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Geglückter Spagat zwischen Witz und Tiefgang

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Meggen. Was war denn das, was wir am Mittwoch im PZ in Meggen gesehen haben und was sich „Ewig jung“ nannte? Als „Songdrama“ war die 130-minütige pausenlose Veranstaltung angekündigt. Als Ü-80-Party im Seniorenheim. Mit Gesang und Tanz. Ziemlich schräg und verrückt, das Opus von Erik Gedeon. Was wahrlich nicht untertrieben war.

Wie im Panoptikum

Musical-Star Angelika Milster hatte in der Rolle der Oberschwester Angelika alle Hände voll zu tun, das Senioren-Sextett im Aufenthaltsraum des Altenheims sittsam und geordnet auf ihre Sofaplätze zu bugsieren. Hier erstarrten die durch Bein- und Hüftprothesen doch stark gehandicapten Insassen. Mit Ausnahme von Harry Ermer, der die Tasten seines Klaviers perfekt bearbeitete und seine Mitstreiter als Solist oder im Chor perfekt begleitete, abgesehen von seinem doch arg eingeschränkten verbalen Mitteilungsvermögen.

Panoptikum - der Begriff fiel beim Betrachten der erstarrten Grufti-Phalanx spontan ein. Knöcheltief im eigenen Kalk stehend. Wachsfiguren-Ensemble, Kuriositäten-Kabinett, in dem Demenz und Alzheimer nur so waberten. Das durch die schikanösen Machenschaften von Schwester Angelika (die die Senioren z.B. zum Mitsingen und -klatschen alberner Kinderliedchen zwang) Stück für Stück zum Leben erwachte. Daran konnte auch das Couplé der Betreuerin - eine sowohl stimmlich wie inhaltlich hinreißende Hymne übers Sterben, Grasbeißen, Urnengang und „Ab in den Ofen“ nichts ändern. Ganz im Gegenteil: Die skurrile Truppe lief unaufhaltsam zur Höchstform auf. Slapstick und bitterböse Satire, Klamauk und faszinierende Medleys- gesungen und getanzt. Bis die Knochen knirschten und sich Perücken - ein Riesenkompliment an die phantastischen Maskenbilder, - Krückstöcke und diverse Prothesen selbstständig machten.

Kann man den wirklich über so traurige Dinge wie Demenz schmunzeln oder gar lachen? Autor, Regie und vor allem der Truppe mit Katherine Mehrling, Dieter Landuris, Timo Dierkes, Guntbert Warns und Anika Mauer gelang die Gratwanderung, ja, der Spagat. Bei all ihrer Freude am Spiel, der Begeisterung, einmal so richtig die Sau raus zu lassen, gingen die melancholischen Töne nicht unter. Wurde das Publikum mit den eigenen Vorurteilen konfrontiert. Gab es doch Momente der Rührung. Vielleicht möchten alte und physisch stark ramponierten Menschen trotz aller Betreuung im Seniorenheim vielleicht doch ab und zu auch einmal Kinderlachen hören?

Grandiose Inszenierung

Was wir im proppenvollen PZ zu sehen und hören bekamen, war grandios. Dabei kroch manchmal das ängstliche Gefühl in so manchem hoch: Wie wird es mit mir sein, wenn ich so alt bin? Ein wenig Einkehr war also durchaus nicht verboten.

Das Publikum reagierte enthusiastisch. Stehende Ovationen, nicht enden wollender Applaus. Es waren 130 Minuten bester Unterhaltung. Oftmals mit Tiefgang, Niemals langweilig. Ein beschwingtes Dankeschön für einen herrlichen Abend.

Werner Riedel

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2015-01-24 00:11
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