Projekt "Bibel-Garten" im ständigen Werden
10.08.2007 | 13:45 Uhr 2007-08-10T13:45:29+0200Heinsberg. (zad) Gärten sind der Inbegriff blühender Refugien, kultivierte Horte. Einen außergewöhnlichen Themengarten haben sich Regina und Rudolf Schmidt in Heinsberg erschaffen. Im Jahre 2003 ergänzten sie Stück für Stück ihr großes Gartenareal um in d
Zwar ist das Projekt "Bibel-Garten" im ständigen Werden, doch der kleine Garten Eden beherbergt schon an die 100 Pflanzen, die mit Hinweisschildern versehen und mit einem eigens erstellten Führer zu erkunden sind. Ingesamt finden sich rund 120 Pflanzen in der Bibel namentlich erwähnt. Doch längst nicht alles gedeiht auch im rauen Klima des Südsauerlandes. So hat Rudolf Schmidt auch christliche Symbolpflanzen in seinen Garten aufgenommen, sofern sie nicht bereits dort wuchsen. Denn Pflanzen als christliche Metaphern und Symbole tummeln sich in christlichen Ikonen, weiß der Religions- und Kunstlehrer wie passionierter Ikonenmaler.
Was nach einem Sammelsurium exotischer Typen klingt, entpuppt sich beim Rundgang über das fast 3 000 Quadratmeter große Areal als gar nicht mal so ungewöhnlich. Vieles davon wächst sowieso überall, nicht nur in einem gut gepflegten Garten: Rosen, Tulpen, Schneeglöckchen, Gänseblümchen, Efeu oder Primeln. Die wilde Erdbeere beispielsweise ist ein Symbol für die unbefleckte Empfängnis Mariä, denn die sinnlich-rote Erdbeere ist eine Pflanze, die gleichzeitig blüht und Früchte trägt. Denkt man an das letzte Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern, fällt einem Wein und Brot ein; Getreide (Gerste, Roggen, Weizen) und Wein gedeihen auch in hiesigen Gefilden. "Letztes Jahr hatten wir eine gute Weinernte", schwärmt der Bibelgärtner. Tamarisken sprießen im Garten, unter einer solchen wurde Saul begraben, Zedernholz diente beim Bau des Tempeldaches, Papyrus als Papiermaterial, auf denen die ersten Bücher der Bibel fixiert wurden, die Pimpernuss (Pistazie) fehlt in keiner Barockkirche, wo die Blätter als Arabesken nicht wegzudenken sind. Pflanzen mit biblischem und christlichem Symbolcharakter finden sich überall.
Der Garten ist das Hobby der beiden Religionspädagogen. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt da kaum. "Die Idee stammt von meiner Frau. Und ich bin dann eben der Mann fürs Grobe und habe das dann umgesetzt", schmunzelt Rudolf Schmidt. In einem kleinen Feld hat er Senf angepflanzt, eine immanent beliebte Symbolpflanze, denn wie heißt es so schön: "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hoch gewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten." Binsen wachsen am Gartenteich neben Seerosen und Schilfrohr; Moses wurde in einem Binsenkörbchen ausgesetzt. Zudem symbolisiert Schilf Geduld und Ausdauer und schmückt oftmals Madonnenbilder.
Mit den Blättern der Feige bedeckten Eva und Adam ihre Scham, als sie verbotener Weise Früchte vom Baum der Erkenntnis aßen und sich hernach ihrer Nacktheit schämten. "Meine Schüler sagen immer, wenn sie die Feigenblätter sehen, das sind aber kleine Blätter zum Bedecken", lacht Rudolf Schmidt. Apropos Baum der Erkenntnis: die Gelehrten favorisieren gleich drei Früchte, die Eva von der Schlange als verbotene Frucht feil geboten wurde - neben dem allseits beliebten Apfel (typischstes Symbol des Sündenfalls) konkurrieren auch die Kirsche (Symbol praller Sinnlichkeit) und die Aprikose um den Titel der verbotenen Frucht.
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