Wald oder Windräder

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Kleve..  Trotz der nass-kalten Witterung riecht es intensiv nach Wald. Ein Spaziergang auf dem Kartenspielerweg ist auch jetzt im Winter für viele Erholung pur. Seit Waldspaziergänger und Anwohner vom Projekt „Windpark im Kranenburger Reichswald“ erfahren haben, ist bei manchen die Unsicherheit groß. Denn wenn das Projekt des Wiesbadener Unternehmens ABO Wind genehmigt wird, dann wüten an weiten Strecken des Kartenspielerwegs demnächst die Motorsägen.

Zum Hintergrund: ABO Wind hatte im Jahr 2014 ein Konzept für die Nutzung der Windkraft im Reichswald vorgelegt und damit die Gemeinde Kranenburg als auch den Landesbetrieb Wald und Holz überzeugt. In der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze sollen zwölf Anlagen errichtet werden. Mit einer Windgeschwindigkeit von 6,4 Metern pro Sekunde sei dieser Standort besonders attraktiv, so die Gemeindeverwaltung. Die Anlangen werden für 80 000 Menschen Strom produzieren können. Allerdings muss für die Aufstellung eines jeden Windrads jeweils eine fußballfeldgroße Fläche gerodet werden.

Interessierten und kritischen Nachfragen zum geplanten Windpark im Kranenburger Reichswald stellen sich das Unternehmen und die Gemeinde Kranenburg am Montag, 23. Februar, 19 Uhr, im Bürgerhaus Katharinenhof. „Wir möchten den Bürgern die Gelegenheit geben, Fragen zu stellen und sich ein umfassendes Bild von diesem Projekt zu machen“, so Bürgermeister Günter Steins. Es sei das Ziel, frühzeitig und fundiert zu informieren.

Standortfrage

Das Planungsteam des Wiesbadener Unternehmens ABO Wind wird das Projekt vorstellen. An dem Abend soll das Konzept den Bürgern vorgestellt werden. „Das Gelände entlang des Kartenspielerwegs bietet großartige Möglichkeiten“, so Planungsleiter Georg von Aretin. Aber eben auch bislang viel Wald.

Das Gelände im Reichswald gehört dem Staatsforst: „Windkraft im Wald erfordert eine besonders behutsame Planung“, so Georg von Aretin. Aktuell werden Gutachten erstellt, die Auswirkungen eines Windparks auf die Tier- und Pflanzenwelt überprüfen sollen. Auf jene Gutachten wartet die Nabu, bevor sie Stellung bezieht. Dr. Volkhard Wille, Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), erklärte im Gespräch mit der NRZ: „Bis zum Ergebnis des Gutachtens halten wir uns bewusst zurück. Es gibt Tabuflächen, da würden wir sofort mit unserer Meinung vorpreschen, z.B. Gänserastflächen. Für den Reichswald gelten auch strenge Bedingungen, die erfüllt sein müssen, aber der Reichswald ist keine Tabufläche.“ Wille gibt zu, dass man hier deutlich in einer Zwickmühle sei: Energiewende ja, aber eben naturverträglich. Im Reichswald gibt es Kolkraben, Wespenbussarde und Co, die betroffen sein werden. Aber selbst dort gibt es auch für die Nabu eine andere Seite der Medaille. Wille: „Man kann die zahlreich vorhandenen intensiv bewirtschafteten Monokulturen mit Kiefern fällen und eine Art Heideaufwuchs begünstigen. Das wäre eine Chance. Oder aber man schlägt wertvollen Mischwald kahl. Das wäre nicht zu wünschen.“ Bleibt also abzuwarten, was das Gutachten für Ergebnisse bringt.