Wingenfelder Konzert: Geschichten zum Mitnehmen

Norman Keil, Kai und Thorsten Wingenfelder in der Viller Mühle in Goch.
Norman Keil, Kai und Thorsten Wingenfelder in der Viller Mühle in Goch.
Foto: NRZ
Norman Keil, Kai und Thorsten Wingenfelder waren in der Viller Mühle zu Gast. Das Trio Akustik spielte im ausverkauften Sacklager.

Goch..  Regale mit alten Maggi-Flaschen, Persil-Dosen, kleinen Mehltüten und Kaffeemühlen hängen an der Wand. Schilder, mit der Aufschrift „Klosett“ weisen den Weg aufs stille Örtchen. Auf langen Holzbänken sitzen die Gäste, trinken Bier oder Wein, unterhalten sich. Das Sacklager der Viller Mühle ist voller Leben, rund 500 Besucher sind da. Die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder, Ex-“Fury in the Slaughterhouse“-Musiker, und ihr Musikerfreund Norman Keil machen auf ihrer kleinen „Trio Akustik Tour“ auch in Goch Halt.

Geschichten aus dem Leben

„Hallo Ihr Säcke“, begrüßt Kai Wingenfelder die Anwesenden und sorgt damit gleich für gute Stimmung. In T-Shirt und mit schwarzer Weste kommen die Jungs auf die Bühne und erzählen von ihren Erlebnissen auf der Tour. Sie berichten über Begegnungen mit Fans und witzige Begebenheiten. „Wir spielten in Buchholz und in unserem Hotel hingen drei Uhren mit der Zeit von New York, Tokio und Buchholz. Weltstadt bleibt Weltstadt“, lacht Kai Wingenfelder. Von Beginn an ist die Atmosphäre sehr persönlich. Mit ihrer Musik und ihren Geschichten lassen die Musiker die Gäste an ihrem Leben und ihren Erfahrungen teilhaben. „Wir erzählen Geschichten aus unserer Generation. Das sind Storys, die man mitnehmen kann“, sagt Thorsten Wingenfelder. Sein Bruder ergänzt: „Wir erzählen von Dingen, die berühren. Besonders Momente, in denen man die Hosen runterlässt, verbinden.“ Das kommt auch bei den Gästen an. „Wir kannten die noch gar nicht. Die Karten haben wir von Freunden übernommen. Aber die Musik und die Art der drei gefallen mir“, sagt Ellen Rütter.

Liebe, Wut, Trauer und unvergessliche Momente

Auch die Songs sind persönlich. Drin geht es um große Gefühle, Liebe, Wut und Trauer und um unvergessliche Momente. In „Dinge, die wir nicht verstehen“ singt Thorsten Wingenfelder über die Zerbrechlichkeit der Liebe. Mit „Klassenfahrt“ bringen die drei ihre Kindheit zurück. Still wird es im Saal als Norman Keil mit „Springen in die Nacht“ erzählt, wie er als kleiner Junge den Mauerfall erlebte. Gefühlvoll und nur von der Gitarre begleitet singt der in Erfurt geborene Musiker seine ganz persönliche Hymne zu den Geschehnissen 1989. Dafür erntet er lautstarken Applaus aus dem Publikum. „Bei der Nummer kribbelt’s “, sagt Kai Wingenfelder.

Doch auch wer auf Songs aus Fury-Zeiten hoffte, kommt nicht zu kurz. Bei „Times to wonder“ ist die Stimmung auf dem Höhepunkt und das Publikum singt und klatscht mit. Jasmin Beyer trägt ein rotes Wingenfelder-T-Shirt. Die Emmericherin ist schon seit Jahren Fan und sitzt in den ersten Reihen. Ihr Fazit: „Es ist spitze mittendrin und live mit dabei zu sein. Einfach unvergesslich.“

Das neue Wingenfelder-Album

Bereits das Album „Selbstauslöser“ war ein voller Erfolg. Mit ihrem dritten Album legen die Brüder nach - und das mit einem ganz besonderen Konzept. Ganz ohne Plattenfirma, nur mit der Unterstützung der eigenen Fans realisieren Kai und Thorsten Wingenfelder das Projekt. „Wir arbeiten gerne autark und lassen uns nicht reinreden“, sagt Kai Wingenfelder. Über die Plattform „startnext“ haben sie Geld bei ihren Fans eingesammelt. Dafür haben sie sich einiges einfallen lassen: ein Unterstützer-Armband, ein persönliches Geburtstagsständchen, eine Rolle im Musikvideo oder auch ein exklusives Privatkonzert. „Wir sind glücklich und erleichtert, dass unser Vorhaben geklappt hat. Dadurch ist die Verbindung zu unseren Fans noch enger geworden“, erzählt Thorsten Wingenfelder. Das nötige Kleingeld für das Album haben sie nun zusammen. Im März gehen die beiden mit ihren Produzenten Paul Grau und Ralf Mayer ins Studio. Anfang September wird es das Album dann auch zukaufen geben.