Zoll beschlagnahmte drei Tonnen Marihuana

Kreis Kleve..  Es ist der größte Drogenfund, den das Zollfahndungsamt in Essen in den vergangenen zehn Jahren gemacht hat: Am 5. Dezember beschlagnahmten die Behörden drei Tonnen Marihuana in einem Container im Hafen von Antwerpen. 30 Millionen Euro sind die Drogen Wert und im Zentrum der Ermittlungen stehen auch zwei Personen vom Niederrhein. Ein Kevelaerer Geschäftsmann, der in Kleve ein Studentenwohnheim am Spoykanal errichten wollte, befindet sich bereits seit einigen Tagen in Untersuchungshaft – gemeinsam mit zwei Niederländern und einem weiteren 51-jährigen Mann vom Niederrhein. Der Kevelaerer Geschäftsmann soll Geschäftsbereiche seiner Unternehmen für die Verdeckung der Drogengeschäfte genutzt haben: „Die Täter haben ihre legalen Wirtschaftsstrukturen für die Drogengeschäfte genutzt“, bestätigt Ruth Haliti vom Zollfahndungsamt in Essen.

Die Zollermittler konnten gemeinsam mit den belgischen Behörden im Antwerpener Hafen ein Schiffscontainer sicher stellen. „Das Rauschgift war in einer Tarnladung Palmkernschalen aus Ghana versteckt. Palmkernschalen sind ein Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Palmöl entsteht und zum Beispiel als Biomasse zum Heizen verwendet wird“, teilt die Zollfahndung Essen mit.

Seit wann die Geschäfte am Niederrhein laufen sollen, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Zollfahndung teilte der NRZ mit, dass man bereits 2011 einen Hinweis aus Großbritannien erhalten habe. Dieser Hinweis habe die Zollfahnder auf die Fährte der deutsch-niederländischen Gruppe geführt. Die Täter hätten damals ohne Erlaubnis den Ecstasy-Grundstoff Apan in großen Mengen an den Niederrhein eingeführt. Damals war der Handel mit Apan allerdings noch nicht strafbar.

Die Behörden hatten vor dem Zugriff in Antwerpen die vier Beteiligten schon lange im Visier und mittels Telefonüberwachung auch die Ankunft der Drogen bestimmen können. Nach der Sicherstellung des Drogenfundes in Antwerpen wurden die leeren Container an den eigentlichen Bestimmungsort geschickt, um die Vertriebswege offen legen zu können. Auf einem Betriebsgelände in Kalkar-Kehrum konnte die Behörden dann zuschlagen. Das Marihuana war vakuum-eingeschweißt in 450 Säcken mit losen Palmkernschalen.

Die Behörden haben in den vergangenen Wochen die Unternehmen der Beteiligten durchsucht und Ermittlungsgegenstände wie Laptop und Papiere sicher gestellt. Auch wurden in den Wohn- und Geschäftshäusern sechsstellige Bargeldbeträge und hohe Sachwerte gefunden und beschlagnahmt. Darunter der Maserati des Kevelaerer Investors.

„Die Täter haben sich bemüht, die Transporte über die bestehenden Unternehmen abzuwickeln“, so Ruth Haliti vom Zollfahndungsamt Essen. Die arbeitsteilig agierende Bande habe aber auch Tarnfirmen gegründet. Sie sollten den Einfuhren einen legalen Anstrich verleihen. „Auf diese Weise wurden als Legalladung getarnte Drogen und Grundstoffe insbesondere auf dem Seeweg aus Afrika und Asien nach Europa eingeführt, wobei auch Verbindungen nach Süd- und Mittelamerika bestanden“, so das Zollfahndungsamt.