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„Wir stellen keine Fixerstube auf“

05.09.2014 | 00:22 Uhr

Kleve. Die Anwohner der Jülicher Straße sind nicht gerade begeistert: „Das ist ein ziemliches Unding“, sagt ein Mann, der nicht in der Zeitung mit Namen genannt werden möchte: „Da vorne ist der Eingang zum Kinderspielplatz. Und hier wollen sie einen Container für Drogensüchtige aufstellen? Wer denkt sich denn so etwas aus?“

Wo sollen die Abhängigen hin?

In der Tat befindet der vorgesehene Standort für den künftigen Unterkunfts-Container für Drogenabhängige in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Spielplatz an der Jülicher Straße. Die Anwohner haben Angst vor Gefahren, vor dreckigen Spritzen und Schwierigkeiten mit den Drogenabhängigen. Ein Anwohner formulierte jetzt seine Bedenken in einem Antrag, der gestern im Ausschuss für Bürgeranträge beraten wurde.

Die Klever Stadtverwaltung möchte den Drogenkonsumenten in der Oberstadt mit dem Container einen Unterstand bieten und die Möglichkeit, sich zu waschen, eine Toilette zu benutzen und saubere Drogenspritzen zu bekommen. Die Caritas soll die Süchtigen vor Ort betreuen. Bislang gab es für die Gruppen eine Bushaltestelle am Mittelweg. Doch dieser Standort kann seit einiger Zeit nicht mehr benutzt werden.

Nach einer umfangreichen Prüfung und langen politischen Diskussionen lautet das Fazit der Verwaltung: Es gibt keinen besseren Standort als die Jülicher Straße. Sieben Plätze habe man sich angesehen. Immer haben gewichtige Gründe dagegen gesprochen: „Egal welchen Standort wir nehmen, es wird immer Widerstand geben“, sagt Friedrich Teigelkötter von der CDU, der sich auch für den Standort Jülicher Straße ausspricht.

Wolfgang Goffin macht noch einmal klar, dass die Stadt Kleve „keine Fixerstube“ aufstelle, sondern einen Unterstand für Drogenabhängige. „Niemand möchte die Betroffenen in der Nähe haben“, sagt Goffin. Der Container werde mit einer einfachen Toilette ausgestattet, es wird ein Spritzenautomat aufgestellt und gebrauchte Spritzen können vor Ort entsorgt werden. Die USK werde die Anlagen reinigen. In der Sackgassenlage der Jülicher Straße würden die Drogenabhängigen nicht stören und man werde sie dort kaum zur Kenntnis nehmen.

Ordnungsamtsleiter Ralph van Hoof betont, dass man die Abhängigen integrieren wolle. „Die Leute gehören auch zur Stadt“, sagt er. Und nach Rücksprache mit der Polizei sei es eindeutig, dass man auch ein solches Angebot in der Oberstadt vorhalten müsse. „Die Abhängigen wird man dort nicht bemerken. Die wollen ja auch gar keinen Kontakt zu anderen. Die Spritzen werden vernünftig entsorgt und sie können dort die Toilette benutzen. Warum sollen die Leute da nicht hin?“

Es gibt keinen Königsweg

Bürgermeister Theodor Brauer kann die Sorgen der Anwohner verstehen. Gleichwohl betont er: „Das ist ein gesellschaftliches Problem, welches wir lösen müssen. Es gibt da keinen Königsweg. Ich habe auch keine Lösung, die allen gefällt.“ Mit der Einrichtung des Containers werde auch der Spielplatz in Frage gestellt, so Brauer. Eine gute Alternative gebe es in der Nachbarschaft: der Robinsonspielplatz.

Andreas Gebbink

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2014-09-05 00:22
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