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Nicolai-Kirche

Kantorei, Musiker und Solisten glänzen mit perfekter Harmonie

05.06.2012 | 07:00 Uhr
Kantorei, Musiker und Solisten glänzen mit perfekter Harmonie
Die Kantorei trug die Petite Messe solennelle von Giacomo Rossini in der Nicolai-Kirche vor.

Halver. Als Schöpfer komischer und ernster Opern wie „Die Italienerin in Algier“ oder „Der Barbier von Sevilla“ erlangte Gioacchino Rossini Weltruhm. Ein fröhlich „lärmendes“ Orchester, leidenschaftliche Arien, Theatralik und teilweise bissiger Humor zeichnen seine Werke aus. Umso mehr überrascht es, den Namen Rossini über einer intimen lateinischen Messe zu finden. Als Kleinod entdeckte die Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde Halver mit ihren Zuhörern am Sonntagnachmittag in der Nicolai-Kirche Rossinis „Petite Messe solennelle“.

Überraschendes, originelles Werk

Die Messe gilt als eines der bedeutendsten geistlichen Werke des aus Pesaro stammenden Komponisten (1792 bis 1868). Unter Leitung von Andreas Pumpa führten die Sänger das in vielerlei Hinsicht überraschende, originelle Werk mit Hingabe und Feingefühl auf. Es entstand als Auftragskomposition für den Comte Michel-Frédéric Pillet-Will und seine Frau.

Den irreführenden Zusatz „petite“, den Rossini seiner „armen, kleinen Messe“ zugedachte, straften innige, von tiefer Frömmigkeit erfüllte Passagen und berührende Arien, in denen sich der große Opernkomponist zu Wort meldete, Lügen. An der Seite großartiger Solisten glänzte die Kantorei. Mit herrlichen, weithin tragenden Stimmen, Emotionalität und Ausdruckskraft verliehen Steffanie Patzke (Sopran), Beate Koepp (Alt), Rüdiger Husemeyer (Tenor) und Harald Martini (Bass) der 1863 entstandenen Messe Glanz.

Für heutige Ohren ungewöhnlich und überraschend, zu Rossinis Zeiten jedoch durchaus beliebt, bestritten Harmonium und Klavier – nicht Orgel oder Orchester – den instrumentalen Part. Orchestral durfte die Messe erst nach Rossinis Tod aufgeführt werden. Mit Kaling Khouw (Harmonium) und Frank Zabel (Klavier) erlebten die Besucher in der gut gefüllten Kirche zwei Meister ihres Fachs in ihrem Element. In die Stille geleitete das innige, verhaltene Preludio religioso (Offertium) als instrumentaler Ruhepol der Aufführung. Mit dem Harmonium bereicherte ein „romantisches“, zeitweilig vergessenes und heute wiederentdecktes Instrument den Farbenreichtum der Musik.

Frömmigkeit und Leichtigkeit

Sehr harmonisch arbeiten Chor, Solisten und Musiker bei der Messe zusammen. In 14 Nummern fingen die Mitwirkenden den originellen Tonfall des Werkes, das Rossini mit dem heiteren Wortspiel „musique sacrée oder sacrée musique“ bedachte, ein. Wunderbar fügten sie die der Messe eigene Melange aus tief empfundener Frömmigkeit und Leichtigkeit, Tradition bzw. Rückgriff auf überlieferte Formen und ironische Wendungen zu einem stimmigen Ganzen. Zum Ausdruck kam, wie sehr sich Rossini der Missa solemnis, der feierlichen Messe mit fester Liturgie, verpflichtet fühlte und zugleich, wie tief im Herzen er der Meister der Opera Buffa war. Vortrefflich agierten Chor, Solisten und Musiker unter Pumpas sorgsam gestaltender Hand.

Von Monika Salzmann

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2012-06-05 07:00
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