Das aktuelle Wetter Lüdenscheid 7°C
Nichtraucherschutzgesetz

Die Köpfe der Gastwirte qualmen wieder

28.06.2012 | 17:20 Uhr
Die Köpfe der Gastwirte qualmen wieder
Ein Raucher ascht in einen Aschenbecher. In Rheinland-Pfalz bleibt das Rauchen in kleinen Kneipen trotz Einfuehrung des gesetzlichen Rauchverbotes vorerst erlaubt. Foto: Torsten Silz/ddp

Lüdenscheid. Die Gastwirte in Lüdenscheid sind auf der Palme. Schon wieder soll sich das Nichtraucherschutzgesetz ändern. Und das nicht zu ihrem Vorteil.

Schon bei der ersten Phase 2008 befürchteten die Wirte, die Kundschaft würde ausbleiben, wenn diese jetzt nicht mehr beim Bier oder beim Essen rauchen dürfte. Da halfen noch die Nichtraucherclubs, beziehungsweise die Raucherbereiche. Die Entrüstung hat sich gelegt. „Das hat sich beruhigt“, sagt Heinz-Walter Kaufmann, Vorstand des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Ortsverband Lüdenscheid. „Die Sache hat sich eingespielt, die Leute haben sich damit abgefunden.“ Seiner Kenntnis nach gebe es in Lüdenscheid keine Kneipe und kein Restaurant, das wegen des Nichtraucherschutzes schließen musste. „Das sieht in anderen Gegenden aber anders aus.“

Aber das Rad dreht sich weiter. Denn wenn es nach Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geht, ist das Rauchen in Kneipen und Restaurants demnächst grundsätzlich verboten. Das bedeutet, Glaskonstruktionen, die viele Gastrobetriebe einbauten, um eine Raucher- und Nichtrauchertrennung zu erreichen, werden hinfällig (Beispiel Extrablatt). „Das waren derbe Kosten für Kleinbetriebe“. So sieht es auch eine Passantin in der Wilhelmstraße. Grundsätzlich begrüße sie das neue Gesetz. Aber: „Man hätte von vorne herein dieses Gesetz verabschieden sollen, nicht dieses ständige Hin und Her.“

Für die Gastwirte ist dies nicht die einzige schlechte Nachricht in letzter Zeit. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Bettensteuer machte den Unternehmen zu schaffen. „Und der dickste Hammer sind die neuen Gema-Gebühren. So etwas kostet Arbeits- und Ausbildungsplätze“, sagt Kaufmann. „Da muss man ja bald schon einen eigenen Anwalt im Betrieb haben.“

„Ich war bis letztes Jahr starker Raucher, habe aber aufgehört. Ich finde es gut, wenn beim Essen in Gasstätten nicht geraucht wird, aber sonst stört das doch niemanden“, sagt ein Fußgänger. Kaufmann stimmt zu: Er erlebe in seinem Restaurant Heerwiese, dass die Gäste auch von alleine aufeinander Rücksicht nehmen. „Die Leute gehen schon ganz automatisch nach draußen.“ Wenn das Wetter mitspielt.

Für ihn habe das Gesetz vor allem Lücken, beklagt der Lüdenscheider Dehoga-Vorsitzende. „Beim Karnevalsumzug stand ich zwischen zwei Raucherinnen. Das war nicht verboten. Dennoch ist es verboten, dass Nichtraucher in den Restaurants für den Weg zur Toilette durch den Raucherbereich gehen müssen.“

Auch die Schützen beschäftigt das Thema. Denn zukünftig dürfte auch in Festzelten nicht mehr geraucht werden. „Dabei sind solche Zelte gar nicht dicht und der Rauch kann abziehen“, sagt Rolf Linnepe (BSV). Vor allem würde das eine solche Feier auseinander reißen. „Bei 500 Leuten haben Sie doch schnell auch 100 Raucher dabei. Aber es nützt ja nichts.“

Verbraucher sehen das mögliche neue Nichtraucherschutzgesetz durchaus positiv. „Ich glaube auch nicht, dass es sich negativ auf Gastronomiebetriebe auswirkt, wenn es überall konsequent durchgeführt wird“, sagt Anja Weber, selbst Nichtraucherin.

Für Dorothea Appel ist das Argument, der drohenden Kneipenpleiten nur Augenwischerei: Erstens: „Andere Länder zeigen bereits, dass die Kneipen dadurch keinen Nachteil haben.“ Zweitens: „Jetzt werden mehr Nichtraucher dorthin gehen.“

Stefanie Schröder

Facebook
 
Kommentare
29.06.2012
08:41
Die Köpfe der Gastwirte qualmen wieder
von symtexx | #2

Tja, aber was nützen die tollsten Glaswandkonstruktionen, wenn die Türen permanent verkeilt werden, damit die Bedienung mit den Essentellern ungehindert passieren kann?
Nichts.
Dann zieht der Ekelgestank wieder durch die ganze Gaststätte.

Daher bin ich dafür, dass Rauchen grundsätzlich nur unter freiem Himmel gestattet sein sollte.

29.06.2012
08:04
apropos "Die Köpfe "
von KFR001 | #1

... gerade haben Studien nachgewiesen, leichter Nikotin-Genuss hilft gegen Alzheimer und steigert die Leistung von Mitarbeitern erheblich.
... das zu verhindern sind wohl gerade die Ziele der calvinistischen Mac-Carthy-Prohibitionisten und ihrer statistischen Dominanz - Traumwelten ?

1 Antwort
Die Köpfe der Gastwirte qualmen wieder
von sepp123 | #1-1

Sie leiden wohl unter Alzheimer. Raucher haben ein doppelt so hohes Alzheimer Risiko.

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/news/alzheimer-rauchen-verdoppelt-demenzrisiko_aid_565779.html

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6819678/create

Fotos und Videos
Schwerer Unfall auf der A45
Bildgalerie
Polizei
Zwei Schwerletzte bei Balve
Bildgalerie
Unfall
Lkw-Brand in Lüdenscheid
Bildgalerie
Feuerwehr
Fest der Feste in Halver
Bildgalerie
Kirmes 2012
Aus dem Ressort
Kulturmanager begeistert vom Engagement für das Rockkonzert
Rockkonzert
„Ich bin begeistert“, strahlt David Babin angesichts der vielen Leute, die sich engagieren würden, große Zuversicht aus, dass er die Herausforderung als Kulturmanager der Art Volmetal meistern wird. Er habe schon viele Leute kennengelernt, sagt der 38-jährige Betriebswirt und...
Freund der Ermordeten sagt im A45-Prozess nichts
A45-Mord
Erneut bot der A45-Mordprozess am Donnerstag Anlass zum Kopfschütteln. Im Zeugenstand war jener Mann, der vermutlich der letzte Freund der Iptehal A. war.