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Was nimmt der Käufer in Kauf?

29.11.2007 | 19:41 Uhr

WIRTSCHAFT. Experten sprachen über eine Neuausrichtung der Innenstadt. Das Rezept lautet: Shopping-Tourismus.

KLEVE. Der Kampf des Einzelhandels um die Gunst der Konsumenten nimmt immer schärfere Formen an. Es reicht nicht mehr aus, dem Kunde lediglich ein breites Produktangebot zu präsentieren. Er möchte einen guten Grund für seinen Kauf geliefert bekommen. Und um seine Konsumfreude auszuleben nimmt er immer häufiger weite Entfernungen in Kauf, wie Dr. Andreas Kaapke gestern im Klever Kino vor Vertretern von Kommunen, Wirtschaftsförderern und Tourismus- oder Handelsunternehmen auf einer Fachtagung mit dem griffigen Titel "Quo vadis Innenstadt?" erklärte.

Kaapke ist Handelsforscher an der Universität Köln und beschäftigt sich mit der Frage, wie der Einzelhandel gemeinsam mit einer Stadt neue Kundschaft in die Einkaufsstraßen ziehen kann. Sein Rezept: Shopping-Tourismus. Besucher, die hauptsächlich deshalb eine Stadt besuchen, weil man dort besonders gut einkaufen kann.

12,5 Milliarden Euro setzt der deutsche Einzelhandel durchschnittlich pro Jahr durch Shopping-Touristen um. Grund genug für die Stadt, sich mit diesem Segment auseinanderzusetzen. Doch wie wird man zum unausweichlichen Magnetfeld der Einkaufsurlauber? Indem man die Reize der Umgebung mit einem besonderen Angebot in den Innenstädten kombiniert. Und dazu, so Kaapke, bedürfe es einer engen Zusammenarbeit zwischen Einzelhandel und Stadtverwaltung. Mit Äußerungen wie "der Handel kann es nicht richten, wenn das Drumherum nicht stimmt", machte sich der Forscher für einen Schulterschluss stark, in dem die Stadt für die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Sauberkeit, und die Kaufleute für die entsprechende Inszenierung sorgen sollten.

Und während ihrer Inszenierung sollten sie sich darüber bewusst sein, dass sie "auf Gedeih und Verderb" auf immer wieder neue Kundenströme angewiesen seien. Deshalb plädiert der Experte für eine hohe Professionalität. Schließlich sei der Erfolg eines mallorcinischen Hotels, das noch nicht fertiggebaut sei, aber schon seit vier Monaten beworben werde, auch nicht von langer Dauer.

Dass die Schwanenstadt über gute Grundlagen verfügt, um die Wandlung zu einem kulturell und gleichzeitig wirtschaftlich reizvollen Reiseziel zu erreichen und Kaufkraft in die Innenstadt zu bringen, dessen war sich Theo Brauer vor Kaapkes Vortrag sicher. Der erste Schritt könnte allerdings sein, den Weihnachtsmarkt im kommenden Jahr ins Zentrum zu bringen. Denn die Entscheidung, den Markt auszulagern, um den Einzelhandel zu stärken, nannte Kaapke schlicht und einfach "fatal".Auch für Planungsdezernent Jürgen Rauer sind die Möglichkeiten gegeben, die Stadt zu stärken. Die Schwanenburg, die Topographie und Joseph Beuys seien zugkräftige Merkmale. Und die Stadt setze sich bereits für Strukturverbesserungen ein, so Rauer, der als Beispiel die Museumserwerweiterung für rund drei Millionen Euro nannte.

PHILIPP ORTMANN

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