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Rettungsplan für das Plattdeutsche im Märkischen Kreis

26.11.2012 | 18:00 Uhr
Wilhelm Bleicher und die neunjährige Amrei mit dem neuen Arbeitsbuch "Vi küert Platt".Foto: Guido Raith / WAZ Fotopool

Märkischer Kreis.   Immer weniger Kinder lernen Plattdeutsch, im gesamten Märkischen Kreis wird nur noch in drei Grundschulen in der Sprache unterrichtet. Damit die Sprache nicht in Vergessenheit gerät, gibt es nun ein neues Schulbuch. Titel: "Vi küert Platt" - wir sprechen Platt.

„Vi küert Platt - wir sprechen Platt“: Im gesamten Märkischen Kreis gibt es gegenwärtig nur noch gerade einmal drei Grundschulen, in denen die Kinder das so sagen können. Damit nicht auch noch die allerletzten heimischen Dialektwurzeln für immer verdorren und in unwiederbringliche Vergessenheit geraten, ist jetzt ein besonderes Lese- und Arbeitsbuch für das dritte und vierte Schuljahr vom Niederdeutschen Arbeitskreis des Märkischen Heimatbundes aufgelegt worden.

„Dies ist das bislang erste und einzige Schulbuch für Niederdeutsch in ganz Westfalen. Und es geht darum, in erster Linie Freude an der Sprache zu vermitteln“, erklärt der Pädagoge und Heimatforscher Dr. Wilhelm Bleicher, der maßgeblich am Zustandekommen dieser Veröffentlichung beteiligt war. Und Ernst Schnepper vom rührigen Redaktionsteam ergänzt: „Wir haben die Kinder schon ganz heiß gemacht auf das Buch; sie sind richtig neugierig und freuen sich darauf.“

Plattdeutsch-Unterricht an drei Grundschulen

An zwei Grundschulen in Schalksmühle und an einer weiteren in Wiblingwerde werden die Kinder im Plattdeutschen unterrichtet. Mit dem neuen Lehrbuch soll das Lernen auf eine breitere und solidere Stufe gestellt werden. „Der Band enthält besondere Motivationshilfen wie zum Beispiel viele Illustrationen, Spiele, Rätsel, Verse und Malbilder“, erklärt Dr. Bleicher. Eine zusätzliche CD im Anhang biete zudem die Möglichkeit des eigenständigen Lernens, indem zum Beispiel der Sprachklang abgehört werden könne. Und nicht zuletzt geben Informationen und weiteres Arbeitsmaterial auch den unterrichtenden Lehrern weitere, direkte Hilfestellungen. Bleicher: „Aber natürlich ist jedes Schulbuch nur so gut wie die Lehrer, die es entsprechend einsetzen.“

Plattdütsch bliev teheme

Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, weist im Rahmen der Buchpräsentation auf die vielen „Varianten und Facetten“ hin, die das Plattdeutsche gerade in Westfalen ausmachen, das in seiner Vielfalt eben auch gefährdet ist. Ausgemacht hat, muss man fast schon formulieren, denn Wilhelm Bleicher erklärt ohne jede Beschönigung: „Die Sondersprachen sind bei uns längst in große Not geraten. Wir steuern deutlich auf eine sprachliche Monokultur zu. Gegenüber der Euphorie des Plattdeutschen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat sich heute die Befürchtung vom Untergang der niederdeutschen Regionalsprache Bahn gebrochen. Ja, selbst das Hochdeutsche scheint im Zeitalter der Globalisierung schon einen schweren Stand zu haben.“

Rettung von uraltem Kulturgut

In einen plattdeutschen Reim fasst Ernst Schnepper die Motivationslage des Heimatbundes Märkischer Kreis für das Buchprojekt zusammen, und in der Übersetzung heißt das dann: „Unser Fleckchen Erde wollen wir beschützen, sonst tät’ doch alles Geld der Welt uns nichts mehr nützen.“

"Eene Kur fö twee"

Es geht also um die Bewahrung, besser gesagt, um die Rettung von uraltem Kulturgut, das sich regional und lokal gefärbt ausdrückt. Zwischen Schalksmühle und
Wiblingwerde sprießt nun also ein Hälmchen Hoffnung. Und vielleicht können bald wieder viel mehr Kinder im Märkischen Kreis mit heimatlichem Stolz sagen: „Vi küert Platt - wir sprechen Platt“.

Andreas Thiemann



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