Wenn die Welt ganz klein wird

Kleve..  Die Zahl der Patienten sei in den vergangenen Jahren „drastisch gestiegen“. Dr. Helmut Reinartz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der LVR-Klinik in Bedburg-Hau, beobachtet, dass immer mehr Menschen die Tagespflege seines Krankenhauses in Anspruch nehmen. 2000 Menschen seien es im vergangenen Jahr gewesen, die aufgrund von Depressionen und Angstzuständen eine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Die Wartezeit für einen Platz in der Tagesklinik betrage mittlerweile zwei bis drei Monate.

Hilfe zur Selbsthilfe

In Zusammenarbeit mit dem Selbsthilfebüro des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, dem Verein Papillon und der LVR-Klinik wird nun eine neue „Selbsthilfegruppe für Menschen mit Ängsten, Depressionen und Burn-out“ gegründet. Die Gruppe richtet sich an Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen. Denn auch wenn das so genannte „Burn-out“ noch nichts mit einer krankhaften Depression zu tun hat, könne die Entkräftung doch „ein Risikofaktor für Depressionen sein“, so Dr. Reinartz. Die Selbsthilfegruppe soll Menschen helfen, denen es mental schlecht geht, die isoliert sind, sich zurück ziehen und sich ausgelaugt fühlen. Der Kontakt zu Gleichgesinnten könne verhindern, dass sich aus den Symptomen eine Depression entwickelt.

Begleitet wird die Gruppe von Bärbel Vick vom Paritätischen und von Dr. Reinartz. In der Gruppe wolle man auch die Ursachen angehen: die Überforderung am Arbeitsplatz, die Vereinsamung im Alter oder andere individuelle Lebenskrisen. „Wir fragen uns: Was hat den Menschen in die Depression getrieben?“, so Reinartz. Und dann müsse man an ganz einfachen Lösungen arbeiten. Wenn jemand zuvor 60 Stunden in der Woche gearbeitet habe, müsse er diese auf 40 reduzieren. „Das klingt banal, ist es aber nicht“, so Reinartz.

Josef Berg, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Papillon, sagt: „Psychosoziale Hilfen wirken.“ Und auch Dr. Reinartz ist überzeugt, dass durch den Kontakt zu anderen Menschen die Gefährdung für eine krankhafte Depression abnehme.

Wichtige Multiplikatoren für die Selbsthilfegruppe sind Hausärzte. Denn 75 Prozent der Burn-out-Patienten gehen oft mit Krankheits-Symptomen wie Kopf- oder Gliederschmerzen zuerst zum Hausarzt. Diese könnten künftig die Selbsthilfegruppe als zusätzliches Angebot den Betroffenen an die Hand geben.