Zwei Verletzte bei Brand einer Windkraftanlage in Uedem

In einer Windkraftanlage im Windpark Lindchen (Uedem) ist am Donnerstagmittag ein Feuer ausgebrochen. Nach ersten Erkenntnissen wurden drei Menschen verletzt.
In einer Windkraftanlage im Windpark Lindchen (Uedem) ist am Donnerstagmittag ein Feuer ausgebrochen. Nach ersten Erkenntnissen wurden drei Menschen verletzt.
Foto: Andreas Gebbink/NRZ
Was wir bereits wissen
Bei Wartungsarbeiten brach ein Feuer in der Windkraftanlage in Uedem aus. Zwei Menschen wurden verletzt. Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung.

Uedem/Bedburg-Hau.. Die Feuerwehr im Kreis Kleve ist aktuell im Großeinsatz, um eine brennende Windkraftanlage zu löschen. Das Feuer war aus noch ungeklärter Ursache gegen 11 Uhr in der Anlage des Windparks Lindchen in Uedem-Keppeln ausgebrochen.

Zwei Techniker und ein Ingenieur waren zu diesem Zeitpunkt mit Wartungsarbeiten im oberen Teil des Windrades beschäftigt, als es aus bisher ungeklärter Ursache zu einer Stichflamme kam. Ein 22-jähriger Techniker erlitt dabei Verbrennungen im Gesicht und an den Händen. Mit dem Rettungshubschrauber wurde der Verletzte später in die Duisburger Unfallklinik, die auf Verbrennungen spezialisiert ist, geflogen. Sein Kollege, ein 43 Jahre alter Ingenieur, hatte den giftigen Brandrauch eingeatmet und wurde zur stationären Behandlung mit dem Rettungswagen zum Gocher Krankenhaus gebracht.

Der zweite Techniker (36), blieb unverletzt. Nach Auskunft der Polizei besteht bei keinem der Verletzten Lebensgefahr. Die drei Männer konnten das Windrad nach dem Vorfall selbst verlassen und Hilfe rufen.

Feuerwehr kann Windkraftanlage nur abbrennen lassen

Wegen der Rauchentwicklung hatte die Feuerwehr auch Anwohner der Ortschaften Schneppenbaum und Louisendorf aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Feuerwehr Kalkar führte Luftmessungen durch, um Gefahren für die Bevölkerung auszuschließen, gegen 13.15 Uhr hob die Feuerwehr diese Warnung schließlich wieder auf. Auch der gut besuchte Bauernmarkt Lindchen befindet sich in der Nähe des Unglücksortes, musste aber nicht geräumt werden. Von hier aus beobachteten etliche Schaulustige die Ereignisse.

Den Einsatzkräften der Feuerwehr bleibt aber nichts anderes übrig, als die Anlage kontrolliert abbrennen zu lassen. „Eine andere Möglichkeit gibt es nicht“, so Gemeindebrandinspektor Gerd Ingenerf. Selbst die größten Drehleitern der Feuerwehr könnten nur bis zu einer Länge von maximal 35 Metern ausgefahren werden und reichten bei weitem nicht bis an den Brandherd.

Die Einsatzkräfte sind quasi zum Zuschauen verbannt und können die Anlage nur absperren, damit niemand von herabstürzenden Teilen verletzt wird. "Es besteht die Gefahr, dass die Flügel herunterfallen können“, sagte Gerd Ingenerf, einer der beiden Einsatzleiter. Die Kanzel selbst, eine acht Meter lange und zwei Meter hohe Metallkuppel, könne so schnell nicht herunterfallen.

Der Einsatz der Feuerwehr dauert noch an.(AG/mawo)

Warum brennt ein Windrad?

Die Frage, die wohl viele beschäftigte: Warum kann so ein Gerät aus Metall so lange brennen?

Frank Dudek, ist Betreiber von Windkraftanlagen und erklärt der NRZ, dass es sich bei dem Modell um eine ältere Anlage handelt. Nach Angaben der Feuerwehr soll das Windrad aus dem Jahr 2000 stammen – also bereits 15 Jahre lang laufen. Das Rad würde 1 Megawatt-Strom produzieren. „Das war eines der erste Modelle und galt als Billigheimer unter den Anlagen“, sagt Dudek.

Abgebrannte Windkraftanlage war seit 15 Jahren in Betrieb

In der Kanzel befinden sich das Getriebe und Öl- und Schmierstoffe, die sehr lange brennen können. Bei diesen Anlagen müsse man mit 200 bis 400 Liter Öl rechnen“, schätzt Dudek. Und in der Tat befanden sich nach Angaben der Polizei 500 Liter Hydrauliköl im Maschinenhaus, welches bei dem Vorfall am Donnerstag vollständig abbrannte.

Neuere Windenergieanlagen der Marken Siemens und Enercon besitzen kein Getriebe mehr in der Kuppel. Auch die Schmierstoffe seien heute nicht mehr aus Öl, sondern aus einem biologisch abbaubaren Harnstoff, erklärt Dudek. Überhaupt befinde sich kaum noch etwas in den oberen Anlagenteilen. Windräder, die in einem Waldgebiet errichtet werden, müssen heute auch eine automatische Löschvorrichtung haben: „Da oben kommt keine Feuerwehr hin“, so Dudek.

Uedemer Feuerwehr war schon mehrfach an Windrädern im Einsatz

Für die Uedemer Feuerwehr war das nicht der erste Brand einer Windenergieanlage. Einsatzleiter Gerd Ingenerf erzählt der Redaktion, dass er bereits zwei Mal zu einem Brand eines Windrades rausrücken musste. Drei Stunden lang dauerte der Einsatz, ehe die Unfallstelle freigegeben wurde.

Im Einsatz waren etwa 30 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Bedburg-Hau und Uedem. Die Einsatzleitung hatten die Gemeindebrandindpektoren Stefan Veldmeijer und Klaus Elsmann.