„Wir halten nicht mehr still“

Sie wollen mehr Gehör für die Kultur: Nicole Peters, Daniel Ziegler, Crisha Ohler, Marco van Heys, Harald Kleinecke, Stefanie Wolff, Christoph Frauenlob, Bruno Schmitz und sitzend: Hans-Bernd de Graaff und Thomas Geisselbrecht.
Sie wollen mehr Gehör für die Kultur: Nicole Peters, Daniel Ziegler, Crisha Ohler, Marco van Heys, Harald Kleinecke, Stefanie Wolff, Christoph Frauenlob, Bruno Schmitz und sitzend: Hans-Bernd de Graaff und Thomas Geisselbrecht.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In Kleve wurde ein neuer Verbund freischaffender Künstler ins Leben gerufen – er möchte mehr politischen Einfluss ausüben und die Kulturszene stärken

Kleve..  In Kleve hat sich ein neuer Zusammenschluss von freischaffenden Künstlern gebildet. Die Organisation „Kultur Raum Klever Land“ setzt sich zum Ziel, die Interessen der freien Künstler stärker als bisher zu vertreten, mehr politischen Einfluss auszuüben und die Kulturszene in Kleve zu stärken. Gestern stellten einige Vertreter des neuen Netzwerks ihre Ideen und Forderungen im Museum Kurhaus vor.

Bruno Schmitz, Sprecher des Kleinkunstvereins Cinque, machte deutlich, dass die freien Künstler eine enorme Bereicherung für die Kulturlandschaft in Kleve darstellen und dass diese Arbeit von der Stadt Kleve zu wenig gewürdigt werde. „Wir bringen eine bunte Kulturlandschaft in die Stadt und das seit vielen Jahren. Kleve freut sich darüber, aber was folgt daraus? Nichts. Wir werden von der Stadt nicht finanziell unterstützt. Es gibt keine Gelder, obwohl wir aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken sind.“

Zentrum für freie Kultur

Die freien Künstler sorgten für eine deutliche Steigerung der Lebensqualität und dies wolle man jetzt auch politisch in die Waagschale werfen. „Die Stadt hat uns Jahrzehnte nicht unterstützt, obwohl wir bei unseren Aufführungen mehr Zuschauer haben als bei städtischen Veranstaltungen“, so Schmitz.

Die Kulturschaffenden wollen eine größere Wertschätzung für ihre Arbeit. Sie fordern einen Kulturbeauftragten für die Stadt Kleve und ein Kulturhaus, in dem sich die freien Künstler zu Hause fühlen können: „Und dies ist nicht die Stadthalle. Wir benötigen ein Haus, in dem sich viele Künstler wieder erkennen. Ein Zentrum für die freie Kultur mit Ateliers, Bühnen und Proberäumen“, sagte Crisha Ohler vom Theater Mini-Art.

Den Künstlern schwebt der Erwerb des Bahnhofs in Kleve vor oder die Nutzung der Lutherschule in der Stadt. „In Nimwegen haben die Künstler neue Räumlichkeiten in der ehemaligen Honig-Fabrik gestellt bekommen. So ein Denken wünschen wir uns auch von der Stadt Kleve“, so Schmitz.

Neben der Raumfrage wird auch mehr Unterstützung aus der Verwaltung eingefordert. Nicole Peters betont, dass es in Kleve eine große Künstlervielfalt gebe. „Und die haben wir nur, weil diese Leute für die Kultur brennen und sich andauernd selbst ausbeuten.“ Projekte wie den „Kultur-Rucksack“ oder Schulprojekte würden nur funktionieren, wenn sich die Künstler selbst darum kümmern. „Und die Antragstellung erfordert eine Menge Arbeit. Hier wäre es schön, wenn wir mehr Unterstützung erfahren würden“, so Peters.

Kulturpolitisches Profil

Die freischaffenden Künstler betonten, dass ihre Leistungen der Stadt und dem städtischen Umfeld zugute kommen. Ohne ihre Arbeit wären in Kleve viele Kulturveranstaltungen nicht möglich: „In Kleve fehlt ein kulturpolitisches Profil. Hier muss sich dringend etwas ändern. Und wir halten nicht mehr still“, sagte Crisha Ohler.

Jörg Cosar, Vorsitzender des Klever Kulturausschusses, sagte im Gespräch mit der NRZ, dass er die neue Initiative begrüßt. Es sei gut, wenn sich die freien Kulturschaffenden zusammen finden, um mit einer Stimme zu sprechen. „Wenn wir einen Ansprechpartner haben, dann können wir auch konkreter über Projekte reden“, so Cosar. Den finanziellen Spielraum sieht er für Kleve zurzeit gering. Auch die Schaffung eines Kulturhauses müsse mit den Beteiligten besprochen werden. Der Bahnhof sei nicht im Eigentum der Stadt, sondern gehöre der Bahn. Cosar würde die Gruppe gerne in den Kulturausschuss einladen.