„Wir wollen uns am Verfahren beteiligen“

Bedrängende Wirkung: Bürgermeister Günter Steins wird von der Initiative Gegenwind umzingelt.
Bedrängende Wirkung: Bürgermeister Günter Steins wird von der Initiative Gegenwind umzingelt.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der Kranenburger Gemeinderat will den Einfluss auf einen Standort für Windanlagen behalten und legt sich auf eine Konzentrationsfläche am Kartenspielerweg fest. 200 Gegner protestierten vor dem Rathaus

Kranenburg..  Eigentlich ging es am Donnerstag Abend in der Ratssitzung ‘nur’ um die Änderung des Flächennutzungsplans zur Errichtung einer Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen im Bereich des Kartenspielerwegs. Mit dem entsprechenden Beschluss will die Gemeinde Kranenburg die Fäden in der Hand behalten, wenn es um die Frage nach dem Standort für diese Anlagen geht. Denn genehmigt wird eine solche Anlage vom Kreis Kleve.

Gegen die anstehende Entscheidung des Rats hatten die Mitglieder der Initiative Gegenwind zunächst zum Protest vor dem Rathaus aufgerufen, mehr als 200 Bürger – auch aus den Niederlanden – waren gekommen und äußerten ihre Kritik mit Plakaten und Flyern. Anschließend nahmen sie auch an der Sitzung im Ratssaal teil, der damit an den Rand seines Fassungsvermögens geriet.

„Wir sind nicht gegen die Windräder“, sagte Gegenwind-Sprecher Jeroen Boot, „wir wollen sie nur nicht an dieser Stelle.“ Der Wald, ergänzt Hubert Zillig aus Grafwegen, sei zu wertvoll für solche Installationen. „Die Entscheidung“, sagt Zillig, „wird nicht von der Bevölkerung getragen.“ Die Initiative, so Boot, habe in den vergangenen Tagen mehr als 500 Unterschriften gegen den Bau der Anlagen gesammelt.

Sachlich ging die Kranenburger Politik im Verlauf der Sitzung mit den Sorgen der Anwesenden um. In einer Stellungnahme (siehe Text unten) verwahrte sich Bürgermeister Günter Steins zunächst gegen den Vorwurf der Initiative das Projekt eigenmächtig beeinflusst zu haben und erinnerte an die ausführliche Diskussion im Planungs- und Umweltausschuss im Mai.

„Der Rat kann die letztendliche Entscheidung über die Anlagen nicht treffen“, stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Maas klar. Für ihn sei es deshalb schwer erträglich, was jetzt auf den Rat einwirke. „Auch ich finde den Kölner Dom oder die Schwanenburg schöner als ein Windrad, nur leider erzeugen sie keinen Strom“, fand Maas ein schönes Bild. „Mit unserer heutigen Entscheidung schaffen wir doch nur die Grundlagen.“ „Wir fassen einen Aufstellungsbeschluss“, erklärte Jürgen Franken (SPD). Und an die Anwesenen gerichtet: „Sie haben von jetzt an die Möglichkeit Bedenken gegen dieses Vorhaben auf den Weg zu bringen.“ Die SPD-Fraktion, so Franken, sei für den Beschluss, „um die Möglichkeit zu haben uns an dem Verfahren zu beteiligen“.

„Wir müssen der Windkraft mittelfristig Raum geben“, unterstrich Steins, „daran kommen wir nicht vorbei.“ Das allerdings wolle man in gebündelter Form. Einnahmen für die Gemeinde zu erzielen, sei dabei nicht das Hauptargument.

„Uns ist bewusst“, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Janßen mit Blick auf die zahlreichen anwesenden Niederländer, „dass unsere niederländischen Nachbarn durch die Anlagen stark beeinträchtigt werden.“ Doch seien noch viele Hürden zu nehmen, bis Windanlagen errichtet würden. „Auf dem Weg dahin bitte ich Sie alle um einen demokratischen Prozess und eine sachliche Diskussion.“

Der Rat beschloss die Änderung des Flächennutzungsplans bei fünf Enthaltungen und zwei Gegenstimmen mehrheitlich.