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Brückenschlag zwischen Kulturen

18.09.2012 | 12:00 Uhr
Brückenschlag zwischen Kulturen
Almanya ich liebe dich im KulturhausFoto: Jakob Salzmann

Lüdenscheid. Probleme, Probleme, nichts als Probleme! Ali Öztürk, nach bestandenem Einbürgerungstest endlich im Besitz eines deutschen Passes, schwirrt der Kopf vor lauter Sorgen. Kaum fühlt er sich nicht mehr als Ausländer in der eigenen türkischstämmigen Familie, macht ihm Gattin Halime im Theaterstück „Almanya ich liebe dich!“ mit ihrer Forderung nach mehr Romantik in der Beziehung das Leben schwer.

Karriere statt Kind

Tochter Fatma, längst verheiratet, will Karriere machen und keine Kinder. Und die neue Nachbarin, die sich als Alis Arbeitsvermittlerin entpuppt, stresst und droht den lang ersehnten Türkeiurlaub zu vermasseln. Zu allem Überfluss hat sich auch noch Schwiegersohn Yusuf mit seinem Vater Sükrü, Alis bestem Freund, überworfen. Wie gesagt: Probleme, nichts als Probleme! Nach „Stefanie integriert die Öztürks“ präsentierte die deutsch-türkische Theatergruppe „Halber Apfel“ am Freitagabend im ausverkauften Kulturhaus mit „Almanya ich liebe dich!“ eine wunderbare, hoch amüsante Fortsetzung der Öztürk-Geschichte. Aus der Feder von Murat Isboga – Leiter, Autor und Schauspieler der Gruppe – stammte der köstliche Theaterspaß, der deutsch-türkisches Zusammenleben liebenswert ironisch auf die Schippe nahm.

Mit liebevollem Augenzwinkern ließ die Gruppe die Öztürks und ihre deutschen Nachbarn agieren und sich humorvoll zusammenraufen. Pointiert, witzig und immer für eine Überraschung gut zauberten die Darsteller jung und alt, Deutschen und Türken, ein Dauerlächeln ins Gesicht. Kein Wunder, dass es Standing Ovations für diesen gelungenen Brückenschlag zwischen den Kulturen gab.

Paraderolle

In seiner Paraderolle als sorgengeplagter Familienvater Ali Öztürk avancierte Murat Isboga zum Dreh- und Angelpunkt des Stücks. In Würde ergraut, sah er sich von aufmüpfigen Familienangehörigen umringt. Gattin Halime, von Meryem Isboga verkörpert, stichelte bei jeder Gelegenheit gegen ihr „Brett“ – Kosename für ihren unsensiblen Mann – und suchte aus dem Bilderbuch-Pascha einen Romantiker zu machen. Tochter Fatma (Yesim Arslan) wollte hoch hinaus. Zeynep (Hatice Altinsoy), die Jüngere, litt unter der Enge im trauten Heim. Als Yusuf, Alis Schwiegersohn, fand Ismail Sinan Kaygisiz in Halime eine Art Mutterersatz. Sükrü (Sadik Özyener), nach der Pleite seines Döner-Ladens mit Yusuf verkracht, gab sich im verräucherten türkischen Café – mit H-Milch, nicht etwa Alkohol - seiner Schwermut hin. „Typische“ Deutsche – Christine Maaß als regelkonforme Arbeitsvermittlerin Hannelore Müller und Melina Fuhrmann als ihre aufgeschlossene Tochter Ulrike – begegneten im Stück „typischen“ Türken, mit Comedy-Augen besehen. Klischees nahmen die Akteure lustvoll unter die Lupe. Vergnügliche Zeitreisen in die Vergangenheit, als Alis Töchter noch zur Schule gingen, brachten zum Lachen. Am Ende, als Ali aus der Türkei per Telefon die Nachricht vom Tod seines Vaters erhielt, stand das Leben auf einmal still.

Von Monika Salzmann



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