„Wir müssen mehr hinterfragen“

Kleve..  Jemandem den Kopf abschlagen ist einfach, selber nachdenken dagegen schwer. So kann man es sinngemäß bei Dostojewski lesen. In Mo Asumangs Dokumentarfilm „Die Arier“ kommt ein junger Iraner zu einer ähnlichen Schlussfolgerung: „Es ist einfach zu töten, jeder kann Gründe finden.“ Worauf es aber ankomme, sei das Zusammenleben.

Mo Asumang zeigte ihren vielfach prämierten Film vor einigen hundert Zuschauern in den Klever Tichelpark-Kinos. Eingeladen hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. „Ich habe natürlich ein politisches Interesse, das Thema anzusprechen“, sagte sie. „Die verschiedenen Formen von Extremismus haben eine vergleichbare Quelle: Unsicherheit, kein Platz in der Gesellschaft.“ In ihrem mittlerweile dritten Film benutzt Mo Asumang den Begriff der „Arier“ als roten Faden bei ihrer Reise zu mehreren Rechtsradikalen in der Welt. Arier waren ein Stamm im indisch-iranischen Grenzgebiet. Soweit die dürren Fakten. Aber Ideologie schert sich nicht um Fakten, sondern baut auf Emotionen. „Sie wollen hassen“, heißt es im Film von den Rechtsradikalen.

Mo Asumang, Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen, macht es ein wenig so wie der amerikanische Dokumentarfilmer Michael Moore: Hingehen, mit den Leuten sprechen und ihnen keine Ruhe lassen. Daraus entstehen mitunter abstruse Situationen. Wenn etwa ein abgedrehter Wissenschaftler ihr erklärt, dass sie mit ihren gelockten Haaren keinen Empfang zu den Ariern herstellen könne, die im Weltraum wohnen („Wir sind ja ein Strafplanet“). Oder wenn ein amerikanischer Rassist sie zum Abschied umarmt und dabei murmelt, hoffentlich sehe das keiner, dann sei er nämlich erledigt. Oder wenn ihr ein deutscher Burschenschaftler klarzumachen versucht, dass sie keine Rassisten seien, sie aber unmöglich aufgenommen werden könne. Erschreckend auch die Opfer-Täter-Verdrehung beim Interview eines Ku-Klux-Klan-Mitglieds.

Der Film wird wohl kaum die Extremisten dieser Welt auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Aber zumindest in einem Fall hat er schon dabei mitgeholfen. Und vor allem wirkt er präventiv in Schulen, an denen Mo Asumang ihren Film schon oft gezeigt hat. „Die erste Frage ist meistens, woher ich den Mut nehme“, berichtet die Regisseurin. Schon das ist ja eine nachahmenswerte Haltung: Mut zeigen, auf die grimmigen Gestalten zugehen. Mo Asumang hatte allerdings einen gewissen Schutz durch die Kamera. Und: „Ich hatte zwei blonde, blauäugige Kamerafrauen bei mir“, sagt sie.

„Für uns ist der Film hochspannend“, sagt Fabian Wichmann von der Organisation „Exit“. Seine Arbeit sei ähnlich: Durch Miteinander-Sprechen neue Wege zeigen. Mo Asumangs Schlussfolgerung: „Wir müssen mehr hinterfragen.“ Das ist sicher richtig. Aber wie bringt man die dazu, die lieber nicht selber nachdenken wollen?