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Gedenken an eine Gräueltat kurz vor Kriegsende

"Meine Liebe zu Euch wurde mein Tod"

06.05.2008 | 15:03 Uhr
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"Meine Liebe zu Euch wurde mein Tod"

Am 7./8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg.

Heini Wiegmann wurde nur 19 Jahre alt. In seinem Abschiedsbrief schrieb er an seine Familie: "Meine Liebe zu Euch wurde mein Tod".

 Er begann am 1. September 1939 mit dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen. Spätestens seit der Niederlage der 6. Armee am 31. Januar 1943 in Stalingrad war für Deutschland der Krieg im Osten verloren.

Die Niederlage im Westen nahm am 6. Juni 1944 mit der Invasion der Briten und US-Amerikaner in der Normandie ihren Lauf. Nunmehr war der Krieg endgültig verloren. Am 1. April 1945 vereinigten sich bei Lippstadt Truppen der US-Armee und schlossen das Ruhrgebiet, das Bergische und das Sauerland im sogen. „Ruhrkessel” ein. Das baldige Kriegsende war nun auch für Lüdenscheid absehbar. Es war der 9. April 1945, vier Tage vor der kampflosen Befreiung der Stadt von der NS-Terrorherrschaft durch US-amerikanische Truppen. Auf dem Adolf-Hitler-Platz (heutiger Rathausplatz) standen Schwarzpappeln.

Alex Kamp (34) wurde mit den anderen beiden Männern am 1. April 1945 erschossen.

Neben einem der Bäume lagen in Uniform die Leichen von drei deutschen Soldaten. Sie waren in den frühen Morgenstunden auf dem Gelände der Flakkaserne durch Genickschuss hingerichtet worden. Hierüber berichtete am 10. April 1945 der Lüdenscheider General-Anzeiger und merkte an, dass die Exekutierten als „abschreckendes Beispiel auf dem Adolf-Hitler-Platz zur Kenntnis der Öffentlichkeit gebracht” worden sind.

„Gesehenes bis heute nicht vergessen”

Die drei Leichname wurde auf dem jetzigen Rathausplatz zur Schau gestellt.

Die Soldaten waren die Gefreiten Fritz Gass (19) Alex Kamp (34) sowie der Obergefreite Heini Wiegmann (19). Sie waren am 29. März 1945 von der Feldgendarmerie am Lüdenscheider Bahnhof aufgegriffen und am 1. April 1945 von einem „Fliegenden Standgericht” zum Tod verurteilt worden. Viele Lüdenscheider, darunter viele junge Schüler wurden Augenzeugen der „Zurschaustellung” der drei Leichname. Ein Zeitzeuge hat berichtet, dass er von dem Anblick so erschüttert war, dass er das Gesehene bis heute nicht vergessen kann. Fritz Gass ruht auf dem Gräberfeld für die Opfer des Zweiten Weltkrieges auf dem Friedhof Dammstraße. Die sterblichen Überreste von Heini Wiegmann und Alex Kamp wurden in ihre Geburtsorte überführt. Im Abschiedsbrief von Heini Wiegmann vom 1. April 1945 an seine Eltern und nahen Angehörigen ist u.a. zu lesen: „Meine Liebe zu Euch wurde mein Tod." Heini Wiegmann war Mechaniker und wurde als 18-jähriger zur Wehrmacht eingezogen.

Heini Wiegmann 1943 in Afrika

Info
Gedenkfeier

Die Friedensgruppe Lüdenscheid lädt am 7. Mai ab 17 Uhr zu einer Gedenkfeier für Fritz Grass, Alex Kamp und Heini Wiegmann vor dem Rathauseingang ein.

 Sie waren am 9. April 1945 wegen angeblicher Fahnenflucht auf dem Gelände der Flakkaserne am Buckesfeld standrechtlich erschossen worden.

Das Foto zeigt ihn als Gefreiten der Luftwaffe, zu deren Bodenpersonal er gehörte. 1943 kam er zu einer Panzereinheit nach Afrika, danach nach Sardinien und zuletzt zu einer Panzereinheit nach Deutschland. An Malaria erkrankt kam er Ende Februar 1945 in eine Krankensammelstelle in der Eifel. Von dort gelangte er am 6. März 1945 zu einer Krankenmeldestelle in Koblenz, die ihn in das Heimatlazarett Braunschweig überwies.  Am 19. März 1945 besuchte Heini Wiegmann seine Eltern in Wendhausen bei Braunschweig. Seine Mutter, die an diesem Tag 53 Jahre alt wurde, wollte er unbedingt sehen, musste er als Soldat doch davon ausgehen, im Krieg zu sterben. Am Abend des gleichen Tages fuhr er zur Frontleitstelle nach Hannover, die ihn am 20. März 1945 nach Wuppertal in Marsch setzte, um dort seiner Truppe zugeteilt zu werden.

Urteil wurde 1998 aufgehoben

Ungeklärt ist bis heute, warum Heini Wiegmann nach Lüdenscheid kam. Nach Berichten einer Zeitzeugin konnten die drei Soldaten ihre Einheiten nicht mehr erreichen.  Eine von amnesty international vorgeschlagene Gedenktafel mit den Namen der drei hingerichteten Soldaten war im Rat der Stadt nicht mehrheitsfähig.

Später schlossen sich Bürgerinnen und Bürger sowie Bündnis 90/Die Grünen und die SPD zusammen, sammelten Geld und konnten damit die Rechtsanwältin Rosemarie Lichte beauftragen und mit ihrer Hilfe erreichen, dass die für Heini Wiegmann zuständige Staatsanwaltschaft Braunschweig am 29. September 1998 das NS-Unrechtsurteil gegen ihn aufgehoben hat. In Erinnerung an Heini Wiegmann wurde im November 2000 ein Weg inesim Neubaugebiet Vogelberg nach ihm benannt.

Eigener Bericht

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