„Wir schmeißen Energie nicht weg“

Lukas Verlage, Geschäftsführer bei Colt, wurde 2014 Manager des Jahres
Lukas Verlage, Geschäftsführer bei Colt, wurde 2014 Manager des Jahres
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Der Klever Lukas Verlage vertritt in Zentraleuropa die „intelligenten architektonischen Konzepte“ des Colt-Konzerns

Kleve..  Ein silberner Kasten steht auf dem Hof der Firma Colt an der Briener Straße in Kleve. Mit bloßem Auge kann man das Windrad darin sehen. Eigentlich hängt es in 40 Metern Höhe. Dies ist der Prototyp bloß der Turmspitze. In Dubai direkt am Meer wirkt der riesige Schornstein als „Aufwind-Kraftwerk“, ersetzt mit der strom-freien „adiabatischen Kühlung“ eine teure Klimaanlage und das Windrad schafft nebenher Energie zur Beleuchtung des kompletten Gebäudes. Wie das funktioniert, muss der Klever Lukas Verlage am heutigen Dienstag in fünf Minuten in Berlin 250 hochkarätigen Konferenzteilnehmern aus Wirtschaft und Politik (Altmeier, Töpfer, Hendricks, Özdemir) erklären.

Schornstein-Dynamo

Und begründen, warum der „Schornstein-Dynamo“ der Firma Colt den Perpetuum-Preis der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (Deneff) verdient hat. Die Energiewende lenkt den Blick immer öfter auf die Firma Colt. „15 Jahre lang gab es keinen Preis und dann in einem Jahr gleich sechs Stück“, zählt Lukas Verlage auf – und Dienstag vielleicht den nächsten.

„Wir haben uns immer von den anderen unterschieden. Wir blasen nicht Kälte in einen Raum, der warm ist. Wir fragen, was wir mit dem Abfallprodukt Wärme tun können. Wir schmeißen Energie nicht weg“, beschreibt Verlage die Firmen-Philosophie.

Colt errang den renommierten Zumtobel-Award für die mittlerweile weltberühmte lebende Algen-Fassade an einem Haus in Hamburg. Zuletzt nahm Verlage am 19. Januar den Preis für die innovativste Erfindung auf der Baumesse München entgegen: für das Null-Energie-Hotel am Viktualienmarkt, das zurvor schon den GreenBuildung-Award der EU-Kommission bekam. Der lautlose „Colt Climatower“ steuert Heizung und Kühlung (mit Hybridspeicher) und legionellenfreie Trinkwassererwärmung. Das ist an allen größeren Gebäuden machbar.

Die lokale Wirtschaft weiß den Manager made in Kleve zu schätzen: Lukas Verlage erhielt als „Manager des Jahres“ den Klever Unternehmerpreis 2014. „Ich freue mich über jeden kleinen Auftrag im Kreis Kleve,“ Lichtbänder bei van Beusekom, Rauchwärmeabzug bei Medline, Brandschutz/Klima im Baumarkt Swertz. Aber eben auch über das Installieren von Rauchschürzen im U-Bahnhof Heumarkt Köln und den 11-Millionen-Auftrag fürs Goetheinstitut in Tschechien.

„Es ist schön, wenn wir einen Auftrag gegen die Konkurrenz gewinnen. Aber wir müssen bescheiden bleiben. Wie die Nationalmannschaft beim 7:1. Jede übertriebene Freude lähmt. Ich sage: Konzentriert euch auf den nächsten Auftrag“.

Ganzheitlich, nachhaltig

Als Manager vertritt der Klever die „intelligenten architektonischen Konzepte“, die Biologie mit Technologie verbinden „für eine „zeitgemäß geplante Umwelt, ganzheitlich, nachhaltig“. Es ist mal gerade erst Februar, und Lukas Verlage war schon in München, Berlin, London, Barcelona, Paris, Amsterdam, Brüssel. Sein Job ist es, „Vertrauen der Kunden in Energieprojekte aufzubauen“.

Da ist es egal, ob eine der Hauptsäulen des Unternehmens in Kleve sitzt, fahren muss er sowieso. Allerdings ist es problematisch, gute Fachkräfte aufs platte Land zu bekommen. 150 Mitarbeiter hat er hier, 200 deutschlandweit, 100 in den Niederlanden, 50 in Osteuropa, 40 in Österreich, 50 in Belgien, zehn in Frankreich.

„Wer Verantwortung leben kann, hat es hier gut“, sieht Verlage auf seine Belegschaft. „Selbst die Auszubildenden wissen, dass sie eine Menge eigenverantwortlich arbeiten müssen. Wir nehmen sie nicht ans Händchen und sie dürfen bloß zugucken. Es ist nicht schlimm, wenn sie Fehler machen. Wer keine Fehler macht, lernt nicht“. sagt der Klever. Wichtig sind ihm „Ehrlichkeit und Diziplin. Wer unpünktlich ist, kann sich bessern. Aber wer mich belügt, ist draußen“. Seine Bildungslaufbahn führte von Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Realschule, Berufskolleg zur Industriekaufmannslehre bei Colt und Betriebswirtschaftsstudium. Heute ist er im Colt-Konzern (Sitz in Havant, Südengland) verantwortlich für Zentral-Europa (außerhalb Großbritanniens). Brandschutz, Lüftung, „mitdenkender“ Sonnenschutz sind das Geschäft. „In den nächsten Jahren gewinnt Energie mehr Raum“, prognostiziert Verlage.

1. FC Kleve

Seine Energie tankt er in der Familie, die ebenfalls Verantwortung lebt – der Sohn als Schiedsrichter beim 1. FC, die Tochter beim Voltigieren bis zur Deutschen Meisterschaft. Lukas Verlage sieht gern Spiele des 1. FC, dessen zweiter Vorsitzender er ist. Er übernahm die Verantwortung, als der Verein in der Krise steckte. Im Herzen ist er Königsblau, aber zur Fahrt nach Schalke kommt er nur noch zwei Mal im Jahr. Zum Ausgleich radelt Lukas Verlage 3000 Kilometer im Jahr, allein bestimmt er sein Tempo. „Am liebsten nach Emmerich bis Byland, Wesel, Pannerden, über Ooy zurück. Schöneres gibt es gar nicht.“