Das aktuelle Wetter Lennestadt 3°C
Fischzucht

Rheinländer kaufen ihren Fisch im Sauerland - Forellenzucht in Lennestadt

04.09.2013 | 17:15 Uhr
Funktionen
Rheinländer kaufen ihren Fisch im Sauerland - Forellenzucht in Lennestadt
Inhaber Andreas Rameil und ein Mitarbeiter bei der Arbeit. Der Fachbetrieb zieht die Forellen von Kleinst auf, füttert und verarbeitet sie zum Schluss zu Frischfisch und Räucherware.Foto: Ralf Rottmann / WAZ Fotopool

Lennestadt.   Der Kreis Olpe gilt in Nordrhein-Westfalen als Hochburg der Forellenzucht. Besuch bei Thomas Rameil in Lennestadt, seine Umsätze sind in den vergangenen Jahren um 40 bis 50 Prozent nach oben gegangen.

Das Wasser des Teichs sprudelt und schäumt, Hunderte hektische Fischleiber unter der Oberfläche sorgen für Bewegung wie in einem Piranhabecken. Aber nur dort, wo Forellenzüchter Thomas Rameil (50) aus Lennestadt-Gleierbrück sein Trockenfutter ausgeworfen hat. „Damit werden die Fische erst seit den 70er-Jahren ausschließlich gefüttert“, berichtet Rameil, Inhaber in vierter Generation. „Vorher gab es Seefisch oder Schlachtabfälle.“

Regenbogenforellen aus den USA

Prächtige Burschen sind das, diese Regenbogenforellen in den etwa zehn Teichen mit betoniertem Rand, diese hier etwa 250 bis 350 Gramm schwer. Sie machen 80 Prozent der Zucht in Gleierbrück aus. „1875 aus den USA eingebürgert, drängten sie rasch die empfindlicheren einheimischen Bachforellen an den Rand“, erzählt der Züchter, der seine Selbstständigkeit mit einer 24-Stunden-Bereitschaft und nur einer Woche Urlaub im Jahr bezahlt.

Noch einmal müssen die ausgewachsenen Exemplare vor dem Verkauf den Teich auf dem idyllisch gelegenen Wiesengrund wechseln, werden dabei maschinell nach Gewicht sortiert. Die einen dürfen noch etwas wachsen, den anderen droht das Ende als Filet im Magen des Verbrauchers. 350 bis 400 Gramm sollten sie dann wiegen.

Nicht alle Jungtiere schaffen es

Aber bevor es soweit ist, vergeht mehr als ein Jahr. Wie werden die Regenbogenforellen, Bachforellen, Goldforellen und Saiblinge so groß wie sie sind? Das Geheimnis verbirgt sich in einer Holzhütte im Nachbardorf Saalhausen, die Rameil mit dem Reporter und dem Fotografen ansteuert. Das ganze Jahr über fließt hier mit acht bis 10 Grad gleichmäßig temperiertes Wasser aus einem nahegelegenen Schieferbergwerksstollen in große Bottiche mit Jungfischen. „Wir betreiben hier keine Vermehrung, sondern kaufen die Eier aus Frankreich zu“, erklärt Rameil. Fünf bis sechs Mal pro Jahr 200.000 bis 300.000 Stück.

Lesen Sie auch:
Jede vierte Forelle in NRW kommt aus dem Kreis Olpe

Der Kreis Olpe ist die Hochburg der Fischzucht in Nordrhein-Westfalen, zumindest was den Speisefisch angeht. 1,3 Millionen Kilo Speisefisch wurden...

Und da schwimmen sie nun: Winzige Forellen, die vergangene Woche geschlüpft sind, im Nachbarbottich 20 Wochen alte, die demnächst in die Gleibrücker Teiche umgesiedelt werden können. Nicht alle Jungfische schaffen es. Rameil rechnet mit einer Ausfallquote von 10 Prozent. Den Schuppen mit dem besonderen Wasser hat der Züchter erst 2003 kaufen können, durch einen „glücklichen Zufall“, wie er sagt. Vorher, also zu Zeiten seines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters, gab es nur normales Bachwasser.

Süßwasserfische werden für den Verkauf gezüchtet. 80 bis 100 Tonnen im Jahr holen Thomas Rameil und seine drei Angestellten inklusive Azubi aus den Teichen in Gleierbrück. Immer wichtiger wird dabei der Hofladen, der frische und geräucherte Forelle anbietet. Dessen Umsätze seien in den vergangenen Jahren um 40 bis 50 Prozent nach oben gegangen, berichtet der Züchter, der seinen Gesamtumsatz mit rund 500.000 Euro im Jahr angibt: „Das ist wie ein Erlebnis-Einkauf - die Leute schauen nicht auf den Preis, sondern achten nur darauf, ob der Fisch frisch ist.“ Und wer kauft direkt ab Teich? „Der Sauerländer ist nun mal kein Fischesser, dafür aber umso mehr die Rheinländer.“ Und so stehen auch weniger Autos mit OE- oder MK-Kennzeichen auf dem Parkplatz als mit D, K oder sogar SU - viele davon Stammkunden.

Edelgastronomie knausert

Und die anderen Absatzwege? Da ist einmal die heimische Gastronomie, die entweder die eigenen Fischteiche auffüllt oder direkt Filets ordert - im Umkreis von etwa 10 Kilometer sind alle Rameil-Kunden. Die Gastronomie macht aber nicht einmal ein Prozent des Umsatzes aus, sagt der Züchter. Und da sind die Angelteichbetriebe, die die Forellen zukaufen. Enttäuscht zeigt er sich von manchem Edelgastronomen im Sauerland. „Die schmücken sich gern mit Frischeprodukten aus der Region, aber wenn es dann um den Preis geht, wird es schwierig.“

Stefan Pohl

Kommentare
Aus dem Ressort
Ein Feuerwerk von Sport und Akrobatik
Nikolausfeier
Die Schützenhalle in Langenei war bei der traditionellen Weihnachtsfeier des Turnvereins Langenei-Lickenbach rappelvoll. Die Kinder und Jugendlichen...
Belohnung für besonders engagierte Schüler
Olpe.
Im Rampenlicht standen am Freitag im Städtischen Gymnasium Olpe (SGO) 28 Schüler und Schülerinnen: Auf der Bühne der Schulaula wurden sie vom...
Mutterhaus wird Ort der Begegnung
Olpe.
Man kann es ruhig betonen: kaum eine Messfeier in der Umgebung zieht so viele Menschen quer durch alle Generationen - auch die jungen - an. Seit fast...
Maria Limpers Lebensfreude ist ansteckend
100. Geburtstag
Vor genau 100 Jahren wurde Maria Limper in Dortmund geboren, zog mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern schon früh um nach Welschen Ennest, An ihrem...
Bundesregierung dankt Oberveischede
Empfang in Berlin
Ihr uneigennütziger Einsatz für Flüchtlinge ist am Donnerstag in Berlin gewürdigt worden: Sigrid Mynar, Vorsitzende der Dorfgemeinschaft...
Fotos und Videos
Die schönsten Bärte Europas
Bildgalerie
Bartträger-EM
Elspe-Festival und Pyramiden von oben
Bildgalerie
Aus der Luft
Streetbob-Spektakel in Winterberg
Bildgalerie
Streetbob-WM