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Rollenspielverein

Theater ohne Regie und Zuschauer

19.05.2012 | 10:00 Uhr
Theater ohne Regie und Zuschauer
Ein Larp des Rollenspielvereins Traumjäger, Beim Live-Acting-Role-Play verwandeln sich Bankangestellte und Studenten in Raubritter und Magier.

Märkischer Kreis/Bergneustadt. Hier beginnen Heldengeschichten. Und Helden spülen ihre Alltagssorgen nicht einfach mit einem Humpen Met herunter. Helden stürzen sich ins Kampfgetümmel, erforschen Geheimnisse, befreien Jungfrauen – und manchmal sogar einen Stern. Und noch ehe die Sonne untergegangen ist, singen Barden in den Tavernen schon von der erfolgreichen Schlacht über die Bestie.

Vor ein paar Tagen trafen sich Live-Rollenspieler, um der Einladung der Traumjäger, einem Rollenspiel-Verein aus Lüdenscheid, zu folgen. Zusammen tauchten sie in Bergneustadt ein Wochenende lang in das Reich der Fantasie ein. Anders als bei Zeltlagern oder Mittelaltermärkten, spielt jeder hier einen erdachten Charakter. „Wenn so ein Larp (siehe Infobox) losgeht, werden die Handys ausgeschaltet, die Leute schlüpfen in ihre Verkleidungen und sind für ein Wochenende jemand anderes“, sagt Andreas Haubrichs, der das Spiel mit organisierte. Krieger, Magier, Heiler – erlaubt ist, was in das Setting und zu dem Regelwerk passt. Das Regelwerk gibt für Magier beispielsweise Zauberformeln und deren Wirkung vor.

Wie Katharina Frotz erzählt, ist es nicht das erste Larp, dass die Gruppe in unregelmäßigen Abständen veranstaltet. Denn die Vorbereitungen dafür sind groß. Ein Larp hat oftmals einen Handlungsstrang: „Unsere Helden sollten Runenstücke sammeln. Diese waren Teile eines herabgestürzten Sterns“, erklärt Frotz. „Doch eine uralte, böse Kraft, der Cyanide, nahm den Stern gefangen. Und so mussten die Spieler auch gegen das Böse antreten, um den Stern zu befreien.“ – Das war die grobe Idee, durch die die Spieler geführt wurden. Jederzeit können die Spieler aber frei agieren. Ob sie mit gezogenem Schwert dem Gegner entgegen laufen oder ob sie Schutz auf einem Baum suchen, hängt vom erdachten Charakter ab. Rüstungen und Kettenhemd sind meist echt, Waffen bestehen aus Latex und sind gepolstert. Wer geschickt ist, kann auch selbst ein Gewand entwerfen.

Aber ein Larp besteht nicht nur aus Kampf und Rätsel. Sogar eine Bibliothek mit Schriftrollen arrangierten die Macher. Für die Atmosphäre, fürs Stöbern zwischendurch, für Hintergrundgeschichten.

Für Atmosphäre sorgt auch die schauspielerische Leistung. Und die kostet manchmal Überwindung: „Niemand muss hier Angst haben. Die Spieler beißen nicht und machen einem den Einstieg leicht“, sagt Meike Heerich, die die schüchterne Schankmaid Ronja spielte. „Sei es der Bauer der sich darüber aufregt, dass ihm Abenteurer die Rüben zertrampeln oder der Novize, der all seine Sachen im Hut schleppt weil er seine Tasche ständig verliert – für mich liegt der Reiz darin, jede Figur glaubhaft mit Leben zu füllen“, sagt auch Benjamin Seibert. Er gehörte zu den 25 Nicht-Spieler-Charakteren. Diese sind Teil des Organisationsteams, sind in die Handlung eingeweiht und beispielsweise Teil der gegnerischen Armee oder aber eine Person, die wichtige Informationen besitzt. „Wir motivieren und fordern die Spieler aber auch heraus. Denn da drum geht es beim Larp: Zusammen etwas erleben.“

Mit Realitätsflucht habe Larp nichts zu tun. Denn kaum einer möchte wirklich im Mittelalter leben. „Sanitäre Anlagen sind was Tolles.“ Und darauf müssen Spieler auch nicht auf einem Larp verzichten: In der Jugendherberg warteten Federkissen statt mit Stroh gefüllte Säcke.

Für Larp-Liebhaber ist das romantisierte Mittelalter ein Hobby. Nicole Reinshagen: „Es ist wie in Kindheitstagen, „Mutter, Vater, Kind“ zu spielen. In jedem von uns steckt das Kind. Wir Spieler teilen unvergessene Momente. Wenn wir mal alt sind, können wir Geschichten erzählen, die man so noch nicht in einem Märchen lesen konnte, denn wir waren dabei....

Stefanie Schröder



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