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Die Faszination des menschlichen Gehirns

25.09.2014 | 18:53 Uhr
Die Faszination des menschlichen Gehirns
Dr. Robin Malloy (links) wurde vom stellv. Leiter des Städtischen Gymnasiums Hubertus Schultze zum Vortrag üer die "Faszination Gehirn" im Forum der Schule begrüßt.Foto: Riedel

Lennestadt.   Die Verarbeitung der Informationen unserer Sinne - bestimmt sie im Wesentlichen das Funktionieruen unseres Gehirns? Oder sind es die Urinstinkte, seit Tausenden Generationen durch Angst und deren Überwindung gespeicherte Verhaltensmuster, die unser Gehirn zu dem machen, was es ist?

Impulse, Denkprozesse und Speicherkapazitäten, die in ihrer Anzahl nur mit den Dimensionen des Weltalles vergleichbar sind. Angeborenes, genetisch Bedingtes und Erlerntes, kognitive und emotionale Leistungen - das menschliche Gehirn leistet Gigantisches und bietet allen Grund zur Faszination. Die wusste der Neuropsychologe, Emotions- und Stressforscher Dr. Robin Malloy bei seinem Vortrag im Forum des Städtischen Gymnasiums seinen rund 200 ZuhörerInnen in eindrucksvoller Form zu vermitteln. Da wurde die Schule zum Hörsaal, da wurde den BesucherInnen fast 2 ½ Stunden volle Konzentration abverlangt. Imponierendes Fachwissen - mit verständlichen Beispielen gewürzt.

Angeboren, anerzogen

Wer kennt sie nicht, die Diskussionen der 60er und 70er Jahre. Ist der Mensch eher bestimmt durch seine genetischen Prädispositionen oder durch Umwelt und Erziehung? Verfolgte man die wissenschaftlichen Exkurse von Dr. Malloy so besteht kein Zweifel, in welchem ungeheurem Ausmaß der Menschen und sein Gehirn durch Jahrhunderte-, ja Jahrtausendlange Erfahrungen des Menschen bestimmt ist. Angesichts einer fast monatlich Fortschritte zeigenden Hirnforschung mit ihren Experimenten und Versuchsanordnungen sind dramatisch erweiterte Kenntnisse für den Wissenschaftler keine Überraschung.

Von „zwei Gehirnen“ im menschlichen Schädel berichtete der Referent. Und von der Bedeutung, die dabei dem Reptilien- oder Neandertalhirn, dem Mittel- und Kleinhirn, dem Limbischen System im Gegensatz zum Großhirn zukommen.

Verblüffende Versuche

Das Hirn von Menschen mit ausgewiesener Arachnephobie, denen man Bilder von einer Spinne zeigte, reagierte nicht anders als bei den Menschen, die sich ausdrücklich nicht vor den Spinnentieren fürchteten. Doch damit nicht genug: Menschen, die von Geburt an blind waren, hielt man ebenfalls Spinnenbilder vor. Sie konnten die Figur des Tieres zwar nicht im Großhirn abbilden, wohl aber nahm das „Reptilienhirn“ die Spinnen als mögliche Bedrohung wahr und reagierte mit Hormonausschüttung.

Die Angst sei sicherlich die stärkste Komponente des unbewussten Denkens, so Malloy. Umgekehrt rege eine sanfte, harmonische, liebevolle Umgebung das menschliche Hirn zu Höchstleistungen an. Botenstoffe, Hormone, DNA-Veränderungen und Stressbewältigung - das Spektrum der Hirnforschung ist riesengroß.

Es sei wichtig für den Menschen, sich in positive Stimmung zu versetzen. Sonst warteten fast schon zwangläufig Traurigkeit, Pessimismus bis hin zu Depressionen. Mit allen hormonellen und damit wiederum psychischen und somatischen Auswirkungen. Fatal sei hingegen eine übertriebene „Selbstbelohnung“. Dr. Malloy: „Das Hauptdopmittel auch bei der Kindererziehung ist Zucker. Ergebnis: 83 Prozent der Mädchen und Jungen in Deutschland drohe der Weg in die Adipositas, also das Übergewicht.

Was danach folge, sei regelrecht erschreckend. Vollgestopft mit dem Energieträger Zucker säßen die Kinder dann morgens in der Schule im Unterricht. Und wohin mit der überschüssigen Energie?

Ritalin

Die derart energieträchtigen Kinder fingen an zu zappeln. Dr. Malloy: „Das wiederum nervt den Lehrer, der vielleicht mehrere Zappelphilipp in der Klasse hat. Schnell ist der schulpsychologische Dienst eingeschaltet. Und der stellt umgehend die Diagnose: ADS oder ADHS.“

Was danach folgt, sei häufig die Medikation mit Ritalin. Seien vor wenigen Jahren in Deutschland noch 50 Kilogramm des Psychopharmakons verschrieben und verabreicht worden, so habe Ritalin derzeit mit sage udn schreibe 2,5 Tonnen eine Angst einflößende Dimension erreicht: „Wir versündigen uns an ganzen Generationen von Kindern. Es ist von vehementer Bedeutung, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.“

Klare Aussage

Wovon sind wir also mehr bestimmt? Vom Kortex, der Hirnrinde, oder dem Limbischen System, dem „Ur-Gehirn? Dr. Malloy: „Wir sind zu sechs Siebteln von diesem „Reptiliengehirn“ bestimmt.“

Werner Riedel

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2014-09-25 18:53
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