Intrige, Schuld und Sühne
21.10.2011 | 13:22 Uhr 2011-10-21T13:22:00+0200
Lüdenscheid. In ihrer Dichte und Geschlossenheit gilt Verdis Oper „Otello“ (Othello), die am Donnerstagabend im Kulturhaus in einer Fassung der Staatsoper Kharkov zu sehen war, als eines der vollkommensten Werke des Musiktheaters.
Im Drama des Mohren, der in rasender Eifersucht seine Gattin Desdemona erwürgt und sich im Erkennen seiner Schuld selbst richtet, gelingt Verdi durch Überwindung des Nummernprinzips der Übergang von der Gesangsoper zum durchkomponierten Musikdrama bis dato ungekannter Qualität.
Aufwendige
Kostüme
Ein Taschentuch, das der durchtriebene, rachsüchtige Jago – Othellos Fähnrich – an sich bringt, wird der unschuldigen Desdemona zum Verhängnis. In seiner Zeit beließ die Staatsoper Kharkov das Drama, das auf Shakespeares „Othello“ – von Verdis Librettist Arrigo Boito auf das Wesentliche gekürzt – beruht.
In aufwendigen Kostümen war die italienische Renaissance gegenwärtig. Eine Hafenstadt auf der Insel Zypern war Schauplatz des Geschehens. Spartanischer als die Kostüme fiel das Bühnenbild aus. Unter musikalischer Leitung von Vladimir Garkusha versetzte das Orchester die Zuhörer im nur mäßig besuchten Haus unmittelbar ins dramatische Geschehen hinein. Einen tosenden Orkan, in dem Othellos siegreich von einem Feldzug gegen die Türken heimkehrende Flotte in den brausenden Wogen unterzugehen drohte, malten die Musiker effektvoll aus. Weniger glücklich gelang die Schilderung inniger Momente.
Im Bangen und Beten um die Flotte hatte der stimmgewaltige Chor, der sich aus Soldaten und Seeleuten der Republik Venedig, venezianischen Damen und Herren sowie der zypriotischen Bevölkerung zusammensetzte, seinen ersten großen Auftritt. Eduard Srebnitskiy verkörperte einen Furcht einflößenden Othello, der Opfer einer Intrige wurde und das Gute – seine ihn liebende Frau – dem Bösen opferte. Dunkel geschminkt, wirkte der Tenor, der eine weithin tragende, ausdrucksvolle Stimme besaß, finster und unnahbar. Alla Mishakova, die in die Rolle seiner Gattin Desdemona schlüpfte, näherte sich ihm mit scheuem Respekt.
Dunkle Schatten
auf der Seele
Als dunklen Schatten, der sich auf seine Seele gelegt hatte, empfand sie Othellos Misstrauen, das im Vorwurf der Untreue und der vernichtenden Beschimpfung als Dirne gipfelte. Mit zunehmendem Fortschreiten des Dramas steigerte sich das anfangs recht statische Spiel des Paares, das am Ende lang anhaltenden Beifall, teilweise auch Standing Ovations erhielt.
Das Kharkover Staatliche Lyssenko-Opernhaus ist eines der ältesten Musiktheater der Ukraine.
Mit dem Namen von N. W. Lyssenko würdigt das Theater den Beitrag des Komponisten für das Theater und die ukrainische Musikkultur.
Viele berühmte Sänger brachte die Kharkover Opernbühne hervor.
Die Künstler des Hauses sind auch auf der internationalen Bühne präsent.
Gastspielreisen führen die Akteure regelmäßig nach Deutschland, in die Schweiz, nach Italien, Frankreich, Spanien und Südkorea.
Ohne es zu ahnen, manövrierte sich Desdemona durch ihr Eintreten für den in Ungnade gefallenen Cassio (Oleksiy Srebnitskiy) immer tiefer ins Elend hinein. Ergreifend sang die Sopranistin ihr letztes Gebet, bereits von der Ahnung des bevorstehenden Todes erfüllt. Schwächer war Jago, der Intrigant, besetzt. Petro Boyko gab den Fähnrich, der Othello Lügen über Desdemona und eine angebliche Affäre mit Cassio zuflüsterte. Zu spät entdeckte seine Gattin Emilia (Lilia Kutishcheva) Othello die Wahrheit. In das Komplott gegen den „Löwen von Venedig“ war Oleksandr Gorbatov als Rodrigo eingebunden.
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