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Antikriegstag

Den Toten endlich Namen geben

04.09.2011 | 19:00 Uhr
Den Toten endlich Namen geben

Lüdenscheid. Anlässlich des diesjährigen Antikriegstages hatte die Friedensgruppe Lüdenscheid die Vorstandsmitglieder der Stiftung Russisches Ehrenfeld, für einen Besuch in der Bergstadt gewinnen können. Der in Moskau lebende Journalist Remco Reiding sowie Alex Engbers und Hayo Bootsma aus den Niederlanden waren am Samstag in das CVJM-Jugendheim in der Mathildenstraße gekommen um über ihre Arbeit zu berichten.

Zustande gekommen war der Kontakt durch einen Zufall. Remco Reiding war im Internet auf das von der Friedensgruppe publizierte „Lüdenscheider Gedenkbuch“ gestoßen und hatte daraufhin den Kontakt zur Gruppe aufgenommen.

Holländer auf der Suche nach Angehörigen

Jetzt war der Niederländer nach Lüdenscheid gekommen um seine Arbeit vorzustellen. Seit rund 11 Jahren beschäftigt sich Reiding mit dem Thema. Auslöser war sein Besuch auf dem russischen Ehrenfeld in Leusden bei Amersfoort, etwa 300 km von Lüdenscheid entfernt. „Wer sind diese Soldaten? Wie sind sie hierher gekommen? Wie ist es möglich, dass ich, geboren und wohnhaft in Amersfoort, noch nie von diesem russischen Ehrenfeld gehört habe?“, fragte sich Reiding und machte sich daran nach Antworten zu suchen.

Info
Stiftung Russisches Ehrenfeld

Am 29. Januar 2010 wurde die Stiftung Russisches Ehrenfeld gegründet.

Die Stiftung hat folgende Ziele:

- das Schicksal der 865 Soldaten aus der ehemaligen Sowjetunion, die auf dem russischen Ehrenfeld in Leusden begraben sind, zu untersuchen

- ihre Angehörigen zu suchen und einen Besuch am Grab für Angehörige zu ermöglichen

- die Erinnerung an die Soldaten durch Veröffentlichungen, audiovisuelle und digitale Produktionen zu bewahren.

Während seiner jahrzehntelangen Arbeit konnte der mittlerweile in Moskau lebende Niederländer zahlreiche Schicksale aufklären und Angehörige der Toten ausfindig machen.

Was aber hat Lüdenscheid mit den Soldatengräbern in Leusden zu tun? Nach Kriegsende wurden hunderte Gefangene, die von den Amerikanern aus dem Stammlager VI A in Hemer befreit wurden auf Grund von Krankheiten wie Typhus, Lungenentzündung, Dysenterie und Tuberkulose in umliegende Krankenhäuser und Lazarette verlegt. Folglich landeten hunderte, vielleicht mehr als tausend kranke Russen in Lüdenscheid. Einige Offiziere kamen in die Panzerkaserne Hellersen, die von der Wehrmacht schon als Lazarett eingerichtet worden war und hunderte Soldaten wurden in der Infanteriekaserne am Baukloh untergebracht. In Lüdenscheid starben zwischen dem dritten Mai und dem zweiten Juni 1945 ungefähr 135 Russen an Tuberkulose. In den Sterbeurkunden im Lüdenscheider Stadtarchiv war nur dokumentiert „Von den Amerikanern abgeholt“. Wohin sie gebracht wurden, wurde nie geklärt. Nun, 66 Jahre später, können die Namen den Gräbern in den Niederlanden zugeordnet werden.

Um seine Forschungen weiterführen zu können bittet Remco Reiding alte Lüdenscheider darum, ihm noch weitere Informationen über Baukloh und Hellersen zukommen zu lassen.

Nach dem Vortrag begaben sich Vertreter der Lüdenscheider Friedensgruppe mit ihren Gästen auf den evangelischen Friedhof, wo sie von Pfarrer Lothar Hellwig bei den Soldatengräbern erwartet wurden. Nachdem kurze Ansprachen gehalten wurden, wurde symbolisch eine Namensliste niedergelegt, auf der die Toten aus den Lazaretten verzeichnet ist.

Am Sonntag fand das alljährliche Gedenken anlässlich des Antikriegstages an der Gedenkstätte in Hühnersiepen statt. Auch die niederländischen Gäste der Friedensgruppe waren in diesem Jahr mit dabei. Nach der Kranzliederlegung hielt auch Reiding eine kurze Ansprache, in der er dazu ermahnte, nicht zu vergessen und vor allem tolerant und offen anderen gegenüber zu sein und Vorurteile zu vermeiden.

Für den musikalischen Rahmen, mit Beiträgen wie etwa der „Ballade von den schrecklichen Ereignissen im Lager Hunswinkel“, sorgte Rüdiger Drallmeyer.

Thomas Millutat



Kommentare
05.09.2011
14:15
Den Toten endlich Namen geben
von KFR001 | #1

sehr billig, einfach und ohne jedes Risko; alle Aktivitäten auf die Vergangheit beziehen, dann braucht man sich nicht mit den aktuellen Kriegsverbrechern und machtlüsternen Cash-in-Propagandisten im In- und Ausland auseinander-setzen; nette Umleitung und Ablenkung für kleinbürgerliche Aktivisten gemäss Lehrbuch.

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