Katze zum zweiten Mal durchbohrt
07.09.2008 | 15:06 Uhr 2008-09-07T15:06:36+0200Attendorn/Bilstein. (dani) Der legendäre Katzenschuss der Attendorner Bürgerwehr jährt sich zum 425. Mal. Grund genug für die Attendorner Schützen und die Karnevalisten, die Geschichte noch einmal aufleben zu lassen. Am Wochenende war es so weit.
Bilstein , im Jahre des Herrn 1583. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchsess kamen mit einer Streitmacht ins Sauerland, um die Bürger zu zwingen, dem katholischen Glauben zu entsagen. Nachdem der Bischof mordend und plündernd durch Attendorn gezogen war, ohne den geringsten Erfolg zu erzielen, begab er sich auf die Burg Bilstein, wo er mit offenen Armen empfangen wurde - allerdings verfolgt von der wackeren Attendorner Bürgerwehr.
Als eines Tages ein Schütze der Attendorner den Bischof beim Mittagsschlafe im Fenster sah, schoss er ohne zu zögern mit seiner Armbrust. Doch was da aus dem Fenster fiel, war nicht der tote Erzbischof, sondern eine schwarze Katze.
Von den Bilsteiner mit Spott und Hohn überschüttet, zogen die Attendorner ab: "Da ziehen sie hin die Kattfiller." Soviel zur Historie.
Bereits am Samstagmorgen versammelten sich über 600, größtenteils mittelalterlich gewandete Attendorner am Sauerländer Dom, um an der Wanderung über den historischen Weg zur Burg Bilstein teilzunehmen. Weitere 300 Menschen reisten mit Bussen und Pkw zur Burg.
Schützenhauptmann Markus Harnischmacher und der Präsident des Karnevalsvereins, Otto Höffer, waren begeistert von der riesigen Resonanz. "Das ist hier ein gemeinschaftliches Ereignis, das ich so noch nicht erlebt habe", schwärmte Otto Höffer. Rund 1 000 Menschen drängten sich auf dem Burghof, als 60 Akteure antraten und die Geschichte des Katzenschusses wieder lebendig werden ließen.
Die Stimmung war grandios. Unter Buh-Rufen und Pfiffen zog der Erzbischof durch die Menschenmenge, plünderte die "Kirche" und verschwand in der Burg. Riesiger Jubel brandete auf, als Schützenhauptmann Harnischmacher zur Armbrust griff und wenig später die große schwarze Katze aus dem obersten Fenster der Burg stürzte.
Auch die Bürgermeister der Städte Attendorn und Lennestadt, Alfons Stumpf und Alfons Heimes, waren gekommen, um an diesem großen Ereignis teilzuhaben. Sie wurden mit Orden bedacht - ebenso wie die Herbergsfamilie Sagafe, die bei den Vorbereitungen tatkräftig mithalf und die Tore zur Burg öffnete.
"Ich habe noch nie so viele Attendorner zusammen außerhalb von Attendorn gesehen", war Bürgermeister Stumpf beeindruckt.
Für die passende Stimmung mit mittelalterlich-rockigen Klängen sorgten die Bands "Cranifex" und "Dark Side of Fire". Am Abend folgte eine spektakuläre Feuershow.
Auch bei der Verpflegung war für Abwechslung gesorgt: Es gab nicht nur Katzenspieß und Scharmützelpfanne, sondern auch "Platte Olper".
Keine Frage: Dieses Großereignis dürfte genauso seinen Platz in den Geschichtsbüchern finden wie der legendäre Katzenschuss anno 1583.
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