Kirchhundem von Wald- zur Windgemeinde
05.09.2011 | 17:15 Uhr 2011-09-05T17:15:18+0200
Kirchhundem.Die Waldgemeinde Kirchhundem ist auf dem besten Weg zur Windgemeinde. In Heinsberg, Rahrbach, Kruberg, Bettinghof und Hofolpe gibt es Initiativen für neue Windräder.
Werden die Pläne Wirklichkeit, drehen sich in Kirchhundem 20 weitere Windenergieanlagen.
„Ja, es gibt Anfragen, aber noch keine offiziellen Anträge,“ bestätigt Kirchhundems Bürgermeister Michael Grobbel gegenüber unserer Zeitung. Bisher waren nur die Pläne des Hofolper Forstwirts Karl-Heinz Kaiser publik geworden, der in Nähe der Hohen Bracht 3 Windräder bauen will. Das Vorhaben hatte in der Öffentlichkeit ein geteiltes Echo ausgelöst. Vor allem die Kritiker hatten starken Wind gegen das Vorhaben gemacht, sehen das sauerländische Landschaftsbild durch die drehenden Rotoren verschandelt.
Doch das war vor der Atomkatastrophe Fukushima. Mit dem Einstieg in den Atomausstieg auch hierzulande hat sich der Wind gedreht. Die Zustimmung zu regenerativer Energierzeugung wächst. So sieht es auch Karl- Heinz Kaiser, der sich darüber ärgert, dass seine Infotafeln an den potenziellen Windradstandorten von millitanten Windkraftgegnern regelmäßig zerstört werden.
Doch ebenso ärgert den Hofolper, dass sich der Widerstand gegen die Windräder auf ihn focussiert, während andere - quasi in seinem Windschatten - seelenruhig ebenfalls neue Anlagen planen. So sollen bei Heinsberg, an der Gemeindegrenze zum Siegerland, weitere 10 Anlagen entstehen, ebenso bei Bettinghof und Kruberg.
In Rahrbach soll die einzige Windvorrangzone in der Gemeinde, in den Rahrbacher Weidekämpen, in Richtung Höhe Stemberg ausgeweitet werden. Initiator ist die örtliche Waldgenossenschaft. Von 5 bis 6 Windrädern ist hier die Rede. Einer der größten Waldgenossen ist das Olper Regionalforstamt. Leiter Klaus Lomnitz: „Wir begrüßen die Erweiterung und sind gespannt, wie die Diskussion ausgehen wird.“ Der Waldfachmann hat wie viele andere seine persönliche Meinung zur Windenergieerzeugung im Sauerland geändert: „Vor 15 Jahren war ich sehr skeptisch, was die Windenergie angeht, heute akzeptiere ich die Anlagen in der Landschaft, weil sie sauber sind und ihr Rückbau nach der Aufgabe der Anlagen garantiert ist.“ Natürlich dürfe Natur- und Artenschutz nicht ausgehebelt werden.
Genährt werden die Windenergiepläne im Kirchhundemer Land durch den neuen Windenergieerlass NRW, der Mitte Juli vorgestellt wurde. Die rot-grüne Landesregierung will den Anteil der Windenergienutzung in NRW bis 2020 von jetzt 3 auf dann 15 Prozent anheben. Das funktioniert nur mit leistungsfähigeren Anlagen an geeigneten Standorten. Die alte pauschale Höhenbegrenzung für Windräder von 100 Metern existiert nicht mehr. Das Repowering, das heißt, der Ersatz alter Anlagen durch neue, leistungsfähigere mit 150 Metern Gesamthöhe, ist zentraler Bestandteil des Erlasses. Der Bau von Windenergieanlagen in Waldgebieten ist nun ebenfalls grundsätzlich möglich, vorzugsweise auf „Kahlflächen im Wald aufgrund von Schadensereignissen“, also sogenannten Kyrillflächen.
Gute Voraussetzungen also für das Sauerland, um auf den Windenergiezug aufzuspringen. Zumal der neue Windenergieerlass die Bildung von Bürgerwindparks ausdrücklich empfiehlt.
Die Gemeindeverwaltung Kirchhundem will alle Anträge und Anfragen erst einmal sammeln. Als nächster Schritt soll ein Ingenieurbüro das gesamte Gemeindegebiet auf geeignete Flächen untersuchen. Diese sollen dann näher betrachtet werden. Dann muss der Gemeinderat entscheiden, wo eine Vorrangzone ausgewiesen wird. Bis sich also die ersten neuen Windräder in Kirchhundem drehen, wird noch viel Wind durch die Gemeinde wehen.
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