Zwischen Kibbeling und Krim-Krise

Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen: Ludger Kazmierczak.
Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen: Ludger Kazmierczak.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Ludger Kazmierczak ist Leiter des WDR-Büros Kleve und Niederlande-Korrespondent. Die Klever begeistert er mit seinen satirischen Jahresrückblicken

Kleve..  Sommer, Sonne, Nordsee. Ein Mann kauft Kibbeling. Stellt das Schälchen auf einen Tisch, geht zurück zum Verkaufsstand. In dem Moment erspäht eine Möwe den gebratenen Fisch, packt ihn und fliegt auf und davon. Eine hübsche Anekdote. Für Ludger Kazmierczak, Leiter des WDR-Büros Kleve und Niederlande-Korrespondent, ist sie mehr, nämlich Ausgangspunkt für eine Reportage: Wie gehen Nordseestädte mit den gierigen Möwen um? Heraus kommt Erstaunliches über versenkbare Mülleimer und tageszeitenabhängige Wegwerf-Verbote. Eine schöne „bunte Geschichte“, wie er sagt. Gut recherchiert, pointiert formuliert und gerne von den ARD-Hörfunkkanälen gesendet.

In Alltagsbeobachtungen Geschichten zu erahnen, das macht einen guten Journalisten aus. Ludger Kazmierczak war schon als Schüler klar, dass er später etwas mit Buchstaben und nicht mit Zahlen machen wollte – dazu musste er nur auf seine Mathe-Zensuren schauen. Der umtriebige Junge aus Nütterden machte am Klever Johanna-Sebus-Gymnasium Abitur, mit wenigen Jungs unter vielen Mädchen. Niederländisch und Deutsch waren zwei seiner Abiturfächer. Irgendwie ist er dabei geblieben, bei den Fächern und bei den Mädchen, letzteres als Vater dreier Töchter.

Kazmierczaks Weg zum Hörfunk begann mit einer Ferkelversteigerung in Nütterden. Das war die erste Geschichte des damals 16jährigen für eine Klever Lokalzeitung. Während des Studiums knüpfte er erste Kontakte zur WDR-Sportredaktion. „Ich merkte, dass Hörfunk ein sehr schönes Medium ist“, erinnert er sich. Als er im Klever WDR-Studio mal ein Gerät abholen wollte, lernte er den damaligen Büroleiter Hans-Peter Riel kennen. Der behielt ihn im Auge, und 2004 wurde Kazmierczak schließlich sein Nachfolger. 600 Beiträge pro Jahr aus dem Studio Kleve setzt er inzwischen für die ARD ab. Viele handeln von den Niederlanden. Dort, in Den Haag, hat Kazmierczak ein Studio mit einer kleinen Wohnung, kann also auch dort arbeiten, wenn die niederländische Politik oder das dortige Königshaus in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit geraten.

Weil er der Chefetage zwischendurch mal Interesse an einer Auslandsstelle angedeutet hatte, bekam er gleich die nächste freiwerdende Stelle. Das war Polen. „Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet“, sagt er. Aber das Abenteuer reizte, und seine zweieinhalb Jahre in Polen waren auch journalistisch spannend. Er berichtete vom Absturz der Präsidentenmaschine und der gesellschaftlichen Spaltung Polens. Seither gilt er hausintern als Osteuropa-Experte und springt immer wieder in Moskau und Kiew ein.

Kleine Welten in Kleve

Das große Weltgeschehen hat jedoch nicht Kazmierczaks Blick für die kleinen humoristischen Politik-Episoden in seiner Heimatstadt vernebelt. Seine vor zwei Jahren gestarteten satirischen Jahresrückblicke am Aussichtsturm sind der Renner: alle ausverkauft, das Publikum begeistert. „Als die Sache mit der Minoritenplatz-Bebauung losging, habe ich mir gedacht, man müsste das alles mal aufschreiben und dann am Jahresende darüber reden.“ So fing es an. „Kleve bietet ganz viel an komischer Angriffsfläche“, schmunzelt der Journalist.