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Opfer-Berichte sorgen für Betroffenheit

03.04.2014 | 17:09 Uhr
Opfer-Berichte sorgen für Betroffenheit
Von rechts: Berthold Schleime (Schulleiter), Peter Keup (STASI-Häftling), Manfred Linder (Fachvorsitzender Geschichte)Foto: Gymnasium

Lennestadt  Peter Keup war selbst Opfer. Einer der Zigtausenden, die die Stasi in die Gefägnisse steckte. Unter menschenunwürdigen Bedingungen. Mit Gewalt bedroht, misshandelt, psychisch gefoltert. Bei seinem Besuch im Gymnasium Maria Königin fand Keup rund 200 sichtlich mitgenommene Schülerinnen und Schüler.

. „Sag dich von deinen Eltern los, dann wirst du von einer Pflegefamilie adoptiert und kannst das Abitur machen.“ Dieses Ansinnen war nur eines, das der DDR-Zeitzeuge Peter Keup den mehr als 200 Oberstufenschülern des Gymnasiums Maria Königin Lennestadt im voll besetzten Konferenzsaal schilderte. Keup, der im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig ist, verlebte zunächst eine „DDR-typische“ Jugend: 1958 in Radebeul geboren – der Vater war als Kommunist 1956 in die DDR gezogen – Mitglied der kommunistischen Jugendorganisationen Thälmann-Pioniere und FDJ, strikt linientreu erzogen. „Ich glaubte zunächst sogar, dass die Mauer ein ‚antifaschistischer Schutzwall sei.“ Bis die Großeltern aus Essen zu Besuch kamen und von Grenzschikanen und Mauertoten berichteten.

Wegen des danach gestellten Ausreiseantrags der Eltern galt der 16-jährige Peter als „Verräter“, musste die Schule verlassen, durfte nicht mehr im Sportverein trainieren. Der Tanzsport bot eine Alternative. Doch trotz der erfolgreichen Teilnahme an zahlreichen Meisterschaften wurde ihm verboten, an Tanzturnieren im Westen teilzunehmen und dort Karriere zu machen.

Der Fluchtversuch (über die ČSSR nach Ungarn, dort über die Donau nach Österreich schwimmen) scheiterte bei der DDR-Grenzkontrolle: Keup hatte vergessen, eine Rückfahrkarte zu kaufen. Es folgten entwürdigende Leibesvisitationen, 20-stündige Verhöre und zunächst eine viermonatige U-Haft im STASI-Gefängnis in Dresden. Keup, der in der Haft 20 Kilogramm Gewicht verlor, zeigte einen Filmausschnitt über die Haftbedingungen der 2x3 Meter „großen“ Zellen und die indiskutablen „Sanitäreinrichtungen“. Die Schüler, hochkonzentriert und betroffen, hatten viele Fragen an den Zeitzeugen: Wie schlägt man die Zeit tot, wenn man nicht einmal Briefe schreiben darf? Wie hat er die weiteren zehn Monate Haft nach seiner Verurteilung als „Republikflüchtling“ ausgehalten? Was dachten die Eltern und Geschwister, die nichts über seinen Verbleib wussten? Peter Keup gelangte schließlich im März 1982 im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik und lebt heute in Essen.

Das Resumé der Schüler war einhellig: „Das ging unter die Haut – solche Geschichtsstunden sollte es öfter geben!“

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2014-04-03 17:09
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