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Serie: Akte X in Lünsche

Es brennt an allen Ecken und Enden

22.01.2012 | 07:00 Uhr
Es brennt an allen Ecken und Enden
17. Juli 1911: Brand bei Basse & Fischer

Lüdenscheid. Eine kleine Industriestadt zwischen der Wilhelminischen Epoche, Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik – das war Lüdenscheid in den Jahren zwischen 1880 und 1930. Doch auch an der Bergstadt geht das Schicksal nicht vorbei: Häuser brennen ab, Menschen kommen bei Unfällen zu Tode, Morde aus Leidenschaft oder Habgier passieren. Die WR-Serie des ehemaligen Stadtarchivars Dieter Saal wirft einen Blick in den Akte X von Lüdenscheid. Heute: 1896.

Im August 1896 wird Bridget Driscoll in London das erste Opfer eines Verkehrsunfalls mit einem Automobil. Das 6,4 km/h schnelle Auto streckt die 45-Jährige nieder, die an ihren Kopfverletzungen stirbt. Ein Augenzeuge kritisiert das „rücksichtslose Tempo“ des Automobils. Untersuchungsrichter Percy Morrison hofft, dass so ein Unfall nie wieder passieren wird. Ebenfalls im August gibt es den kürzeste Krieg der Weltgeschichte: 38 Minuten zwischen Sansibar und den Briten.

Der Fabrikarbeiter Crummenerl wird in der Worth in einer Hecke liegend tot aufgefunden.

In Treckinghausen brennt ein Gehöft vollständig nieder. Zwei Kühe und zwei Rinder werden von den Flammen getötet.

An den Folgen eines Treppensturzes, die sich der Tagelöhner Reitz in einem Hause an der Humboldtstraße zuzieht, verstirbt derselbe.

Nachts gegen 1 Uhr bricht in Winkhausen im Hause des Rentners Emil Woeste Feuer aus.

Ein Wohnhaus nebst Stallung des dem Grafen von dem Bussche-Kessel gehörenden Gutes Wesselberg brennen nieder.

Durch Entzündung von Benzindämpfen bricht in der Färberei des Robert Thomas, Thünenstraße 20, ein Feuer aus.

Das Haus des Uhrmachers Hermann Brüninghaus an der Herzogstraße/Kirchplatz muss wegen Einsturzgefahr polizeilich geräumt werden.

Bei der abendlichen in Wettringhof stattfindenden Geburtstagsfeier einer Zigeunerbande kommt es unter den Zigeunern zu Streitigkeiten, in dessen Verlauf sich zwei Zigeuner mit Schrotgewehren beschießen und verletzen. Verletzt werden ebenfalls zwei neugierige Wettringhofer, die dem Streit zuschauen.

Waldbrand zwischen Spielwigge und Hohkühl.

Waldbrand in Richtung auf Brügge.

Infolge von Schwermut setzt der Kaufmann Siegmund Schiff seinem Leben durch Ertränken im Schlittenbacher Teich ein Ende. Seine Leiche wird heute in dem genannten Teich von zwei dort vorübergehenden Frauen gefunden.

Bei dem Brinkmann’schen Neubau in der Werdohler Straße fällt ein beim Bau beschäftigter Arbeiter aus beträchtlicher Höhe auf einen Schutthaufen. Er verletzt sich hierbei sein Bein derart, dass ihm im Krankenhaus das Bein unterhalb des Knies amputiert werden muss.

Scheunen, Stallungen, Lagerräume sowie das Dach des Wohnhauses Gebr. Dahlhaus zu Stephansohl (Gemeinde Brügge) brennen nieder.

Nachts stürzt der Fabrikarbeiter Hefendehl aus der Bodenluke eines Hauses in der Turmstraße auf die Straße und ist sofort tot.

Das von dem Landwirt Wilhelm Sturm in Heide bei Oedenthal gemietete Haus brennt abends nieder.

Zum wiederholten Male schafft die Lokomotive eines Zuges nicht die Steigung zwischen Brügge und Lüdenscheid. Die Fahrgäste müssen den letzten Teil der Strecke zu Fuß nach Lüdenscheid zurücklegen.

Ein beim Schulneubau an der Mittelstraße (heutige Pestalozzischule) beschäftigter jugendlicher Handlanger stürzt von der ersten Balkenlage in den Keller, wobei er sich lebensgefährliche Verletzungen zuzieht.

Nachts um drei Uhr brennt eine alte Turnhalle bis auf die Umfassungsmauern ab.

Zwischen Versevörde und Augustenthal fällt der Fuhrmann Kohlhage aus Selscheid, welcher sein Fuhrwerk begleitet, so unglücklich auf den Kopf, dass er sogleich verstirbt.

In der Nähe von Brügge kommt der als Zuschauer an einer Jagd teilnehmende Bautechniker Hugo Dominici auf tragische Weise um. Ein mitgenommener Hund springt gegen eine an einen Baum angelehnte Jagdflinte, aus der sich im Fallen der Waffe ein Schuss löst und Dominici in die Brust trifft.

In einem Teich in der Elspe wird die Leiche des Fabrikarbeiters Braun gefunden.

Brand in der Britanniawarenfabrik und dem Messingwalzwerk Basse & Fischer, Thünenstraße 14.

Die Ehefrau des Schuhmachers Ackermann fällt in einem Hause in der Luisenstraße so unglücklich die Treppe herunter, dass sie einen Schädelbruch erleidet und an dessen Folgen bald verstirbt.

Durch Selbstentzündung von Schleiflumpen entsteht in der Nacht zum 29. November in der Eisenwarenfabrik vom Hofe ein Brand.

Der Fabrikarbeiter Himmen erhängt sich in seiner Wohnung.

Dieter Saal

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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-luedenscheid-halver-und-schalksmuehle/es-brennt-an-allen-ecken-und-enden-id6265717.html
2012-01-22 07:00
--- Nachrichten aus Lüdenscheid, Halver und Schalksmühle ---