Willkommen in Kleve!

Ahmad Shaaban aus Damaskus (Syrien) lernt bei Gudrun Otto die deutsche Sprache.
Ahmad Shaaban aus Damaskus (Syrien) lernt bei Gudrun Otto die deutsche Sprache.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Engagierte Bürger bieten für Flüchtlinge in Kleve freiwillig Sprachkurse, Frauen-Cafés und allerlei Hilfen an. „Aber es muss noch viel mehr geschehen“

Kleve..  Gudrun Otto sieht so viel Dankbarkeit. Die ehemalige Leiterin der Klever Volkshochschule engagiert sich seit einigen Wochen für das Wohl der Flüchtlinge in Kleve. Gemeinsam mit Josefine Frank und einigen anderen Freiwilligen gibt sie in der Pfarrgemeinde Christus König kostenlos Deutschkurse – mittlerweile sind es sieben an der Zahl. „Ich mache dieses Arbeit sehr gerne, denn es gibt einem auch etwas, wenn man die Freunde sieht“, sagt Otto. An ihren Kursen nehmen regelmäßig bis zu 16 Menschen teil.

Alles ehrenamtlich

Die Sprachkurse werden seit April 2014 vom Verein „Haus der Begegnung angeboten“. Und mittlerweile wurde das Angebot auf Kalkar und Kranenburg ausgeweitet. „Das größte Problem war anfangs die Raumfrage“, schildert Organisator Ron Manheim. Dank der Unterstützung der katholischen Kirche habe man nach einigen Anlaufschwierigkeiten feste Räumlichkeiten in Kleve gefunden. Die Schulbücher wurden über eine Spende der Sparkasse bezahlt.

In Kleve gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Leuten, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Denn sie sehen, dass es für eine Willkommenskultur mehr braucht als ein Dach über dem Kopf. „Die Akzeptanz und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist groß“, sagt Josefine Frank. Nur es fehle ein Konzept, eine koordinierte Hilfe für die Flüchtlinge. „Die Bevölkerung ist gegenüber Flüchtlinge nicht negativ eingestellt“, sagt Frank. Unter den Asylbewerbern seien so viele gut ausgebildete Menschen: Apotheker, Archäologen, Fotografen, Handwerker. „Diese Leute haben es nicht verdient, dass sie so isoliert leben.“

Um sie aus der Isolation heraus zu holen, bietet das Haus der Begegnung jetzt ein Frauen-Café im Karl-Leisner-Zentrum an. Norbert Gerding, Koordinator des Freiwilligenzentrums der Caritas, kündigt an, dass weitere Projekte für die Freizeitgestaltung, Hausaufgabenhilfe und die Übernahme von Patenschaften geplant sind. Die Volkshochschule wird nach Ostern eine Schulung zum Integrationslotsen anbieten. Ehrenamtliche Helfer könnten Ansprechpartner und Begleiter bei Behördengängen sein. Das Programm wird von der Stadt Kleve mit 5000 Euro finanziert.

Für Ron Manheim, Initiator des Hauses der Begegnung, liegt dennoch vieles im Argen. Insgesamt fehle in Kleve eine verlässliche Struktur der Flüchtlingsbetreuung, die über die reine Beratung hinausgeht. Man müsse Vereine und Verbände einbeziehen, die Flüchtlinge müssten sich in einem Flüchtlingsrat zusammenschließen und die Unterkunftssituation in den Heimen müsste sich schnell verbessern.