Als Frau Ausnahme in Imkerlandschaft
01.07.2008 | 20:11 Uhr 2008-07-01T20:11:29+0200Altenhundem. Sie bewegt sich nach rechts - die Traube aus Bienen folgt ihren Bewegungen. Sie bewegt sich nach links. Der Schwarm umschließt sie erneut. Imkerin Margaretha Cordes lässt sich weder von den Tieren noch deren Summen bei der Arbeit stören. ...
... Dabei kann Bienensummen sogar Elefanten in Panik versetzen. Die 53-Jährige hingegen lacht nur ihr offenes Lachen und rollt die Augen, wenn sie davon hört, wie sehr Bienen Tier und Mensch ängstigen können. Sie selbst wirkt, als sei sie Teil des Schwarms.
Die Holzhütte mit den zehn Völkern der Imkerin steht am Waldrand von Altenhundem. Idyllisch, unterhalb des Weges, in einer Wiese aus hohem Gras gelegen. Erst bei genauerem Hinschauen ist Bewegung zu erkennen. Wer näher heran geht, hört das stete Surren von abertausenden von kleinen Flügeln. Es duftet nach Heu, nach Sommer und frischer Waldluft. In der Hütte selbst ist es düster, da sie nur seitlich Glasscheiben über den Bienenkästen besitzt. Das dunkle Holz lässt die fünfzehn Quadratmeter noch enger erscheinen, als sie ohnehin schon sind. Kein Strom, kein fließendes Wasser und auch keine Bienen.
Jedenfalls so lange die Wärmeplatten oben auf den Stöcken aufliegen. Die Ausfluglöcher reihen sich die Außenwände entlang aneinander. Jeder Schwarm hat seine "Haustür": die eine rot, die nächste blau. An anderen ist die Lackierung verblasst und blättert ab. Die Farben erleichtern den Bienen die Orientierung. Eine andere Funktion haben sie nicht. Es soll nett und gepflegt ausschauen. Für die Menschen, nicht für die Bienen. Aber es sind letztere, die hier eindeutig in der Überzahl sind.
"Die Arbeit mit ihnen gibt mir Ruhe", sagt die Altenhundemerin. "Ich selbst bin ja sonst eher hibbelig." Als Frau ist sie eine Ausnahme in der Imkerlandschaft. "Aber es werden immer mehr", sagt Margaretha Cordes, während sie mit einem Stockmeißel, dem gut 20 Zentimeter langen, stählernen Universalwerkzeug der Imker, ein überstehendes Stück Wachs von einem der rechteckigen, hölzernen Wabenrahmen entfernt: Die Arbeit in und mit der Natur sei reizvoll, es koste nicht zu viel Zeit, sei körperlich nicht zu anstrengend und zu guter Letzt sei Imkern eine sehr sinnliche Tätigkeit.
Fortsetzung Lokalseite 2
14:53
In der modernen Honigproduktion wird nach einem arbeitsreichen Sommer aus Rentabilitätsgründen jeweils der gesamte Staat vernichtet. Durch die Zucht ist auch hier wie überall in der Nutztierhaltung das Immunsystem der Tiere geschädigt. Auch durch die Mangelernährung mit Zuckerwasser sterben viele Bienen. Zusätzlich bedrohen die Züchtungen auch noch die Populationen von Wildbienen.