Insassen und mehrere Passanten wurden von umherfliegenden Teile verletzt. Sie traten zum Teil als Nebenkläger beim jetzt eröffneten Gerichtsverfahren auf.

„Ich nehme Ihre Entschuldigung nicht an“, sagte der heute 18-Jährige aus Unna. Er hatte seinen Kumpel zu einer Fahrt mit dem Commander eingeladen. Den Tränen nahe schilderte er den Vorfall aus seiner Sicht. „Zuerst habe ich ein lautes Knacken gehört, dann kippte unsere Gondel und schließlich flogen wir durch die Luft. Als ich aufwachte, habe ich nur Blut gesehen.“ Die beiden Jugendlichen waren mit Platz- und Schürfwunden davon gekommen, doch die psychische Belastung der Ereignisse treffen den 18-Jährigen immer noch. Zu den traumatischen Erlebnissen auf der Kirmes kommen seine frühere Krebserkrankung und der Tod des Vaters hinzu.

Bis heute Angst und Panikattacken bei jedem Knacken

„Als die Helfer die Gondel umdrehten, habe ich in das Gesicht meines Kumpels neben mir gesehen. Die Gondel drückte auf seinen Kopf. Diesen Gesichtsausdruck werde ich nie wieder vergessen.“ Die Angst bleibt bis heute: „Seit dem Kirmesunfall kann ich in kein Flugzeug mehr steigen, ohne eine Panikattacke zu bekommen.“ Das Attest eines Psychologen bestätigten die Angst des Geschädigten vor technischen Geräten. „Bei jedem Knacken schrecke ich auf, bei jedem Schlagloch oder unerwarteten Geräuschen in Bussen habe ich Angst.“

Steinert-Kirmes

Mehrere Zeugen bestätigten den Hergang des Geschehens. Besonders schwer traf es einen Kirmes-Besucher aus Lüdenscheid, der durch eines der umherfliegenden Teile einen offenen Schienbeinbruch erlitt. „Ein halbes Jahr lang war ich krank geschrieben und musste wieder laufen lernen.“ Zentrale Frage für das Gericht dabei war, ob der Not-Aus-Schalter eher hätte gedrückt werden können oder ob gar der ganze Unfall vermieden hätte werden können, weil die Schausteller aus Bremen den Schaden am Gelenk der Gondel vorher erkennen hätten müssen.

TÜV-Prüfungen hatten keine Mängel am Fahrgeschäft festgestellt

Die routinemäßigen TÜV-Prüfungen im Vorfeld hatten allerdings keine Mängel am Fahrgeschäft festgestellt. Allerdings: Die Gelenke, die wahrscheinlich Ursache des Unfalls sind, „werden nur alle zwölf Jahr bei einer Sonderprüfung in Augenschein genommen“, sagte ein Sachverständiger des TÜV. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 4. Oktober, vor Gericht fortgesetzt. Vermutlich äußern sich dann auch die beiden Angeklagten, die bislang ihre Aussage verweigerten.

Stefanie Schröder

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Kommentare
28.09.2012
11:04
Traumatisches Erlebnis für junges Opfer - Kirmes-Unfall in Lüdenscheid vor Gericht
von mikado | #1

"... Die Gelenke, die wahrscheinlich Ursache des Unfalls sind, „werden nur alle zwölf Jahr bei einer Sonderprüfung in Augenschein genommen“, sagte ein Sachverständiger des TÜV. ..."

Alle zwölf Jahre?!? Wer hat sich das denn ausgedacht?

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