Von wegen Killerinsekt

Diese Hornissenkönigin ist gerade dabei, Holz von dem toten Stamm abzuraspeln. Aus der papierartigen Masse wird dann das Hornissennest gebaut.
Diese Hornissenkönigin ist gerade dabei, Holz von dem toten Stamm abzuraspeln. Aus der papierartigen Masse wird dann das Hornissennest gebaut.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Über Hornissen wird mitunter großer Humbug erzählt. Dabei sind sie sehr friedlich

Kleve..  In den letzten Tagen habe ich einmal etwas länger eine Hornissenkönigin beobachten können. Daraufhin habe ich mich ein bisschen umgehört, was die Menschen über dieses faszinierende Insekt so wissen. Für die meisten ist die Hornisse keine Unbekannte. Was man so zu wissen meint, ist aber leider oft blanker Unsinn.

Weit verbreitet ist die Mär von der Tödlichkeit des Hornissenstichs. Der basiert auf dem wohl früher oft gelehrten Satz, dass „sieben Stiche ein Pferd“ töten würden, drei sollten für einen Menschen ausreichen. Was für ein Unfug! In Relation zur Honigbiene ist das Hornissengift deutlich weniger giftig. Das liegt daran, dass Hornissen als Insektenjäger ihren Stachel und das Gift zum Töten ihrer Beute, z.B. wehrhaften Wespen oder auch großen Heuschrecken einsetzen. Arbeiterinnen der Bienen dagegen setzen ihren Stachel ein, um ihren Stock, der mit süßem Nektar eine begehrte Beute darstellt, zu verteidigen. Dabei greifen sie auch Säugetiere an, der Stachel bleibt im Körper stecken und entleert sich vollständig.

Die Hornisse geht sparsam mit ihrem Gift um, weil sie zum Abtöten von Insekten immer wieder eine Injektion setzen können muss. Man hat anhand der Giftigkeit von Hornissengift ausgerechnet, dass es erst ab 500 Stichen für einen gesunden Menschen kritisch werden kann. Hornissenstaaten haben im Maximum 500 bis 800 Tiere, von denen aber nur 10 bis 20 Prozent stechen. Es ist also schwer vorstellbar, dass unsere Hornisse für ein größeres Säugetier, einschließlich Mensch, tödlich sein kann. Für Allergiker gelten selbstverständlich andere Maßstäbe und grundsätzlich gilt, dass man die unmittelbare Nähe zu Nestern von Hornissen, genauso wie auch zu Bienen, Wespen und doch eigentlich allen Tieren, meiden sollte. Zum einen um nicht zu stören und zum anderen um nicht angegriffen zu werden.

Die Nester von Hornissen sind zwar immer Marke Eigenbau, aber gerne an trockenen Orten, z.B. in Vogelnistkästen, natürlichen Baumhöhlen oder auch unter Dächern, an oder in Schuppen etc. Den „Grundstein“ legt bzw. klebt die Königin höchstselbst. Hierzu sucht sie einen geeigneten Standort und beginnt dann das Holz abzuraspeln und mit Sekret zu verkleben. Daraus entsteht eine papierartige Masse, aus der sie das Nest baut und in dem sie Waben anlegt. Darin legt sie Eier ab, aus denen die Larven schlüpfen. Nach deren Verpuppung kommen die Arbeiterinnen zur Welt, die der Königin dann die meisten Arbeiten am Nest und die Versorgung der Larven abnehmen.

Ein Hornissenstaat ist eine Art „Superorganismus“. Frei nach dem Motto, „der Einzelne ist nichts, der Staat alles“, sind Hornissen organisiert. Die Arbeiterinnen können sich nicht vermehren, das ist allein der Königin vorbehalten. Die Männchen sind aus unbefruchteten Eiern entstanden und haben in ihrem Erbgut nur den halben Chromosomensatz. Unter ihnen wird ausgefochten, wer sich mit der neuen Königin paaren darf. Diese übersteht als einzige den Winter und gründet im nächsten Frühjahr mit befruchteten Eiern die nächste Generation.

Bei der Nahrungsbeschaffung für die Larven sind Hornissen effektive Jägerinnen. Man hat berechnet, dass ein Nest mit rund 500 Tieren pro Tag bis zu einem halben Kilo Insekten und Spinnen töten kann. An der sommerlichen Kaffeetafel im Garten besteht beim Besuch einer Hornisse kein Grund zur Panik. Anders als die Wespen, die es auf Zucker, Kuchen, Marmelade usw. abgesehen haben, sind die Hornissen eher auf die Wespen aus, die sich dort gut erbeuten lassen. Gönnen sie sich doch einmal eine solche Beobachtung, wenn sie die Nerven dafür haben. Immer dran denken: Genauso wie Hummeln sind Hornissen äußerst friedliche Tiere.