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Fesselndes Stück wie ein Thriller

02.03.2012 | 19:00 Uhr
Fesselndes Stück wie ein Thriller
Kollaboration im Kulturhaus.

Lüdenscheid. Wer ist der Kollaborateur? Derjenige, der sich von einem verbrecherischen Regime vereinnahmen lässt, um zu arbeiten – und überlebt? Oder der, der die Flucht ergreift und sich – seiner Wurzeln beraubt – das Leben nimmt?

MoralischesDilemma

Am Beispiel von Richard Strauss und Stefan Zweig ging die Konzertdirektion Landgraf (Titisee-Neustadt) am Donnerstag im Kulturhaus dem moralischen Dilemma des Künstlers zwischen Berufung und Gewissen nach. In prominenter Besetzung, mit Peter Bause in der Rolle des alternden Richard Strauss, machten die Gäste aus dem Schwarzwald mit dem packenden Stück von Oscar-Preisträger Ronald Harwood („Der Pianist“) bekannt.

Die Zusammenarbeit des großen Komponisten, der sich nach dem Tod Hugo von Hofmannsthals seines Librettisten beraubt sah, mit dem österreichischen Essayisten und Schriftsteller Stefan Zweig bei der Oper „Die schweigsame Frau“ stand im Mittelpunkt des fesselnden Stücks, das unter Regie von Wolfgang Engel über die Bühne ging. Nach Wilhelm Furtwängler, dessen „Fall“ vor Jahren im Kulturhaus erschütterte, stellte Harwood ein weiteres Mal die seelischen Nöte eines Titanen – Richard Strauss - zur Diskussion.

Bravo-Rufe im leider nur schwach besuchten Haus galten bemerkenswerter, großartiger Darstellerkunst. Auf den Leib geschrieben schienen die den Akteuren die vortrefflich ausformulierten Rollen.

Aus leisen, unspektakulären Anfängen entwickelte sich das Stück zu einem packenden Thriller, der unter die Haut ging.

Der auf der Flucht vor den Nazis nach Brasilien emigrierte Zweig, jüdischen Glaubens, nahm sich gemeinsam mit seiner zweiten Frau Lotte das Leben. Strauss, durch seine jüdische Schwiegertochter Alice für die Nazis erpressbar, fand sich vor dem Entnazifizierungskomitee wieder. Ein Verzicht auf seine Musik, die er wie die Luft zum Leben brauchte, wäre für ihn dem Tod gleichgekommen. „Alice und die Kinder haben überlebt. Meine Mittel waren nicht immer lauter, aber menschlich“, gab er – ein gebrochener Mann – unter Tränen zu bedenken.

Zweig, den er liebte und schätzte, war für ihn der eigentliche Kollaborateur. Matthias Freihof verkörperte den engagierten Pazifisten und Intellektuellen, der seine „geistige Heimat Europa“ und mit ihr jegliche Lebensperspektive verlor.

„Aus freiem Willen und mit klaren Sinnen“ ging er als Zweig, den er als zurückhaltenden, nachdenklichen Menschen zeigte, in den Tod. Die starke Frau an Strauss’ Seite, Pauline Strauss, verkörperte Hellena Büttner mit Tatkraft und Energie. Unentbehrlich war sie für ihren politisch naiven, begeisterungsfähigen Mann. Thomas Martin setzte Strauss als Hans Hinkel, Sonderbeauftragter der Reichskulturkammer, mit seiner Schwiegertochter unter Druck. Marlen Ulonska teilte als Lotte Zweigs tragisches Geschick. Wolfram Kremer gab Strauss als Paul Adolphe Anlass zu einem Wutausbruch – weil Zweigs Name auf dem Ankündigungsplakat zur „Schweigsamen Frau“ fehlte.

Monika Salzmann



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