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Gegen den Nachkriegsmief

15.02.2012 | 16:03 Uhr
Gegen den Nachkriegsmief
ÑBlue Jeansì im PZ in Meggen, das war pure Lebenslust, ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus

Meggen.(jul) „Jeans sind eine Einstellung und keine Hose“, sagte treffend der frühere Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf. Und genau dieses Lebensgefühl, das in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Vehemenz den Mief der Nachkriegszeit lüftete, vermittelte „Blue Jeans“.

Die spritzige Unterhaltungsrevue nahm mit ironischem Augenzwinkern die verstaubten Ansichten ins Visier und machte mit wirbelnden, teils akrobatischen Tanzszenen das Stillsitzen echt schwer. Voll begeistert war denn auch das Publikum im PZ, klatschte im Takt, dankte mit Ovationen, erreichte sogar eine Zugabe.

Da stimmte alles: die auch in den Nebenrollen perfekt eingesetzten Schauspieler und Tänzer, tolle Livemusik, die typisierenden Bühnenbilder und natürlich die Handlung – als Aneinanderreihung von Sketchen, verquickt mit viel Musik und Tanz.

Sehnsucht nach Freiheit

Bunte Petticoats und Nierentisch, Baby Doll und Campingurlaub zum Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“ ließen die Zeit von damals auferstehen.

Während die Eltern Wohlstand vermehrten, „Disziplin“ predigten oder den „verlorenen Gütern“ in Ostpreußen nachtrauerten, sehnte sich die Jugend nach Freiheit. Und so trug Lisa Neumann (Jessica Kessler) verbotenerweise Jeans, verliebte sich über beide Ohren in den nicht standesgemäßen Tom (Michael Starkl) und erwartete dann auch noch ein Kind von ihm – wie skandalös.

Dabei war es ein Genuss, wie die beiden tanzten und sangen, traf ihr Duett „Oh, my love“ mitten ins Herz. Quirlig und witzig wirbelte Antje Rietz als Hausangestellte Fräulein Schlösser so manches durcheinander, schaffte es nicht nur Frank (Tobias Fischer), den anfangs fürchterlich steifen Verlobten von Lisa, aus der Reserve zu locken, sondern auch noch – glücklicherweise - seine Hochzeit platzen zu lassen.

Und die Eltern? Legten im Laufe des turbulenten Stücks ein wenig ihre Spießigkeit ab. Die Lachtränen in die Augentreiben konnte Stephanie Theiß als Mutter Neumann, wenn sie voller Inbrunst die „Capri-Fischer“ schmetterte. Richtig flott wurden auch Franks Mutter Hannelore (Manuela Romberg) und die beiden Väter, verkörpert von Christian Fischer und Axel Weidemann.

Fetziger Rock´n Roll und nostalgisch anmutende Schlager erinnerten an eine Zeit, die nicht immer schön, aber offen für Träume war.

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