Warum nicht Kleve?

Stefanie Lajos arbeitet am Essener St. Vincenz Krankenhaus und möchte sich später in Kleve als Ärztin niederlassen.
Stefanie Lajos arbeitet am Essener St. Vincenz Krankenhaus und möchte sich später in Kleve als Ärztin niederlassen.
Foto: Anne Wohland
Was wir bereits wissen
Stefanie Lajos lässt sich in Essen zur Chirurgin ausbilden –und möchte später am unteren Niederrhein eine eigene Praxis führen

Kleve..  Dass sie irgendwann einmal nach Kleve zurück kommt, ist für Stefanie Lajos keine Frage. Sie studiert zurzeit Medizin und befindet sich im zweiten Jahr ihrer Assistenzarzt-Ausbildung im katholischen St. Vincenz-Krankenhaus in Essen. Unfallchirurgin möchte sie werden und am liebsten in ein paar Jahren in Kleve eine Praxis eröffnen. Auch wenn ihre Kollegen sie für verrückt erklären müssen: „Kleve ist eine sehr, sehr schöne Stadt und hat sich in den letzten Jahren toll entwickelt. Warum sollte man hier nicht Ärztin werden wollen?“

Fehlende Kultur?

Tja, warum eigentlich nicht? Die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein weiß einige Gründe zu nennen. Vor allem das fehlende kulturelle Angebot bemängeln junge Nachwuchs-Ärzte, wenn sie begründen sollen, warum das platte Land nicht auch eine Anlaufstelle für sie sein könnte. Dazu kommen viele Dienste für niedergelassene Ärzte, mitunter Hausbesuche und eine schlechtere Entlohnung für die Behandlung von Kassenpatienten.

Stefanie Lajos stört die viele Arbeit nicht: „Ich scheue mich ja nicht vor der Arbeit. Es geht um meinen Beruf.“ Und der sei auch eine Berufung. Gerne möchte sie eine Praxis in Kleve übernehmen, aber das ist für sie noch weit entfernte Zukunftsmusik. Zurzeit lernt sie im Vincenz-Krankenhaus in Essen ihr Handwerk. Sie kümmert sich um die Patienten auf ihrer Station, begleitet die Chef- und Oberärzte bei den Visiten, sie leistet akute Notfallhilfe und ist bei Operationen dabei. „Ich wollte schon immer Unfallchirurgin werden“, sagt sie. Viel arbeiten müsse sie auch jetzt im Krankenhaus. Das sei kein großer Unterschied zu einem niedergelassenen Arzt. „Ich arbeite gerne. Wenn das Team gut zusammenarbeitet, macht auch die Arbeitsbelastung nichts aus.“

Für Landrat Wolfgang Spreen ist Stefanie Lajos ein Paradebeispiel, wie man junge Ärzte zurück an den Niederrhein holen kann: Mit Begeisterung für Land und Leute, mit der Betonung der Natur, aber auch der kulturell reizvollen Grenzlage. „Es gibt doch eine ganze Reihe von Vorurteilen über den Kreis Kleve“, sagt Spreen. „Hier wird eine Menge geboten und dies müssen wir auch den jungen Ärzten vermitteln“, so der Landrat. So gebe es hier eine hervorragende Kinderbetreuung, eine wachsende Hochschule und „so ganz abgeschieden lebt man hier ja nun auch nicht.“ Er möchte gerne eine „Hausarztakademie“ im Kreis Kleve etablieren, um zusätzliche Ärzte in den Kreis Kleve zu holen.

An Urbanität gewonnen

Stefanie Lajos weiß, dass ihre Kollegen nicht den Drang haben, aufs Land zu ziehen. Dabei habe gerade Kleve in den letzten Jahren an urbanen Lebensstilen gewonnen: Das Kino sei toll, die neuen Cafés in der Unterstadt am Spoykanal seien schön und die Studierenden brächten mehr Einflüsse von außen in die Stadt.