Was, wenn Leenders kandidiert?

Dr. med. Artur Leenderswäre bereit, als Konsenskandidat mehrerer Parteien fürs Klever Bürgermeisteramt anzutreten. Damit der Bürger die Wahl hat.
Dr. med. Artur Leenderswäre bereit, als Konsenskandidat mehrerer Parteien fürs Klever Bürgermeisteramt anzutreten. Damit der Bürger die Wahl hat.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Grüne stünde in Kleve als Konsenskandidat fürs Bürgermeisteramt bereit. Der Unfallchirurg müsste dann seinen Beruf aufgeben. Aber noch hat ihn keiner gefragt

Kleve..  Die Gerüchteküche brodelt in Kleve, wer denn der nächste Bürgermeister werden könnte. Nicht nur, dass lokale Kabarettisten unken: Mit Udo Janssen als Kandidaten beginne nicht nur die „Stunde Null“ der Klever CDU, sondern „die Stunde der Null“ (Bericht auf Lokalseite 2). Nein, es ist einfach nach wie vor Rumoren in allen politischen Lagern. Alle fühlen sich veranlasst, personelle Gegenentwürfe zu basteln. Was ist dran, dass der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Kalkar, Dr. med. Artur Leenders, als Klever erster Bürger antreten könnte? Die NRZ fragte nach und der Grüne Leenders antwortete in seiner typisch offenen Art: „Ja, wenn sich Parteien auf meine Person einigen wollten und mich als Konsenskandidaten aufstellen wollen, würde ich es machen.“ Doch „das müssen Parteigremien entscheiden. Das liegt nicht an mir“, sagt er.

Die Grünen sind in Kleve bekanntlich flexibel: Sie koalieren seit Jahren mit der CDU. Da könnte Leenders also auch als Partner im „Konsens“ bestehen. Oder eben mit den anderen Fraktionen und Parteien – falls die auf eigene Leute verzichten – gegen die CDU. Wenn die Christdemokraten einen Bürgermeister-Anwärter ins Rennen schicken, der nicht in der Bürgerschaft akzeptiert wäre.

Udo Janssen habe mit Leenders’ Entscheidung aber nichts zu tun. „Dass wir weltanschaulich weit auseinander liegen, ist bekannt“, sagt Leenders. Aber er wäge die Idee schon viel länger mit seiner Frau ab. „Bisher hat mich noch keiner angesprochen“, hält er sich zurück. Erfahrung mit der Bewerbung auf diesen Posten hatte Leenders schon in anderen Legislaturperioden. Das Motto seiner Kandidatur 2008 würde sicher auch diesmal gelten: „Ich liebe Demokratie – ich hasse Wahltaktik”. Anders aber ist diesmal, dass er auf keinen Fall gegen seinen Freund Theo Brauer, den amtierenden CDU-Bürgermeister, antreten will. „Denn das wäre dummes Zeug“. Falls Brauer sich doch für die Verlängerung seiner Amtszeit entscheiden sollte – entgegen der bisherigen Ankündigung –, will Artur Leenders Arzt bleiben.

Schon ewig in der Politik

Die Praxis in Kalkar zu verlassen, wäre für den Unfallchirurgen „ein schwerer, ein Riesenschritt. Nie wieder Arzt? Ich habe stundenlang mit meiner Frau Hiltrud darüber diskutiert. Sie muss das ja mit tragen“, erzählt er. „Ich liebe meinen Beruf. Ich habe in der Praxis in Kalkar eine neue Partnerin, es läuft wunderbar“. Und ob er nach möglichen fünf Jahre Bürgermeisteramt in Kleve „dann mit 66 Jahren in den Beruf zurück kehre?“ fragt er sich. Die Antwort ist offen.

Vom Grünen Artur Leenders, alter Klever, „schon ewig in der Politik“ und in den letzten Jahren als Koalitionspartner mit verantwortlich für die Stadtentwicklung, weiß man, wofür er steht. „Ich wäre wohl ein transparenter Kandidat“. Welche Position hat er zum Minoritenplatz? „Die Firma Colt finde ich ja immer noch sehr interessant“, lautet seine Antwort. Wie berichtet, hat das Klever Unternehmen Colt in Hamburg das weltweit Aufsehen erregende Haus gebaut, das sich mit einer Algen-Fassade als Bio-Reaktor selbst mit Energie versorgt. „Ein zweites dieser Art in Kleve wäre der Knaller, wäre ein Aushängeschild“, sagt der frühere Grünen-Fraktionschef.

Gespannt sieht er auf „50 Hektar zu vermarktende Fläche in der Innenstadt, unmittelbar an der Hochschule – unfassbar“. Das Areal von Bahn, Margarine-Union, Bensdorp, Xox und das Hinterland der Kalkarer Straße brächten Kleve in eine Situation „wie in Berlin“. Dort trennte die Mauer zwei Teile der Stadt, hier trennte im Kleinen die Bahnlinie Kleve von Kellen. In beiden Städten geht es um die Entwicklung der Innenstadt. Das müsse man „behutsam, aber zielsicher“ voran treiben.