Wie man ein Wunderland baut

Ein zweites „Wohnzimmer“ hat Han Groot-Obbink mitten im  Wunderland Kalkar.
Ein zweites „Wohnzimmer“ hat Han Groot-Obbink mitten im Wunderland Kalkar.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
„Han, mach’ mal“ hieß sein Auftrag. Han Groot-Obbink vom „Kernie“ kümmert sich ums ganze Team: „Wir müssen dafür sorgen, dass der Koch gute Laune hat“.

Kalkar..  Bei Null hat er angefangen, mehrfach schon. Hier auch. Es gab einen finanziellen Rahmen, aber inhaltlich galt: „The sky was the limit“ – der Himmel war die Grenze –, erzählt Han Groot-Obbink. „Han, mach mal“, hieß sein Auftrag, als er 1996 anfing, eine Gastronomie für ein Wunderland zu schaffen. Skeptisch seien die Kreis Klever gewesen, als Hennie van der Most das leere Beinahe-Kernkraftwerk ‘Schneller Brüter’ kaufte: „Da kommen die Holländer und machen ‘ne Pommesbude auf“, seien die Ahnungen gewesen, lacht Groot-Obbink. Es war schwierig, Personal zu finden. „Wenn der Zug still steht und keiner weiß, wohin er fährt, steigt keiner ein. Aber während der Fahrt springen sie auf.“ Tatsächlich wuchs ein großes Hotel-, Tagungs- und Freizeitzentrum.

140 Vollzeitstellen gibt es heute auch im Winter, bis zu 500 Mitarbeiter zu Hoch-Zeiten, wenn Freizeitpark, Hotel, Kneipenstraße, Messen und einzelne Events bedient werden. „Allein ist das nix. Aber mit enthusiastischen Kollegen um sich herum macht das unglaublich viel Spaß“, schwärmt der Macher. Als Manager „muss man voraus gehen, dann gehen die Leute mit. Neue Ideen? Immer rein!“

Morgens bearbeitet der „Kernie“-Geschäftsführer aktuelle Daten und Zahlen im Büro. Ansonsten ist sein Ansatz: „Managing by walking around“ (Führen durch Herumlaufen). 60- bis 70-Stunden-Woche. „Der Han“ ist immer ansprechbar, hält viel Kontakt zu Mitarbeitern und Gästen. Groot-Obbink sieht die Arbeitswelt positiv, „aber realistisch“. Ihn kümmert das ganze Team. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Koch gute Laune hat“.

Sein „Wohnzimmer“ tagsüber hat keine Wände, aber Kamin mit künstlichem Feuer, bequeme Sessel, Bilderrahmen – darin Fotos von Mitarbeitern des Wunderlandes und ihren Verwandten. Es liegt mitten im Hauptgebäude des Hotels Plaza, vor dem Buffet-Restaurant. Hier sitzt er gern. Trotz Großbetriebs „achte ich auf die kleinen Details. Alles wird mit Liebe gemacht. Wie zu Hause“, sagt er. Seine Lebenspartnerin arbeitet auch hier.

Bald Pendelschiffe

In Kalkars Kernie beginnt „jetzt die nächste Phase, alles wieder umzugestalten.“ Farblich anders, höheres Ausstattungs-Niveau in den Hotelzimmern, mehr Wellness. „Und wir wollen einen Anleger am Rhein für Pendelschiffe, vielleicht können wir damit dies Jahr schon anfangen.“ Und eventuell neue Hallen bauen, wo heute noch Tennisplätze liegen – „nächstes Jahr September müsste das fertig sein“, hofft er auf Behörden-Unterstützung. Han Groot-Obbinks Gedanken-Motor läuft immer auf Hochtouren.

Das Internet macht die Welt so schnelllebig. Zudem ist ein Ausflug ins „Kernie“ wetterabhängig, da kann ein verregneter Sommer schon mal eineinhalb Millionen Einnahmeverlust auslösen. In wirtschaftlichen Krisenzeiten – etwa in den Niederlanden – „sparen die Leute am Spaßfaktor“. Im Gegenzug können Boom-Zeiten mit 300 000 statt erwarteter 250 000 Besucher plötzlich Bedarf an zusätzlichen Zeitarbeitern auslösen. „Mindestlohn ist eine gute Sache“, findet Groot-Obbink, aber die Umsetzung müsse praktikabel bleiben. „Manche Rentner wollen lieber als Aushilfe arbeiten und keinen Vertrag“, weiß er.

Anfangs waren die Messehallen gar nicht eingeplant, sollten nur die Wintermonate füllen. Heute gehören Tourismusmesse, Gastronomiemesse und erstmals Reitermesse zu den Aushängeschildern des Kreises Kleve. Den Niederrhein zu „promoten“, also zu vermarkten, macht Han Groot-Obbink große Freude. Die Grünkohlwoche zum Beispiel hat er mit auf die Tische gebracht. Die lokalen Schätze seien Äpfel, Spargel, Kulturhistorisches und die Landschaft: Dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, kann er genießen.

Han Groot-Obbink wohnt in Grieth. 22 mal ist er schon umgezogen. Das Wunderland ist der 16. Betrieb, in dem er arbeitet (angefangen als 14-Jähriger beim Hotelzimmer-Reinigen, dann Nachtportier, Disco, Spülküche, Koch). Aber auf dem Sprung ist er nicht. Hier fühlt er sich wohl.

Sein Wissen über Hotelmanagement gibt Han Groot-Obbink nun auch an Studenten für „Alternativen Tourismus“ an der Hochschule Rhein-Waal weiter. Durch eine Kernie-Mitarbeiterin entstand der Kontakt zum Professor. Nun gibt der Profi jeden Freitag Einblicke in die Praxis und bittet um Visionen: Wie sieht euer Traumhotel aus? „70 Prozent der Studenten sind echt top“, urteilt der Experte. „Man muss Vertrauen haben in die jungen Leute und sie nach vorne lassen“. Mit seiner Begeisterung fürs Fach steckte auch an seine eigenen Kinder an – Tochter Mette studiert Food-Management, Sohn Pim Marketing.