Wie viel Historie darf es sein?

Der Rundbogen des ehemaligen Kreuzganges im Klever Minoritenkloster.
Der Rundbogen des ehemaligen Kreuzganges im Klever Minoritenkloster.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die Funde des ehemaligen Minoritenklosters sollen im neuen Rathaus gezeigt werden. Doch was soll sichtbar gemacht werden?

Kleve..  Die Bauarbeiten im historischen Altbau des ehemaligen Minoritenklosters, der bald Teil des neuen Rathauses sein wird, schreiten im Moment nicht so richtig voran. Es gibt Probleme mit der Fundamentierung des Gebäudes und nach langen Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Bauunternehmen Thönnissen, scheint es jetzt eine (finanzielle) Lösung zu geben. Und auch die historischen Befunde, die im Altbau gemacht worden sind, werden in der Politik zurzeit diskutiert. CDU und Grüne haben jetzt einen Antrag zur „Bewahrung der historischen Befunde“ gestellt.

Kreuzgang sichtbar machen

Konkret geht es um den Rundbogen eines Kreuzganges, der zum ehemaligen Waschhaus führt. Auch ein zweiter Rundbogen soll einen Eindruck des Historie vermitteln. „Uns ist es wichtig, dass die Befunde so bearbeitet werden, dass sie später sichtbar sind“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gebing. Thomas Mutz vom Gebäudemanagement der Stadt Kleve zeigte anhand einer Foto-Dokumentation, um welche Funde es sich handelt. Neben den Rundbögen gibt es auch noch Spuren eines Kaminzuges mit Rauchfang, einen Dachanschlag mit Turm, sowie einen Ansatz der Kirche aus der Zeit vor 1300.

Der Denkmalpfleger Andreas Stürmer ist erleichtert, dass die gemachten Funde nicht gefährdet sind. Wie man diese allerdings später präsentiert, sei die Angelegenheit der Stadt und eine Frage des Konzeptes: „Die Befunde aufzuhübschen fände ich einen zweifelhaften Ansatz“, so Stürmer.

Wie bereits berichtet, hatte der Archäologe Jens Wroblewski bei den Ausgrabungen am Rathaus feststellen können, dass die Steine unter dem alten Rathaus aus dem 13. Jahrhundert stammen – und damit 200 Jahre älter waren als gedacht. Das Kloster habe sich damals durch einen doppelgeschossigen Kreuzgang ausgezeichnet. Dies sei für den Niederrhein und für die angrenzenden Niederlande einzigartig, so Wroblewski. Er geht davon aus, dass die Minoriten diesen Baustil direkt aus Italien importiert haben.

Keller aus dem 13. Jahrhundert

Sowohl der Keller als auch das Erdgeschoss wurden im 13. Jahrhundert in einem Bauabschnitt errichtet. Bislang gingen die Historiker davon aus, dass das Kloster im 15. Jahrhundert errichtet worden ist. Die ältere Datierung konnte Wroblewski anhand von Mörtelanalysen nachweisen. Der Treppenturm aus 1300 wurde später in die Klosterkirche um 1500 integriert. Die bestehenden Pläne und Grundrisse des Klosters seien korrekt, so der Archäologe. Seine Ausgrabungen stimmen mit den bestehenden Zeichnungen überein.