Wo Kasper erfolgreich ist

Der Mann fürs Geschichtenerzählen: Heinz Bömler in seinem Element vor der Viller Mühle
Der Mann fürs Geschichtenerzählen: Heinz Bömler in seinem Element vor der Viller Mühle
Foto: eve
Was wir bereits wissen
Die Kuriositätensammlung in der Viller Mühle wächst immer noch und zieht nach wie vor Großeltern und Kinder in ihren Bann

Hommersum..  Entschuldigt hat sich Gochs wahnsinniger Puppenspieler Heinz Bömler für seine Aussage, Lokalpolitik sei Kasperletheater. Entschuldigt, öffentlich, auf der Bühne, und zwar beim Kasperle. Denn: „Der Kasper ist ganz anders. Er macht keine Schulden, er rettet Omas Kuchen, er ist immer fröhlich und dazu noch erfolgreich.“ Anlass war für den Bürgermeisterkandidaten für Uedem sein Tag der offenen Tür in der Voller Mühle in Hommersum.

Politik beim jährlichen Bömlerschen Pfingst-Event kein Thema. Vielmehr freuten sich die Gäste an mildem Frühlingswetter, der von Jahr zu Jahr umfänglicher werdenden Kuriositätensammlung, der Location im Grünen und den vielen Begegnungen und Gesprächen.

Die Generation 50, 60, 70, 80 Jahre plus hatte wie immer größtes Vergnügen daran, sich in die Spielsachen und Kirmes-Attraktionen einer inzwischen recht lange zurückliegenden Zeit zu vertiefen. Und manches Kind dachte angesichts völlig un-elektronischer Glücks- oder Geschicklichkeitsspiele keine Sekunde an seine heimische Wii, Mamas Tablet oder den Wunsch-Fernseher fürs eigene Zimmer.

Alte Lkw, Busse, ein Kirmeszelt von früher, Marktstände mit unendlich vielen Knöpfen, Keksdosen, Mehltüten, Blechschilder, altes Werkzeug: Heinz Bömlers Mühle ist ein Fundus für Fast-Vergessenes, das bei ihm aufbewahrt und auch gerne verliehen wird. Denn Bömler ist nicht zuletzt bei TV-Machern beliebt, die bei ihm immer wieder Requisiten für authentische Historienfilme finden.

Daraus, dass er mit seiner Sammelleidenschaft Geld verdient, macht der Puppenspieler keinen Hehl. Einer, dessen Firma „Lug und Betrug“ heißt, kann sich fast alles leisten. Und hat damit in der Vergangenheit sogar schon die Gerichte bemüht.

Erinnern an alte Possen

Gerne erinnert Bömler zum Beispiel an seine Aktion, von Autofahrern, die seine Privatstraße am Bahnhof Hassum nutzten, eine „Maut“ zu verlangen – und zwar in Uniform und mit irgendwie dienstlich aussehender Mütze. Ein Fall von Amtsanmaßung? Oberstaatsanwalt Vogel, heute a.D., hatte gegenüber den Medien damals erklärt, dass er keinen Grund sehe, gegen den Puppenspieler vorzugehen, weil jeder erkennen könne, dass die Uniform nur Maskerade sei. „Außerdem gibt es in Deutschland ja gar keine Mautgebühren.“ Letzteres hat sich zwar inzwischen (fast) erledigt, aber der Spaß, solche Hauptmann-von-Köpenick-Possen zu erzählen, ist bei Heinz Bömler geblieben. Seine Mahnung, der Bürokratie zu misstrauen, wird sich bestimmt im Wahlkampf wiederfinden lassen . . .

Wer bei Heinz Bömler wunderbaren Käsekuchen essen möchte, muss sich damit abfinden, dass das Tischchen, an das er sich setzt, wackelt, und dass unter dem Stuhl üppig Brenneseln wuchern. Aber das gehört zur Mühlenromantik einfach dazu und funktionierte auch an diesen Pfingsttagen wieder. Kinder konnten im Bauwagen mit Marion van Dongen, die vor Ort eine Galerie betreibt, malen. Und natürlich wurde einmal mehr gezeigt, wie die Luftballon-Startrampe im 30 Meter hohen Kamin funktioniert. Längst hat Heinz Bömler viele gute Helfer: Neben seinen erwachsenen Kindern sind es Event-Management-Auszubildende und viele gute Freunde.