Zum Himmel bitte nicht stolpern

Bei der Führung durch Hau durften Teilnehmer ein Stück des Weges in geliehenen Klompen gehen
Bei der Führung durch Hau durften Teilnehmer ein Stück des Weges in geliehenen Klompen gehen
Foto: Andreas Daams
Mit Gabi Habersetzer auf Spurensuche durch Hau gestern und heute. Als der Straßenbahnschaffner die Schulranzen ablieferte

Bedburg-Hau..  Die Grundschülerinnen sind entsetzt. „Ist ja furchtbar!“, ruft eine. „Damit kann man ja gar nicht vernünftig laufen!“ Sie haben Holzschuhe angezogen, die sogenannten Klompen, und trippeln damit von der Kirche bis zur Schule. Nun gut, trippeln ist nicht ganz das richtige Wort. Denn elegant sieht es nicht gerade aus, was für Generationen von Kindern und Erwachsenen über Generationen ganz alltäglich war.

Darum geht es bei der Führung durch das alte und neue Hau, die Gabi Habersetzer mit einigen Interessierten aus Nah und Fern unternimmt: Um den Alltag von Menschen, die einst dieselben Wege gegangen sind. Um die Römer, deren Haupt-Heerstraße von Xanten nach Nijmegen mitten durch Hau führte. Um die Antoniter, die hier ein Kloster hatten und eine bedeutende Schule, die bis hinauf nach Dänemark bekannt war. Um die Schulkinder einer viel späteren Zeit, die mit der Straßenbahn zur Schule fuhren, aber auf dem Rückweg nur ihre Schultaschen in die Bahn warfen. Der Straßenbahnschaffner warf die Ranzen dann jeweils punktgenau dort aus dem Waggon, wo die Kinder wohnten. Die Kinder selbst konnten dann auf ihrem Heimweg zu Fuß noch wunderbar herumtrödeln. Man kennt das.

Dass einer der Gäste mit Nachnamen Hau heißt, aber aus Süddeutschland stammt, wirft gleich die erste Frage auf: Was hat es mit dem Namen „Hau“ eigentlich auf sich? Eine Lichtung könnte gemeint sein, etwas „Weggehauenes“. Oder eine Abwandlung von „Hof“. Genau wird man es wohl nie wissen. Was man jedoch genau weiß: Warum die Hauer überhaupt ihre Kirche bekommen haben. Die haben sie der Klever Stadterweiterung zu verdanken. Im 14. Jahrhundert wurde die Klever Stadtmauer um die Stiftskirche gelegt, was für die Hauer Kirchgänger einen echten Umweg bedeutete. Also stiftete die Klever Grafentochter Margarethe eine Kapelle mit der Auflage, dass der Pfarrer hier dreimal in der Woche eine Messe für sie zu lesen hat.

Es gibt in Alt-Hau um die Antoniuskirche einiges von Interesse zu sehen - wenn man es denn weiß.

Ein Gedenkstein zu Kaisers Ehren etwa, eine Madonnenstatue von Achilles Moortgat sowie trompetende Engel, gegossen von Walther Brüx. Letztere befinden sich an der Leichenhalle. Gabi Habersetzer erklärt bei dieser Gelegenheit auch gleich einige der rituellen Totengebräuche unserer Vorfahren. Wer weiß schon, dass die Leichenhemden nur deshalb höchstens bis zum Knöchel reichten, damit die Toten auf dem Weg in den Himmel nicht versehentlich stolperten? Dass man auf den sogenannten Versehtisch in der Nähe der Leiche ein Stück Brot hinlegte, damit die Toten sich unterwegs stärken konnten? Geschichten wie diese machen die Führung lebendig. Hinterher geht man mit anderen Augen am scheinbar Altbekannten vorbei.

Die nächste Führung in Hau findet am 5. Juni um 18 Uhr statt. Weiterhin unternimmt Gabi Habersetzer Führungen durch die Klinik (am 18. April und am 14. Juni) sowie Führungen durch Wald und Wiese. Anmeldungen und Informationen unter (02821) 895132.